16.06.2004 · Die stolzen Wachstumsraten im Geschäft mit Erotik könnten Erotik-Aktien eigentlich zu einer spannenden Geldanlage machen. Doch die zumeist hohen Bewertungen machen diese Aktien eher zu Liebhaberpapieren.
Das Geschäft mit Erotik boomt und inzwischen wird der Umsatz, den die Branche macht, von Beobachtern auf 48 Milliarden Dollar jährlich taxiert. Und die immer mehr zunehmende Aufgeschlossenheit in der Weltbevölkerung gegenüber dem ehemals als schlüpfrich eingeschätzten Thema spricht dafür, daß der Sektor auch auf Sicht auf Wachstumskurs bleiben wird.
Ein Selbstläufer sind Erotik-Aktie wegen dieser günstigen Aussichten an der Börse aber nicht. Denn schon jetzt müssen für die meisten dieser Titel Liebhaberpreise bezahlt werden. Das heißt, die Bewertungen fallen in der Regel hoch aus, so daß viel von den erhofften Zuwächsen bereits in den Kursen zu stecken scheint.
Prominentestes Beispiel für diese These in Deutschland sind die Aktien der Beate Uhse AG. Aber obwohl das Unternehmen gut geführt wird, hat der Titel den Aktionären seit dem Börsengang im Jahr 1999 nicht viel Freude beschert. Nach längerer Talfahrt hat der Kurs zuletzt zwar zu einem Aufwärtstrend gefunden, doch die hohe Bewertung dürfte starke weitere Kursavancen verhindern. Denn bei Beate Uhse kontrastiert ein im Vorjahr erzielter Umsatz von 265 Millionen Euro mit einer Marktkapitalisierung von 537 Millionen Euro. Und ein da erzielter Gewinn je Aktie von 0,20 Euro bedeutet nichts anderes als ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 60.
Börse gewährt Erotic Media viele Vorschußlorbeeren
Noch schlechtere Bewertungsrelationen ergeben sich für die Anteilsscheine von Erotic Media. Dem im Filmrechtehandel mit Erotikfilmen tätige Unternehmen, das sich selbst als größter Erotik-Content-Anbieter in Europa bezeichnet, wird eine Marktkapitalisierung von 337 Millionen Euro zugebilligt, was verglichen mit dem im Vorjahr erzielten Umsatz von 11,7 Millionen Euro ein sehr hoher Wert ist.
Allerdings ist hier zu bedenken, daß die Gesellschaft bereits beim Börsengang im Jahr 2002 mit einer hohen Bewertung an den Start ging, ohne daß dies den Titel anschließend von Kursgewinnen abgehalten hätte. Offenbar wittern hier manche Anleger die Chance, daß es Erotic Media dank der Lizenz zur Verbreitung von Vollerotikprogrammen über das Fernsehen, die man als erstes Unternehmen bekommen hat, gelingt, die Bewertungsprämie zu rechtfertigen.
Für Fantasie sorgt hier die Zusammenarbeit mit Beate Uhse TV und der Vertrieb über das 24 Stunden Programm bei Premiere unter dem Label „Blue Movie“. So ist es dem bei Premiere angebotenen Produkt seit dem Start im Februar gelungen, bisher 20.000 Kunden zu gewinnen und bis Jahresende soll diese Zahl bis auf 200.000 gesteigert werden. Trotz dieser Zuwachsraten bleibt es letztlich angesichts der Bewertungsrelationen aber eine Glaubensfrage, ob man als Anleger die Aktie von Erotic Media tatsächlich „sexy“ findet.
Private Media hofft auf Turnaround
Als wenig stimulierend haben die Börsianer zuletzt jedenfalls das eingeschätzt, was die Private Media Group zu bieten hat. Hierbei handelt es sich um einen der weltweit führenden Anbieter im Bereich der Erwachsenenunterhaltung, der den Markt nach eigenen Angaben mit hochqualitativen erotischen Inhalte versorgt, die über verschiedene Media-Kanäle wie Magazine, Video, DVD, Fernsehen und Internet vertrieben werden.
Trotz der Wachstumschancen, welche die Branche bietet, ist diese Gesellschaft aber in Turbulenzen geraten und zwischenzeitlich in die Minuszone gerutscht. Auf diese negative Entwicklung hat der Firmengründer dadurch reagiert, selbst wieder das Ruder in die Hand zu nehmen. Offenbar mit Erfolg, denn im ersten Quartal ist die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen. Allerdings tun auch hier Verbesserungen Not, denn jeder im Vorjahr verdiente Euro an Umsatz wird an der Börse immerhin mit dem 2,7fachen bezahlt. Interessant ist der Titel daher nur für jene Anleger, die an einen nachhaltigen Turnaround glauben.
Die Marktteilnehmer, die am Dienstag Präsentationen von Private Media und Erotic Media bei einer Investorenkonferenz beiwohnten, ließen sich von den da skizzierten Wachstumsaussichten offenbar nicht stimulieren. Zumindest kam in beiden Titel an der Frankfurter Börse am Vortag überhaupt kein Umsatz zustande.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |