22.01.2004 · Die Gier ist zurück an den Börsen. Und mit der Nanotechnologie finden Spekulanten auch einen Bereich, in dem sie sich austoben können. Denn hier werden verbunden mit hohen Risiken Visionen für Kursexplosionen geboten.
Wenn der Begriff Nanotechnologie fällt, dann geraten die Spekulanten unter den Börsianern in diesen Tagen geradezu in Ekstase. Denn angesichts der in der Tat vielversprechenden Aussichten dieser Branche, geht mit einigen Marktteilnehmern die Phantasie durch. Schnell werden dann Superlative wie Billionen- oder Megamarkt verwendet und davon, daß dieser Bereich die Kraft haben könnte, der Weltwirtschaft über Jahrzehnte hinweg zu den entscheidenden Wachstumsimpulsen zu verhelfen.
Ganz von der Hand zu weisen ist die zuletzt genannte These zwar nicht, doch an der Börse führt dieses offensive Denken dann zu rasanten Kurssprüngen, die dem Anfangsstadium, in dem die Branche steckt, nicht gerecht werden. Das gilt ganz speziell für jene Titel, bei denen irgendwie im Firmennamen das Wort Nano auftaucht. So hat sich der Kurs von Nanopierce Technologies seit Jahresanfang verdoppelt und die Notierungen von Nanophase Technologies sowie von Nanogen haben sich seit November verdreifacht oder gar vervierfacht. Aber selbst das verblaßt im Vergleich zur Kursverzehnfachung, die die Nanometrics-Aktie seit Oktober 2002 eingefahren hat.
Dabei muß diese Wissenschaft trotz der Prognosen, die der Branche schon im Jahr 2010 ein Umsatzpotential von bis zu einer Billion Dollar verheißten, erst noch viel Grundlagenarbeit leisten, bevor sie den endgültigen Durchbruch schafft. Wie viele Jahre es noch dauert, bis sich damit richtig Geld verdienen läßt, kann überhaupt noch nicht verläßlich eingeschätzt werden.
Bei der Beurteilung der Branche stochern Anleger oft noch im Nebel
So gesehen erinnern die Kursausschläge bei den Nanotechaktien an den verrückten Hype, der sich Ende der neunziger Jahre um die Internetwerte abspielte. Ob es zu einem ähnlichen Desaster kommt, ist zwar nicht sicher, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden.
Fest steht lediglich, daß die Branchenvertreter bisher kaum Umsätze erzielen, geschweige denn Gewinne einfahren. Daran gemessen erscheinen einige Bewertungsrelationen, wie etwa das Verhältnis von Umsatz zur Marktkapitalisierung, schon wieder ausgesprochen hoch zu sein.
Fraglich ist auch, ob alle mitmischenden Börsianer wirklich wissen, in was sie da investieren. Schließlich handelt es sich um eine sehr komplexe Materie, bei der man ohne spezielle Kenntnisse kaum in der Lage sein dürfte, das Zukunftspotential einzelner Firmen mit einem ausreichendem Maß an Sicherheit vorherzusagen. Klar ist nur, daß es um die Miniaturisierung und Mutation von Produkten und Eigenschaften geht.
Viele Unternehmen wollen möglichst kräftig mitmischen
Noch vereinfachter dargestellt handelt es sich bei der Nanotechnologie um die Erforschung, Bearbeitung und Produktion von Strukturen mit einer Größe von unter hundert Nanometern. Das sind Partikel, die kleiner sind als der 10.000 Teil eines Millimeters. Das alleine ist für den unbedarften Laien schon kaum vorstellbar und noch weniger, was irgendwann einmal mit Nanotechnologieprodukten angestellt werden kann. Ersichtlich für den Branchen-Außenseiter ist eigentlich nur, daß es sich um einen Sektor mit enormen Wachstumschancen handelt.
Das sehen auch viele Unternehmen so und sie versuchen deshalb, sich mit großen Anstrengungen einen Wettbewerbsvorsprung zu sichern. Zu den Branchenvertretern zählen dabei große und zum Teil breit diversifizierte Konzerne wie IBM, Intel, Hewlett Packard, General Electric oder Samsung Electronics sowie kleinere, reine auf den Bereich spezialisierte Firmen wie die Eingangs genannten Kursraketen.
In beiden Größenordnungen mischen im übrigen auch viele deutsche Unternehmen kräftig mit. Wobei zu den prominentesten Akteuren Gesellschaften wie BASF, Bayer, Degussa und Henkel gehören. Diese Namen kommen nicht von ungefähr, scheint die Wissenschaft im Bereich Chemie doch schon am weitesten fortgeschritten zu sein.
Ausleseprozeß droht
Allerdings macht bei diesen großen Firmen der Bereich Nanotechnologie nur einen Bruchteil des Geschäfts aus und ist folglich für die Beurteilung einer Aktie (noch) nicht entscheidend. Bei den kleineren Unternehmen, die sich ausschließlich mit Nanotechnologie beschäftigen, besteht dagegen die Gefahr, möglicherweise auf das falsche Pferd zu setzen. Mit den zuletzt teilweise markanten Kursanstiegen ist diese Gefahr natürlich nicht geringer geworden.
Wer trotz aller Risiken in den Zukunftssektor investieren will, für den bietet sich der Ausweg über Fonds an. Mit dem Activest Lux NanoTech (ISIN: LU0150271186 ) und dem H&A Lux DAC Nanotech (ISIN: LU0172295247 ) sind zwei dieser Fonds auch in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Angesichts der Branchen-Hausse sind auch diese Fonds zuletzt sehr gut gelaufen. Aber selbst hier darf das Risiko einer Konzentration der Anlagemittel auf eine einzige Branche nicht unterschätzt werden.
Schließlich kann es durchaus passieren, daß den Sektor das gleiche Schicksal ereilt wie die Internet-Aktien. Und bei denen war es so, daß es nach dem ersten Hype zu einem Ausleseprozeß kam, den nur die besten Vertreter ihres Faches überstanden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |