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Börsenjahr 2007 Ein echter Börsianer blickt nicht zurück

31.12.2007 ·  Ein turbulentes, aber erfolgreiches Jahr geht zu Ende. Doch die Blicke der Marktakteure sind längst auf 2008 gerichtet; dann hoffen viele Börsianer auf Zinssenkungen. Das belastet jedoch den Dollar.

Von Claus Tigges, Washington
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Die Börsianer werden sich nicht viel Zeit nehmen, um das zu Ende gehende Jahr Revue passieren zu lassen. Diejenigen Marktakteure, die eine Bilanz für 2007 ziehen, werden merken, dass es trotz der Turbulenzen seit dem Spätsommer unter dem Strich kein schlechtes Börsenjahr war: An der Wall Street hat der Dow Jones seit Anfang Januar - freilich unter hohen Schwankungen - rund 7 Prozent zugelegt, der Deutsche Aktienindex Dax steht eindrucksvolle 22 Prozent besser da als vor zwölf Monaten, und auch an vielen anderen Aktienbörsen, nicht zuletzt in vielen Schwellenländern, haben die führenden Indizes deutlich zugelegt.

Nun wird die Aussagekraft solcher Resümees dadurch eingeschränkt, dass kaum ein Anleger den Jahreswechsel zum Anlass nimmt, sein Portfolio von Grund auf neu zu ordnen, und dann für den Rest des Jahres stillhält. Gleichwohl vermitteln die in den Aktienindizes abgebildeten Kursverläufe einen wichtigen Eindruck von der Stimmung an den Börsen, von den Gewinnaussichten der Unternehmen und auch vom Zustand der Volkswirtschaften insgesamt. Die Furcht vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten und vor einer starken Abkühlung des Konjunkturklimas in Europa und anderswo ist gewiss auch in den Handelssälen zwischen New York, Frankfurt, London und Tokio zu spüren.

Goldman Sachs pessimistischer als andere Geldhäuser

Wirklich trübe aber ist die Stimmung trotz aller Nervosität und Unsicherheit nicht. Und an den letzten Handelstagen des Jahres hat sich dank der zusätzlichen Liquiditätsspritzen der Notenbanken die Lage auf dem Geldmarkt etwas entspannt: Die Federal Reserve Bank von New York, die für die Offenmarktgeschäfte zuständig ist, nannte einen effektiven Zins für Federal Funds von 4,15 Prozent, das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als der Zielzinssatz. Vor den Feiertagen hatte der Zins wegen der Spannungen im Interbankenhandel knapp 4,4 Prozent betragen, obwohl der geldpolitische Rat den Leitzins am 11. Dezember von 4,5 auf 4,25 Prozent gesenkt hatte. Und auch in Europa sind die Geldmarktzinsen ein Stück gesunken, Monatsgeld wurde am Freitag zu 4,29 Prozent angeboten, 0,14 Prozentpunkte billiger als tags zuvor.

Die Blicke der Marktakteure sind längst auf 2008 gerichtet, in den Analyseabteilungen der Banken sind die Prognosen für das neue Jahr aufgestellt. Es nimmt kaum wunder, dass der Kurs der Notenbanken darin eine wichtige Rolle spielt. Die meisten Bankvolkswirte rechnen damit, dass die Federal Reserve nicht nur wie in Aussicht gestellt vorübergehend weitere Liquidität in das Finanzsystem pumpen, sondern auch weitere Schritte zu Leitzinssenkungen unternehmen wird.

Die Fachleute von Goldman Sachs beispielsweise sagen voraus, dass die amerikanischen Währungshüter auf eine sich abzeichnende Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt reagieren und den Zielzinssatz für Tagesgeld bis Mitte des Jahres auf rund 3 Prozent schleusen werden. Damit ist die angesehene Investmentbank pessimistischer als die meisten anderen Geldhäuser.

Die EZB wird ebenfalls mit Zinssenkungen reagieren

Doch die Unsicherheit, die über der Konjunktur und über den Märkten liegt, schlägt sich auch in einer großen Spannweite der Zinsprognosen nieder: Bei Barclays Capital etwa sind die Ökonomen zuversichtlicher und haben größeres Vertrauen in die amerikanischen Verbraucher, die den Aufschwung der vergangenen Jahre wesentlich angetrieben haben. Folglich sagen sie nur noch einen weiteren Zinsschritt auf 4 Prozent im Frühjahr voraus, danach werde der Tagesgeldzins stabil bleiben. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung mancher Beobachter auf das Zerplatzen der amerikanischen Immobilienblase und die schlechteren Wachstumsaussichten für den Euro-Raum ebenfalls mit Zinssenkungen reagieren. Die Deutsche Bank sagt eine Verringerung des Euro-Leitzinses um insgesamt 0,5 Prozentpunkte auf dann 3,5 Prozent voraus.

Der Kurs der Notenbanken beeinflusst nicht nur die Aktienbörsen, weil sich mit den Zinsen auch die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen und deren Gewinnaussichten ändern; auch das Wechselkursgefüge wird davon berührt, indem sich dadurch die relative Attraktivität der Anlagen verschiebt. Der Dollar ist in den letzten Tagen des Jahres unter dem Eindruck schlechter Daten vom amerikanischen Häusermarkt zum Euro noch einmal spürbar unter Druck geraten.

Der Rohöl-Preis steigt wieder

Die Kursgewinne, die die amerikanische Währung besonders in der ersten Dezemberhälfte verbucht hatte, sind weitgehend dahingeschmolzen. Mehr als 1,47 Dollar müssen wieder für einen Euro bezahlt werden, vier Cent mehr als vor der feiertäglichen Ruhe. Für viele Wechselkursanalysten ist ein Ende der Dollar-Schwäche, die sich im Austauschverhältnis zu den Währungen vieler Schwellenländer zeigt, nicht absehbar. Nicht immer liegt die Prognose in den unterschiedlichen Konjunkturverläufen begründet, mitunter spielen mögliche Verschiebungen in der Zusammensetzung der globalen Währungsreserven eine Rolle.

Wie der Internationale Währungsfonds mitgeteilt hat, ist der Dollar-Anteil an den weltweiten Reserven zwischen Ende Juni und Ende September von 65 auf 63,8 Prozent gefallen. Der Euro hat inzwischen einen Anteil von etwas mehr als einem Viertel am gesamten Reserveberg im Wert von gut 6 Billionen Dollar. Von Bedeutung sind die Staatsfonds von Ländern wie China, Russland und anderen Nationen, die mit der Verwaltung der wachsenden Reserven betraut sind und auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten weiter aus dem Dollar in andere Währungen umschichten könnten.

Die Quelle, aus denen sich die Staatsfonds speisen, ist im Falle von Ländern wie Russland, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten der Ölexport. Der Preis für Rohöl hat nach einem kurzen Knick nun wieder Kurs auf die Marke von 100 Dollar je Fass genommen. Im Fall Chinas erklärt sich der Reserveberg mit dem hohen Exportüberschuss insgesamt und den fortgesetzten Interventionen auf dem Devisenmarkt, die notwendig sind, um eine Aufwertung des Yuan zu verhindern. Hoffnungen in Amerika und Europa, dass China bald eine deutlich schnellere Aufwertung seiner Währung zulassen wird, werden wohl auch 2008 von Peking enttäuscht.

Quelle: F.A.Z., 31.12.2007, Nr. 303 / Seite 26
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