11.10.2004 · Der Kursaufschwung bei den Aktien der Automobilzulieferer ist ins Stocken geraten. Eine wichtige Rolle spielen dabei die hohen Rohstoffpreise, da sie auf die Gewinnspannen drücken.
Viele Aktien aus dem Bereich der Automobilzulieferer sind in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. Ein Blick auf die Charts von Titeln wie Beru, Elring Klinger, Leoni oder Progress-Werk Oberkirch belegen diese Behauptung. Doch seit einigen Monaten ist der Aufschwung ins Stocken geraten. Selbst die Continental-Aktie, deren Höhenflug dem Titel die Rückkehr in den Dax ermöglichte, hat neuerdings Schwierigkeiten beim Erklimmen neuer Kurshöhen.
Die Schuldigen für diese Entwicklung sind schnell ausgemacht. Eine Rolle spielen natürlich die allgemeinen Absatzprobleme, mit denen die Autobranche zu kämpfen hat. Aber dieser Umstand ist nicht neu und hat bis vor kurzem die Kursentwicklung nicht entscheidend behindert. Also muß es noch einen anderen Kursbremser geben. Dieser findet sich vermutlich in den steigenden Rohstoffpreisen. Denn die machen dem Sektor mehr und mehr zu schaffen.
Unternehmen ohne langfristige Lieferverträge für Rohstoffe bluten
Am Wochenende sprach Andreas Möhlenkamp, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung, wegen der drastisch gestiegenen Stahlpreise sogar die Warnung aus, daß immer mehr Mittelständler aus der Automobilindustrie an den Rand des Ruins getrieben würden. „Es ist bereits zu ersten Insolvenzen gekommen“, stellte Möhlenkamp in der Branchenzeitung „Automobilwoche“ fest.
Viele mittelständische Zulieferer, die nicht über langfristige Lieferverträge für ihre Rohstoffe verfügen, seien bereits von den Rohstoffherstellern und Vorlieferanten zur Kasse gebeten worden. „Viele Unternehmen hängen deshalb jetzt am Tropf“, sagte Möhlenkamp.
Die Probleme, welche die hohen Rohstoffpreise nach sich ziehen, kam in der Vorwoche auch in einer Gewinnwarnung von Edscha zum Ausdruck. Der Anbieter von Scharnier-, Cabriodach- und Betätigungssysteme sowie LKW-Schiebeverdecke und Fahrzeugentwicklung machte die Rohstoffpreise und einen zyklisch bedingten Rückgang im Geschäft mit Cabriodachsystemen für die sich abzeichnende Verfehlung des Gewinnziels im Geschäftsjahr 2004/05 verantwortlich.
Rohstoffpreise dürften Belastungsfaktor bleiben
Da der Trend hin zu steigenden Rohstoffpreisen intakt ist und kein Ende der Hausse in Sicht ist, dürfte dieser Faktor die Aktien der Automobilzulieferer bis auf weiteres belasten. Um einen neuen Kursturbo zu zünden, wäre es außerdem wichtig, wenn sich die Forderung von Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), nach geringeren Arbeitskosten und mehr Flexibilität Wirkung zeigen würden. Denn wie Gottschalk zutreffend feststellt, ist die Technologieführerschaft der deutschen Anbieter nicht mehr in jeden Fall in der Lage, die Kostennachteile zu überspringen.
Allerdings wäre es auch falsch, nun mit Blick auf die Branche der Automobilzulieferer negativ darzustellen. Die Anbieter sehen sich schon lange einem hohen Preisdruck ausgesetzt und haben es bisher dennoch immer wieder ganz gut geschafft, sich zu behaupten. Mit einem Wettbewerbsvorsprung gegenüber der Konkurrenz agierenden Unternehmen wie ElringKlinger sollte es zumindest einigermaßen gelingen, die steigenden Rohstoffpreise auf die Kunden überzuwälzen.
Zudem weißt auch Gottschalk auf die Chancen hin, die sich aus den wahrscheinlich ergebenden deutlichen Nachfragezuwächsen aus China und Indien sowie aus Osteuropa ergeben werden. Zugunsten vieler dieser Aktien ist auch anzuführen, daß ihre Bewertungen zwar nicht mehr so nicht sind wie noch vor Jahren, von großen Übertreibungen aber noch keine Rede sein kann. Mitunter wird wie ebenfalls im Falle von Elring Klinger sogar eine ansehnliche Dividende gezahlt, was die Kurse mittelfristig ebenfalls stützen sollte. Das ändert aber nichts daran, daß bei weiter steigenden Rohstoffpreisen die Kursaussichten zunächst vermutlich gedeckelt bleiben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |