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Veröffentlicht: 11.02.2016, 13:31 Uhr

Börsenkurse Der größte Aktienkäufer betritt den Markt

Die Börsenkurse fallen, die Stimmung ist mies unter den Anlegern. Da kommt ein Lichtblick gerade recht: Der wichtigste Aktienkäufer in Amerika tritt nun erst in Aktion.

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© dpa Die Anleger sind alarmiert momentan.

Die Stimmung an der Börse ist mies, die Kurse fallen. Sorgen machen sich Marktbeobachter über eine ganze Reihe von Dingen: Den niedrigen Ölpreis (macht vielleicht Ölfirmen kaputt), die Banken (haben vielleicht viele Kredite an Ölfirmen vergeben), China (wertet vielleicht seine Währung ab und wächst langsamer), die Konjunktur in Amerika (die Industrie steckt vielleicht schon in einer kleinen Rezession).

Alexander     Armbruster Folgen:

Wie schlimm das alles tatsächlich ist, weiß niemand so recht. Weil auf der anderen Seite gute Nachrichten fehlen, schlägt das jedoch derzeit besonders aufs Gemüt - da können die Unternehmen noch so gute Geschäfte melden und noch so viele Milliarden verdienen.

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Gleichwohl sind gerade die Unternehmen derzeit ein Lichtblick, der vermutlich vollkommen unterschätzt wird. Sagt zum Beispiel David Kostin. Kostin ist ein erfahrener Mann in der Finanzwelt, weder ein grundsätzlich überschäumender Optimist, noch ein stets den Untergang erwartender Prognostiker. Der oberste Amerika-Aktienstratege der Investmentbank Goldman Sachs hält derzeit nicht nur das Gerede über eine drohende Rezession in den Vereinigten Staaten für übertrieben. Es ist vor allem ein Punkt, auf den er seit Jahren hinweist für die Beantwortung der Frage, wohin sich die Aktienkurse wohl entwickeln werden: Das hängt letztlich schlicht und ganz konkret von Angebot und Nachfrage auf den Aktienmärkten ab - Sorgen über alles mögliche hin oder her.

 
Jetzt betritt der größte Aktienkäufer den Markt - die Unternehmen selbst, berichtet @AlaArmbruster

Wie auf jedem Markt bildet sich auch auf dem für Anteile an Unternehmen der Preis schließlich dadurch, wie viele Kaufinteressenten es gibt und wie viele Verkäufer. Zu den Verkäufern gehören, darauf hat der Fondsmanager Bernhard Langer unlängst auf FAZ.NET hingewiesen, beispielsweise Staatsfonds aus dem Nahen Osten. Sie verkaufen derzeit Aktien, weil den Ländern wegen des niedrigen Ölpreises Einnahmen weggebrochen sind. Großes Kaufinteresse gibt es dagegen derzeit eher nicht.

Dies aber auch deshalb, weil - und hier plaziert Kostin sein zentrales Argument - der größte Aktienkäufer in Amerika gerade erst den Markt betritt: die Unternehmen selbst. Die Konzerne, die Milliarden Dollar aufwenden, um eigene Anteile zurückzukaufen.

Kostin schlüsselt dafür regelmäßig auf, wer in Amerika unter dem Strich Aktien kauft und wer verkauft. Seine Rechnung für die vergangenen Jahre zeigt: Private Haushalte trennen sich netto von Aktien, verkaufen also ein größeres Volumen als sie kaufen. Im vergangenen Jahr flossen deswegen beispielsweise rund 250 Milliarden Dollar aus dem amerikanischen Aktienmarkt ab. Auch Pensionsfonds stoßen eher Titel ab.

Das größte Kaufvolumen kommt hingegen ziemlich konstant von Unternehmen - unter dem Strich 370 Milliarden Dollar in den Jahren 2012 und 2013, knapp 400 Milliarden Dollar im Jahr 2014 und im vergangenen Jahr gut 560 Milliarden. Für dieses Jahr sagt Kostin 450 Milliarden Dollar voraus - bislang hätten die im Aktienindex S&P 500 enthaltenen Unternehmen schon Rückkäufe über mehr als 60 Milliarden Dollar angekündigt. Der Biotech-Konzern Gilead Science kündigte beispielsweise 12 Milliarden Dollar an für Aktienrückkäufe, der Elektro-Konzern 3M 10 Milliarden Dollar, im Hause Apple sind 30 Milliarden Dollar im Gespräch und der Mischkonzern General Electric will wohl 26 Milliarden Dollar an die Investoren ausschütten, wenngleich nicht klar ist, wie viel davon in Form von Aktienrückkäufen und wie viel in Dividenden.

Die Käufe beginnen jedes Jahr ungefähr um diese Zeit, wenn auch die Phase der Ankündigungen noch läuft. Das liegt daran, dass die Firmen jetzt gerade ihre Jahresabschlüsse für das vergangene Geschäftsjahr berichten - und dann auch entscheiden, wie viel Dividende sie ausschütten und wie viel Geld sie für Aktienrückkäufe ausgeben.

„Jetzt haben wir eine Situation, in der die Unternehmen zurück am Markt sind und Aktien kaufen“, sagte Kostin gerade dem Finanzfernsehsender CNBC. „Ich denke, im Februar/März könnte das die treibende Geschichte sein (...) wenn die Fed nichts tut. Dann geht es mehr darum, woher kommen Angebot und Nachfrage nach Aktien.“

Kostin weist zugleich aber auch darauf hin, dass die Bereitschaft zu Aktienrückkäufen oder umfangreichen Dividenden natürlich immer damit zusammenhängt, wie optimistisch die Entscheider in den Unternehmen für das eigene Geschäft sind. Gerade die zuletzt gefallenen Börsenkurse wiederum könnten in diesem Sinne aber sogar ein zusätzlicher Anreiz sein - weil die Aktien eben günstiger gekauft werden können auch von den Unternehmen selbst.

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