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Börsenneuling Hess AG beantragt Insolvenz

 ·  Nachdem Alarmsignalen der vergangenen Woche ist es soweit: Der Leuchtenhersteller Hess ist insolvent. Damit endet die Geschichte der Aktie schon nach vier Monaten.

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Es hatte sich schon abgezeichnet, jetzt ist es soweit. Der Leuchtenhersteller Hess hat Insolvenz angemeldet. Der Vorstand habe am Mittwoch nach umfassender Prüfung festgestellt, dass das Unternehmen überschuldet sei und eine positive Fortführungsprognose fehle, teilte die in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald ansässige Firma mit rund 360 Beschäftigten mit.

Der Vorstand will daher noch am Mittwoch Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellen, auch die Tochter Hess Lichttechnik GmbH sei zahlungsunfähig. Ursache für den Gang zum Insolvenzgericht sei unter anderem, dass der größte Aktionär - die Hess Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG - ihre Zahlungspflichten gegenüber dem Konzern nicht erfüllt habe.

Seit Jahren Verluste

Hess habe seit 2009 Jahr für Jahr mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Dadurch habe das Unternehmen Hess fortwährend neue Darlehen und Finanzierungen benötigt, zunächst über Bankkredite, dann durch Private Equity und schließlich über den Börsengang. Die von den ehemaligen Vorstandsmitgliedern angekündigte Strategie gründete auf Wachstumsprognosen, die sich als unrealistisch herausgestellt hätten.

Am größten Anteilseigner Hess Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG ist der Ende Januar fristlos entlassene Vorstandschef Christoph Hess mit knapp 28 Prozent beteiligt. Sein früherer Arbeitgeber wirft dem Enkel des Firmengründers Willi Hess vor, bei dem Ende Oktober an die Börse gegangenen Unternehmen die Bilanzen seit 2011 frisiert und die Ertragslage damit zu positiv dargestellt zu haben. Auch Finanzchef Peter Ziegler wurde fristlos vor die Tür gesetzt.

2013 bis zu 12 Millionen Euro Verlust

Wirtschaftsprüfer durchforsten nun die Bilanzen auf mögliche Fälschungen, die Staatsanwaltschaft Mannheim geht auch dem Verdacht des Kapitalanlagebetrugs durch falsche Angaben im Börsenprospekt nach.

Nach aktuellen Erkenntnissen sei die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Hess AG erheblich zu korrigieren, hieß es heute aus dem Unternehmen. Für das Geschäftsjahr 2013 sei ein Verlust im hohen einstelligen Millionenbereich, in bestimmten Szenarien sogar von bis zu 12 Millionen Euro zu erwarten. Um operativ noch eine „schwarze Null“ zu erreichen, müssten kurzfristig mehr als 5 Millionen Euro in eine Restrukturierung investiert werden.

Hess gegen Hess

Christoph Hess hatte in der vergangenen Woche seinerseits schwere Vorwürfe gegen den neuen Vorstand und den Aufsichtsratsvorsitzenden erhoben, nachdem die Hess AG in der Vorwoche in einer Pflichtmitteilung bekannt geben hatte, dass Zahlungsschwierigkeiten bestünden, weil die Familie Hess nicht bereit sei, einen Beitrag zur Sanierung zu leisten.

Es gebe eine „Kette von Ungereimtheiten“, schrieb Hess in einem Brief an die Mitarbeiter. Dabei erweckte er den Eindruck, als betreibe der Hess-Aufsichtsratsvorsitzende Tim van Delden, dessen Gesellschaft Holland Privat Equity (HPE) der zweite Hess-Großaktionär ist, eine Hetzjagd gegen ihn. Er habe ihm keine Gelegenheit gegeben, zu fraglichen Buchhaltungsfragen Stellung zu nehmen und lasse die Angelegenheit jetzt von einer Anwaltssozietät prüfen, die bisher HPE beraten hat.

Christoph Hess betonte, er wäre sehr wohl bereit, Geld für die Sanierung zur Verfügung zu stellen. Er hätte zu diesem Zweck schon 1,35 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto einbezahlt, hieß es in dem Mitarbeiterbrief, den der Unternehmer über einen Berliner PR-Berater veröffentlichte. Allerdings habe er die Auszahlung an die Bedingung geknüpft, dass der Vorstand erkläre, es sei wirklich eine Sanierung beabsichtigt und es werde nicht auf eine Insolvenz hingearbeitet.

Dagegen vermeldete das Unternehmen Christoph Hess habe weder gezahlt, noch Bereitschaft dazu erkennen  lassen. Die  Verdachtsmomente wegen Bilanzmanipulation hätten sich bislang nicht entkräften lassen, sondern hätten sich vielmehr erhärtet. Momentan könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Hess AG mit Anlegerklagen konfrontiert werde.

Hohe Schulden

Hess hat - bei einem ausgewiesenen Jahresumsatz von knapp 70 Millionen Euro rund 50 Millionen Euro Schulden, davon 30 Millionen Euro mit kurzen Laufzeiten. Die Schulden verteilen sich auf mehr als ein Dutzend Banken. Zu den größeren Gläubigern gehören die Sparkassen Schwarzwald-Baar sowie Löbau (Sachsen) und die Deutsche Bank.

Der nun unter Betrugsverdacht stehende Christoph Hess gehört dem Beirat der Deutschen Bank in Freiburg an. Die Gründerfamilie hält seit dem Börsengang noch ein Drittel der Anteile. Die finanzierenden Kreditinstitute hatten aufgrund des Verdachts der Bilanzmanipulation Guthaben eingefroren und die bestehenden Kreditlinien gesperrt.

Schaden für den Emissionsmarkt

Das Unternehmen aus dem Schwarzwald war erst im Oktober an die Börse gegangen und hatte 35,65 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt. Die Preisspanne war damals 20 bis 23 Euro auf 15,50 bis 18,50 Euro reduziert worden. Die Aktien stammten zum überwiegenden Teil aus einer Kapitalerhöhung und sollten laut Prospekt in die Expansion und den Ausbau des LED-Leuchten-Geschäfts fließen, zudem sollten Schulden getilgt werden. Von seinerzeit 15,60 Euro fiel der Kurs auf zuletzt 3,50 Euro am heutigen Vormittag. Nach kurzzeitiger Handelsaussetzung wir dieser gegen 13 Uhr wieder aufgenommen.

Für den schwachen Markt für Neuemissionen ist der Fall Hess sehr unwillkommen. Einer der wenigen Börsengänge, der in den vergangenen Monaten tatsächlich stattfand, ist damit gescheitert und endet für die Aktionäre in einem Desaster und jedenfalls in einem Skandal – unabhängig davon, was sich am Ende als Wahrheit herausstellt.

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