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Börsenlexikon Börse - was soll das Ganze?

28.02.2003 ·  Im 18. Jahrhundert entstanden die ersten Aktienbörsen. Nicht von ungefähr, denn die Börse hat gewisse Aufgaben. Die Funktion, Firmen frisches Geld zu verschaffen, ist nur eine davon.

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Vor rund 600 Jahren entstand in Brügge die erste Wertpapierbörse. Dort wurden zuerst vor allem übertragbare Schuldscheine gehandelt. Der Handel mit Anteilen an Unternehmen kam im 18. Jahrhundert auf - damals entstanden in Berlin, Frankfurt und New York auch die Börsen, wie sie heute bekannt sind (Wie vor 600 Jahren die erste Börse entstand).

Diese Einrichtungen kamen nicht von ungefähr auf. Denn Börsen erfüllen bestimmte Funktionen für die Wirtschaft. Gemeinhin werden ihr folgende Aufgaben zugeschrieben:

Geldquelle für Unternehmen und Investitionen

Auch Sicht von Unternehmen sind Börsen auch und gerade da, um sich frisches Geld zu besorgen. Dies geschieht über die Gründung einer Aktiengesellschaft, bei der eine festgelegte Anzahl von Wertpapieren verkauft werden, deren Inhaber zu Anteilseignern am Unternehmen machen. Traditional haben Firmen in Übersee diese verlockende Möglichkeit in größerer Anzahl als Unternehmen in Deutschland genutzt. Das gilt nicht als Hort der Aktienkultur: „Bewundernd“ haben europäische Wirtschaftsjournalisten jahrelang nach New York geblickt, schreiben Vanessa Redak und Beat Weber in ihrem Buch „Börse“: „Auf den Finanzseiten der deutschsprachigen Presse wurde während der neunziger Jahre der dortige Aktienmarkt als Goldesel beschrieben, der einem jungen Wachstumsunternehmen nach dem anderen Geld in die Taschen stopft.“

Doch wie in so vielem, färbte Amerika auch beim Umgang mit dem Wertpapierhandel auf Deutschland ab. Ende der neunziger Ende, als große Hoffnungen in Neue Medien, das Internet und in die Biotechnologie gesetzt wurden, ging auch hierzulande eine Vielzahl junger Unternehmen mit juvenil wirkenden Managern an der Spitze an die Börse. 338 Börsengänge wurden 1999 verzeichnet. Im Jahr darauf waren es noch 302 - jeweils 132 erfolgten am Neuen Markt, in dem sich vor allem Internet-, Software, Bio- und Medizintechnikunternehmen listen ließen.

Hoch und Tief der Börsengänge

Doch in jenem Jahr bekam die junge Aktieneuphorie in Deutschland eine eiskalte Dusche. Nach ungeahnten Hochs, die der Deutsche Aktienindex und der Neue Markt-Index Nemax markierten, folgte ein tiefer Fall, in denen Aktien einen Gutteil ihres Werts binnen weniger Monate verloren. Und mithin die Aktionäre viel, viel Geld, unter ihnen ungezählte unerfahrene Kleinanleger. Zuvor waren besonders die Aktien jener Unternehmen teuer, die besonders hohe Verluste produzierten, aber mit Aussicht auf phantastische Wachstumsraten die Phantasie von Börsianern beflügelt hatten. Vielfach zu unrecht, wie sich zeigen sollte.

Die Folge: Im Jahr 2001 büßte die Börse die Geldquellen-Funktion für Unternehmen weitgehend ein. Lediglich 42 Firmen wagten noch einen Börsengang; nur elf wählten den Neuen Markt als Segment. Im vergangenen Jahr konnte man die Zahl der neuen Notierungen von Unternehmen fast an zwei Händen abzählen: Ganze zwölf Firmen gaben erstmals Aktien aus - unter ihnen sage und schreibe ein Neuling am Neuen Markt, wie auf der Internetseite der Deutsche Börse AG als Betreiberin des Handelsplatzes Frankfurt nachzulesen ist.

Zwischen zukunftträchtigen und anderen Firmen trennen

Der Börsenalltag wird mithin vom Handel bereits bestehender Papiere viel stärker geprägt als von sogenannten Neuemissionen. „Idealerweise sollte die Börse als Kompass dafür dienen, welche Branchen Zukunfts- und Wachstumspotential haben und daher ein lukratives Anlageobjekt sind“, so Redak und Weber. Umgekehrt müsste Geld aus Unternehmen, die weniger wachstumsträchtigen oder schrumpfenden Branchen angehören, abgezogen werden. Denn erfolgreiche Investitionen für zu hohen Gewinnen und steigenden Aktienkursen. So die Theorie.

Doch ist es nicht immer so. In schwachen Börsenzeiten wie diesen, in denen Anleger aus Aktien regelrecht flüchten, verpuffen auch positive Nachrichten vielfach ungehört und ohne Einfluß auf die Aktienkurse. Im Zweifelsfall fallen die Papiere, weil Marktbeobachter mehr Gewinne erwartet haben. Oder sie verlieren an Wert, weil zwar ihr Unternehmen zwar ein sehr gutes Jahr hinter sich, aber die Aussichten nicht so rosig sind.

Die richtige Bewertung einer Firma ermitteln

Nicht immer ist die Börse so rational wie die Theorie, nach der sie als perfekter Markt gilt: „Der aktuelle Preis einer Aktie spiegelt demnach alle verfügbaren Informationen über den Unternehmenswert wider.“ Sobald ein Anteilseigner etwas erfährt, das für den Aktienkurs erheblich sein könnte, handelt er - indem er kauft oder verkauft. Woraufhin sich der Kurs ändert und der neuen Informationslage anpasst.

So suchten viele Beobachter in den neunziger Jahren nach verborgenen Informationen über vielversprechende Wachstumsaussichten gerade junger Firmen, die neu an der Börse waren. Nüchterne Analytiker verwiesen auf eine Spekulationsblase, die bald platzen würde - und genau so kam es ja auch. Besonders heftig gebeutelt wurde der Neue Markt: Der Index donnerte von 9.600 Punkten Anfang 2000 bis auf etwas mehr als 300 Punkten im Februar 2003 in den Keller. Wertverlust: 97 Prozent. Anders gesagt: Wer Anfang 2000 einen Hundert-Euro-Schein in den Neuen Markt steckte, hat jetzt noch etwa drei Euro übrig.

Investieren in die Zukunft

Aktienmärkte unterliegen, wie sich gezeigt hat, einem Eigenleben, das viel mit Psychologie und Gefühl zu tun hat; fundamentale Unternehmensdaten sind längst nicht die einzige Grundlage für die Kursentwicklung. Auch setzen Anleger auf die Zukunft. Doch lassen sich kommende Entwicklungen nicht treffsicher voraussagen. Dies ist ein Grund, warum es schwierig ist zu entscheiden, ob ein Unternehmen richtig bewertet ist, ob es überbewertet ist und die Aktie an Wert verlieren könnte, oder ob der Kurs gehörig Luft nach oben hat.

Die Kurse hängen auch von der Nachfrage und mithin des zur Verfügung stehenden Kapitals ab. Knappere Güter, hier Aktien, können teurer werden, auch ohne dass es Neuigkeiten vom entsprechenden Unternehmen gibt.

Das Anlagerisiko streuen

Dessen ungeachtet bieten Wertpapierbörsen den Anlegern die Möglichkeit, ihr Geld in verschiedenen Unternehmen zu investieren, statt alles auf eine Karte zu setzen - und im schlimmsten Falle alles zu verlieren. Dadurch wird das Anlagerisiko gesenkt: „Wenn ein Projekt nichts bringt, sind vielleicht zumindest die anderen ein Renner“, geben Redak und Weber zu bedenken. Aktien, die „abschmieren“, können ja abgestoßen werden.

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