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Veröffentlicht: 20.03.2017, 15:33 Uhr

Börsengang Aumann Gut gewickelt an die Börse

Der Börsengang des Autozulieferers Aumann könnte gelingen. Sein Erfolgsmotto: Gut gewickelte Spulen für den Antrieb von Elektroautos.

von
© dpa Auch für Elektromotoren von Continental wickelt Aumann.

Noch drei Tage, dann wird sich zeigen, ob man den ersten geglückten Börsengang des Jahres verzeichnen kann. Das Beteiligungsunternehmen MBB hat seit Montag der Vorwoche Aktien des Tochterunternehmens Aumann zum Preis zwischen 35 und 43 Euro im Angebot. Legt man die Kurse zugrunde, die derzeit im vorbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate gestellt werden, so sieht es gut aus für Aumann: Dort wird die Aktie derzeit mit 45,501 zu 45,949 Euro gehandelt.

Martin Hock Folgen:

Diese Kurse liegen nicht nur deutlich oberhalb der Emissionsspanne, sondern auch eng beieinander, was auf einen gewissen Bewertungskonsens hindeutet. Dabei ist der Umsatz mit 461.000 Euro zwar klein, aber durchaus nicht zu vernachlässigen.

Dass das Handelsvolumen klein ist, passt auch zur Emission selbst. Mit knapp sechs Millionen Aktien einschließlich Mehrzuteilungsoption und damit einem Volumen von 257 Millionen Euro ist dieses überschaubar. Das galt allerdings auch für das Vorhaben der Chemiefirma Alzchem Anfang Februar, die trotz etwas kleinerem Volumen scheiterte. Wie immer wurde als Grund der damaligen Absage das Marktumfeld als Grund angeführt.

Doch während Aumann sich seit Donnerstag zwischen 46 und 47 Euro und damit oberhalb der Emissionsspanne eingependelt hat, lag der vorbörsliche Alzchem-Kurs von Vornherein unter der Obergrenze und rutschte rasch in Richtung unteres Ende.

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Dass Aumann also offenbar gefragter ist, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass der Autozulieferer eine der wenigen „Stories“ zu bieten hat, die es derzeit an der Börse noch gibt. Zwar klingen Drahtlackier- und Spulenwickeltechnik und automatisierte Fertigungslinien für Komponenten von Antriebssträngen nicht eben spektakulär. Doch ist Aumann Spezialist für Wickeltechnologie und seine „Direkte Wickeltechnologie“ soll deutlich Gewicht bei den Spulen von Elektromotoren sparen.

Dadurch reduziere sich allein der Kupferverbrauch um bis zu 50 Prozent und insgesamt die Leistungsfähigkeit eines Elektromotors. Zudem sei der Fertigungsprozess stärker automatisierbar und somit besser massenproduktionstauglich. Damit bietet Aumann E-Auto-Phantasie und beliefert heute schon die großen Autohersteller sowie die großen E-Auto-Bauer Tesla und BYD.

E-Mobilität und andere Wachstumsfelder

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des Unternehmens von 93 auf 156 Millionen Euro. Der operative Gewinn sowie der Reingewinn verdoppelten sich fast von 11,2 auf 20,1 beziehungsweise 6,9 auf 12,8 Millionen Euro. Die Sparte Elektromobilität hatte 2016 nur einen Umsatzanteil von 27 Prozent, brachte aber 38 Prozent des operativen Gewinns. Sie war damit deutlich margenstärker als das konventionelle Geschäft.

Der Auftragseingang in der E-Mobilität betrug 2016 ungefähr 51 Millionen Euro, was dem Umsatzanteil entspricht. Der Auftragsbestand liegt spürbar darunter, so dass kurzfristig wohl nicht mit einem sprunghaft höheren Umsatzanteil der E-Mobilität zu rechnen ist.

Der Branchendienst Going Public rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatz von 198 Millionen und einem Reingewinn von 14 Millionen Euro. 2018 sollen bei Erlösen von 252 Millionen 16 Millionen Euro hängen bleiben.

Das bedeutet dann allerdings rückläufige Margen und ein geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Emissionsspanne zwischen 34 und 42 für das laufende und 30 bis 37 für das kommende Jahr. Preiswert ist etwas anderes, doch die Wachstumsperspektiven und auch die Gewinnperspektiven im Verhältnis zur Bewertung lassen die Aktie wieder interessant erscheinen.

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Vom Emissionsvolumen von 270 Millionen Euro bleibt allerdings vergleichsweise wenig bei Aumann hängen. MBB trennt sich von einem substantiellen Teil seiner Aktien, will aber mit mindestens 53,6 Prozent Mehrheitsaktionär bleiben. Neue Aktien sind es nur 1,5 Millionen und so werden nur 50 bis 61 Millionen Euro in die Kassen von Aumann fließen. 50 bis 70 Prozent davon soll für neues Fabrik- und Verwaltungsgelände aufgewendet werden, 15 bis 35 Prozent für Maschinen, der Rest für IT sonstige Zwecke.

Mit einer Eigenkapitalquote von 31 Prozent und 38 Millionen Euro Bankguthaben ist Aumann bislang finanziell solide aufgestellt. Indes sind die Pensionsrückstellungen von 18,5 Millionen Euro und damit 14 Prozent der Bilanzsumme durchaus ein Belastungsfaktor. Diese entfallen auf das Tochter-Unternehmen MBB Fertigungstechnik, das von seiner Gründung 1968 bis 2012 zum Mähdrescherhersteller Claas gehörte. Neue Pensionslasten sollen auf Aumann allerdings nicht mehr zukommen.

Bei einer Marktkapitalisierung von 490 bis 602 Millionen Euro ist Aumann derzeit allerdings kein Kandidat für einen Börsenindex. Selbst im Kleinwerteindex S-Dax käme der Autozulieferer derzeit nur auf Rang 22 bis 28, womit sich ein Aufstieg nicht unmittelbar aufdrängt. Angesichts der doch eher moderaten Bewertungsspielräume ist ein starker Anstieg der Marktkapitalisierung nicht in Sicht. Das alles muss allerdings nicht gegen eine zumindest passable Kursentwicklung sprechen.

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