26.07.2004 · Analysten trauen dem chinesischen Automarkt zwar jährliche Wachstumsraten von 20 und 25 Prozent zu. Doch am Aktienmarkt ist davon wenig zu spüren. Die Kurse der Autoaktien aus China haben sich zuletzt mehr als halbiert.
Die viel gepriesenen Börsen in China sind auf das Abstellgleis geraten - und wer auf die Charts vertraut, für den gibt es momentan wenig Anlaß, an eine baldige Besserung zu glauben. Zumal die Versuche der chinesischen Regierung anhalten, das sehr hohe Wirtschaftswachstum abzubremsen, um so ein Überschäumen der Konjunktur zu verhindern.
Auf eine völlig falschen Spur sind im Zuge dieser Kursbewegung auch die chinesischen Autoaktien geraten. So haben Brilliance China Automotive Holdings, die mit BMW in einem Joint Venture sehr erfolgreich zusammenarbeiten, seit Mitte Dezember einen Kursverlust von in der Spitze 57 Prozent hinnehmen müssen. Und in sogar noch kürzeren Zeiträumen halbiert haben sich die Notierungen von Honda Kooperationspartner Denway Motors, von Great Wall Automobile Holdings, Chinas größtem Lkw-Hersteller, und von Qingling Motors (die mit Isuzu aus Japan zusammenarbeiten).
Konjunkturelle Bremsmanöver treffen auch den Autosektor
Die Aktien dieser Unternehmen leiden darunter, daß die konjunkturellen Bremsmanöver auch auf den Autosektor abzielen. Zu den beschlossenen Maßnahmen zählt unter anderem eine erschwerte Aufnahme von Krediten zur Autofinanzierung. Hinzu kommt darüber hinaus noch die allgemeine Sorge vor Überkapazitäten, weil praktisch alle weltweiten Autoproduzenten massiv auf den chinesischen Markt drängen.
Bei der erstmaligen Einschätzung der Branche haben diese Umstände zusammen mit der Angst vor schrumpfenden Margen jetzt die Analysten bei CSFB Research dazu bewogen, nur eine auf „Untergewichten“ lautende Empfehlung abzugeben. Lediglich eine Halteposition ist der Sektor auch für die Analysten bei Morgan Stanley. Sie rechnen ebenfalls damit, daß sich die Branche in den nächsten vier bis sechs Monate in einem widrigen Umfeld bewegen wird.
Die erwarteten Wachstumsraten können momentan nicht verlocken
Trotz der kurzfristigen Bedenken fragt man sich natürlich angesichts der langfristig noch immer als gut beurteilten Wachstumsaussichten, ob die jüngsten Kursverluste keine Übertreibung darstellen. Diesen Eindruck könnte man nämlich dann gewinnen, wenn man wie Morgan Stanley daran glaubt, daß die chinesische Autoindustrie in den nächsten drei Jahren mit Wachstumsraten zwischen 20 und 25 Prozent zulegen wird.
Noch verlockender wird der Blick auf die chinesischen Autoaktien, wenn deren niedrige Bewertung berücksichtigt wird. So kommt Brilliance China auf Basis der von Morgan Stanley für 2004 errechneten Gewinnschätzungen auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,7 und Denway sogar nur auf eines von 7,6. Speziell die Kennziffern von Denway liegt somit deutlich unter zehn und somit dem Wert, der asiatischen Autobauern in der Vergangenheit als Bewertungsgröße im Schnitt zugestanden wurde.
Dennoch mahnt der Blick auf die Chart zur Vorsicht, sind die Kursverläufe doch eindeutig von Abwärtstrends geprägt. Ein Einstieg bietet sich im Grunde erst dann wieder an, wenn diese Trends nach oben drehen. Doch das dürfte erst dann gelingen, wenn sich das Branchenumfeld wieder aufhellt. Und davon ist kurzfristig leider nicht auszugehen. Vielmehr droht vielleicht sogar die Gefahr, daß die Gewinnschätzungen eher nach unten angepaßt werden müssen. Und bei der Beurteilung der Bewertungen ist zu bedenken, daß auch die traditionellen Autobauer aus dem Westen momentan nicht teurer sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |