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Börsenkrise Europäische Finanzwerte noch nicht aus dem Schneider

18.02.2008 ·  Die europäischen Finanzwerte verbuchen kurzfristig zum Teil deutliche Kursgewinne. Fragt sich nur, wie weit sie führen können. Sie haben sowohl die Folgen der amerikanischen Subprime-Krise zu verdauen, als auch ähnliche Phänomene in Europa.

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Mit deutlichen Kursgewinnen reagieren am Montag die europäischen Finanzwerte auf verschiedenste Meldungen, die von den Anlegern zumindest kurzfristig positiv interpretiert werden.

Dazu zählt auf der einen Seite die Meldung, nach der Katar mit seinem Staatsfonds bei der Credit Suisse eingestiegen ist und weiter zukauft. In den vergangenen Stunden wurde zudem bekannt, dass der britische Staat die marode und unterkapitalisierte Northern Rock übernehmen wird. In Deutschland dagegen halten Spekulationen an, nach denen die Postbank übernommen werden könnte.

Auf Sonderabschreibungen folgen verhaltene Wachstumsaussichten

Ob diese Kursbewegungen nach oben mittelfristig nach auslaufenden Rückkäufen zuvor leer verkaufter Papiere nachhaltig sein werden, dürfte bei näherer Betrachtung der Situation kritisch betrachtet werden können. So stellt sich mit Blick auf die Postbank die Frage, ob die Deutsche Post an sich überhaupt Interesse daran haben kann, ihren Anteil von 50 Prozent am sich relativ stabil entwickelnden Finanzunternehmen zu verkaufen. Immerhin trägt es im Jahr 2007 voraussichtlich 21 Prozent zum Gesamtgewinn des Unternehmens bei.

Ähnlich dürfte man auch die Kursgewinne bei den britischen und spanischen Banken beurteilen müssen. Sie befinden sich nicht nur aufgrund der amerikanischen Immobilien- und der dadurch ausgelösten Kreditkrise in der Defensive. Risikoignorante Institute wie Northern Rock und die IKB müssen sogar auf Kosten der Steuerzahler saniert werden. Sonderabschreibungen sowie eingeschränkte Wachstumsmöglichkeiten trüben zudem die weiteren Perspektiven. Immerhin dürften sich die Immobilienmärkte an sich und der in den vergangenen Jahren „zu gut“ gelaufene Verbriefungsmarkt nicht mehr so dynamisch entwickeln wie in der vergangenen Periode.

Solche Effekte werden verstärkt durch das nachlassende Wachstum in Europa. Das gilt vor allem für Staaten und Regionen wie Irland, Großbritannien, Spanien, sowie in Teilen Frankreichs und Italiens. Immerhin bildeten sich in diesen Regionen in den vergangenen Jahren ähnliche Immobilienblasen aus, wie in den Vereinigten Staaten. Der Immobilienboom hatte maßgeblich zum Wachstum und damit zur Belebung der Arbeitsmärkte und des Konsums beigetragen.

Korrektur der europäischen Immobilienmärkte schon „eingepreist“?

Längst befinden sich jedoch die Immobilienpreise in Großbritannien und Spanien aufgrund der nachlassenden Nachfrage und der Überbestände auf dem Rückzug. Mit all den dämpfenden Folgen. Das zeigt sich deutlich am Beispiel Spaniens. Dort zeichnen sich nach einer Analyse der Deutschen Bank die Folgen der Kreditkrise in Form höherer kurzfristiger Zinsen und auch in Form einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Bankkrediten ab. Das Wachstum des Hypothekar- als auch des Unternehmenskreditgeschäfts ist rückläufig.

Das dürfte kaum verwundern. Denn die Zinssätze vieler spanischer Hypotheken sind an die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen gebunden und aus diesem Grund teurer geworden. Die Firmenkredite gingen in den vergangenen Jahren zu mehr als 50 Prozent an Bau- und Immobilienunternehmen. Inzwischen lassen sich die Effekte auch am spanischen Arbeitsmarkt ablesen: Im vierten Quartal des vergangenen Jahres gingen die Arbeitsplätze im spanischen Immobilienmarkt deutlich zurück, nachdem sie in den Jahren zuvor zugenommen hatten.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt führt zusammen mit den restriktiveren Bedingungen auf der Kreditseite und einer zunehmenden Zahl an Insolvenzen dazu, dass sich immer weniger Haushalte eine Immobilie leisten können und wollen. So nimmt die Gefahr zu, dass es zu einer negativen wirtschaftlichen Spirale kommen kann, die die spanische Konjunktur nicht sanft, sondern „hart“ landen lassen wird.

Da die Situation in anderen Regionen mit „heiß“ gelaufenen Immobilienmärkten ähnlich aussieht, dürften die Banken, die in diesen Regionen tätig sind, gleich von zwei Seiten unter Druck geraten: Von den den Folgen der amerikanischen Subprime-Krise und zunehmend auch von der rückläufigen Entwicklung in Teilen Europas. So mögen die Werte nach den Kursverlusten der vergangenen Jahre inzwischen optisch sehr günstig aussehen. Allerdings deuten sich operative Schwierigkeit nicht selten durch Kursverluste schon einmal vorab an. Marktteilnehmer, die Einblick in die Entwicklung einer Branche haben, befinden sich früh auf der Verkäuferseite.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @cri
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