19.03.2010 · Von Börsenneulingen wollten die Anleger lange Zeit nichts mehr wissen. Doch jetzt scheint sich auch hierzulande das Interesse wieder zu beleben. Historisch gesehen gibt es mit Blick auf die Entwicklung von Neuemissionen aber keinen Anlass für Euphorie
Von Jürgen BüttnerIm Zuge der Kreditkrise war der Markt für Neuemissionen lange Zeit verstopft. Anleger hatten kaum Interesse an Aktien, geschweige denn an Börsenneulingen. Seit Ende 2007 war kein großes Unternehmen mehr an die Börse gegangen, weil die Investoren in der Finanzkrise einen weiten Bogen um Aktien unbekannter Unternehmen machten - oder einen so hohen Risikoabschlag verlangten, dass die Eigentümer der Börsenaspiranten nicht bereit waren, zu diesem Preis zu verkaufen. Auch Hochtief Concessions musste deswegen seinen für vergangenen Dezember geplanten Börsengang absagen.
Doch in den verbleibenden März-Tagen klopfen mit Kabel Deutschland, dem Chemikalien-Distributeur Brenntag, dem Mode-Unternehmen Tom Tailor und dem Armaturen-Hersteller Joyou aus China gleich vier Newcomer an die Börsentür. So wie es derzeit aussieht, könnte in diesem Fällen der Sprung auf das Parkett auch tatsächlich gelingen.
Das wiederum könnte dann den Weg frei machen für eine allgemeine Nachfragebelebung in dem Segment. Rückblickend sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass es beispielsweise während der Hochphase des Neuen Marktes auch schon Zeiten gab, in den die Anleger ganz vergessen waren auf Neuemissionen. Teilweise wurden Börsengänge als Lizenz zum Gelddrucken gesehen und in der Hoffnung auf sagenhafte Gewinne teilweise blind gezeichnet.
Historische Wertentwicklung oft nicht gerade berauschend
Doch diese Zeiten sind lang vorbei und es bleibt zu hoffen, dass so ein irrationaler Hype nicht noch einmal entsteht. Auch die historischen Erfahrungen sprechen gegen einen generellen Run auf Neuemissionen. So bewegen sich derzeit die Notierungen nur bei 12 der 38 Börsenneulinge, die seit 2001 an die Frankfurter Börse kamen und eine Marktkapitalisierung von mehr als 100 Millionen Euro aufwiesen, über dem damaligen Ausgabepreis. Im Durchschnitt steht bei diesen Aktien ein Minus von 18 Prozent zu Buche.
Nicht gerade berauschend fällt auch die Bilanz von Zertifikaten aus, die sich auf IPOs fokussiert haben. So schneidet das von der Société Générale aufgelegte DJ Stoxx IPO 3M Index Zertifikat (Isin DE000SG0HN26), das die Entwicklung bedeutender europäischer Neuemissionen während der ersten drei Monate nach dem Börsengang abbildet, schlechter ab als der Euro Stoxx 50 Index. Auch das von der Deutschen Bank emittierte S-Box IPO Deutschland Zertifikat (Isin DE000DB0LKK8), das die letzten 10 bedeutenden Unternehmen, die neu an einer deutschen Wertpapierbörse gelistet wurden beinhaltet, hat sich schlechter entwickelt als der Dax.
Dies belegt die These, dass Neuemissionen alles andere als Selbstläufer sind. Zwar gibt es immer wieder die eine oder andere Perle, doch die Tatsache, dass ein Unternehmen an die Börse geht, ist noch lang kein Qualitätsnachweis. Vielmehr sollten sich die Anleger immer auch fragen, warum Altaktionäre verkaufen und warum eine Firma nicht einen anderen Finanzierungsweg wählt.
Entscheidend ist letztlich nur der Preis
Skepsis ist insbesondere häufig bei Unternehmen angesagt, bei denen ein Alt-Aktionär nur Kasse macht und der Gesellschaft selbst keine frischen Mittel zufließen. Handelt es sich dabei um eine Private-Equity-Gesellschaft, so waren viele dieser Unternehmen in der Vergangenheit oft finanziell so ausgesaugt worden, dass das Urteil nur skeptisch ausfallen konnte.
Unter dem Strich gelten für Neuemissionen die gleichen Regeln wie für die Auswahl alle anderen Aktien auch: Es kommt auf die Bewertung und die Gewinnaussichten an und im Zweifelsfall sollte ein Neuling eher einen Bewertungsabschlag gegenüber den Branchenkonkurrenten aufweisen, da man schließlich noch nicht genau weiß, wie die Verantwortlichen mit den Börsianern umspringen werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |