http://www.faz.net/-gv6-7j734

Börsengang : Twitter-Aktie schießt nach oben

  • Aktualisiert am

Durften an der Glocke den Börsengang einläuten: Schauspieler Patrick Stewart - Captain Picard aus „Star Trek“ (r) - , eine Vertreterin der Polizei von Boston (l), die beim Anschlag auf den Marathon regelmäßig über Twitter informiert hatte, sowie die neunjährige Vivienne Harr, die über Twitter eine Kampagne gegen Kindersklaverei führt. Bild: dpa

Die Aktie des Kurznachrichtendienstes Twitter ist mit einem Kurs von 45,10 Dollar gestartet. Später stiegen die Titel zeitweise sogar auf mehr als 50 Dollar. Damit hat sich der Aktienwert gegenüber dem Ausgabepreis von 26 Dollar fast verdoppelt.

          Die Aktie des Kurznachrichtendienstes Twitter ist zum Börsendebüt am Donnerstag um fast 80 Prozent in die Höhe geschossen. Im New Yorker Vormittagshandel startete das Papier mit 45,10 Dollar in den Handel. Später stieg der Kurs sogar auf mehr als 50 Dollar, fast verdoppelt. Der Ausgabepreis für die 70 Millionen angebotenen Aktien hatte bei je 26 Dollar gelegen. Zudem gab es eine Mehrzuteilungsoption über 10,5 Millionen Aktien.

          Die Börsenglocke läuteten zum Auftakt nicht die anwesenden Twitter-Gründer, sondern Nutzer wie die neunjährige Vivienne Harr und Hollywood-Schauspieler Patrick Stewart. Twitter gab den Ausgabepreis am Vorabend standesgemäß in einem seiner sogenannten Tweets bekannt - den 140 Zeichen langen Kurznachrichten, an die man auch Bilder, Videos oder Links zu Webseiten anhängen kann. Twitter hatte vor zwei Monaten schon den Start der Börsenvorbereitungen zuerst per Tweet verkündet.

          Anteilsscheine 30-fach überzeichnet

          Die Nachfrage von Investoren war so hoch, dass die Anteilsscheine 30-fach überzeichnet waren, wie mit dem Börsengang vertraute Personen sagten. Die Einnahmen des Börsengangs belaufen sich auf zunächst 1,8 Milliarden Dollar oder umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Rechnet man die sogenannte Mehrzuteilungsoption hinzu - extra Aktien, die bei entsprechender Nachfrage auf den Markt kommen - sind es 2,1 Milliarden Dollar. Das Geld fließt dem Unternehmen nach Abzug der Gebühren für die beteiligten Banken zu. Zusammen mit den Anteilsscheinen, die bei den Alteigentümern verbleiben, liegt die Bewertung von Twitter zum Ausgabepreis bei 14,2 Milliarden Dollar - recht viel für ein sieben Jahre junges Unternehmen, das Verluste schreibt.

          Twitter-Signet an der Fassade der Börse in New York
          Twitter-Signet an der Fassade der Börse in New York : Bild: AP

          Doch der Dienst gilt als ein wichtiges Medium für schnelle Nachrichten. Zum Vergleich: Facebook ist rund 120 Milliarden Dollar schwer. Kurz nach dem Börsengang im Mai vergangenen Jahres sah das aber noch ganz anders aus: Technische Pannen zum Handelsstart und die Sorge mit Blick auf schwache Werbeeinnahmen auf Smartphones hatten den Facebook-Kurs zwischenzeitlich um die Hälfte fallen lassen. Mittlerweile liegt er um 29 Prozent über dem Preis zum Börsenstart. Twitter hatte aus dem verpatzten Börsenstart von Facebook seine Konsequenzen gezogen. Das Unternehmen wählte die traditionsreiche New York Stock Exchange statt der rein elektronischen Technologiebörse Nasdaq als Handelsplatz. Zudem wies Twitter ausdrücklich darauf hin, dass zuletzt bereits 70 Prozent der Werbeeinnahmen von mobilen Geräten stammten.

          Institutionelle Investoren bevorzugt

          Twitter hat gut 230 Millionen aktive Nutzer, die täglich etwa 500 Millionen Tweets absetzen. Das Unternehmen macht sein Geld vor allem mit Werbebotschaften im Nachrichtenstrom dieser Nutzer. In den ersten neun Monaten des Jahres hatte sich der Umsatz dadurch auf 422 Millionen Dollar verdoppelt. Gleichzeitig lief aber ein Verlust von 134 Millionen Dollar auf, ebenfalls doppelt so viel wie vor einem Jahr. Grund waren hohe Investitionen etwa in die Technik. Die Hoffnung ist, dass die Werbeanzeigen in der Zukunft deutlich mehr einbringen und damit die Kosten decken und einen Gewinn abwerfen. Facebook ist längst profitabel.

          Die Twitter-Aktien gehen zum größten Teil an institutionelle Investoren wie Fonds. Privatanleger können an der Börse zuschlagen zu dem dann gültigen Preis. Die New York Stock Exchange mit ihrem berühmten Handelssaal an der Wall Street öffnet um 15.30 Uhr deutscher Zeit. Kurz danach dürfte der erste Twitter-Kurs feststehen.

          Quelle: FAZ.net mit dpa-AFX, Reuters

          Weitere Themen

          Dax ging am Montag auf Talfahrt Video-Seite öffnen

          Nach Jamaika-Aus : Dax ging am Montag auf Talfahrt

          Er verlor zum Handelsstart 0,5 Prozent auf 12.934 Punkte. Ganz so dramatisch sei das Scheitern der Sondierungsgespräche aus Sicht der Märkte aber nicht, hieß es an der Frankfurter Börse.

          Topmeldungen

          Robert Habeck im Gespräch : „Erbärmlich, dass wir es nicht hinbekommen haben“

          Die FDP habe das Scheitern von Jamaika lange geplant, glaubt der Grüne Robert Habeck. Im FAZ.NET-Gespräch sagt er, warum ein Kompromiss möglich war, Angela Merkel keine Schuld trifft – und wieso er eine Neuwahl für eine „unkontrollierte Sprengung“ hält.

          Kein Recht auf Neuwahlen : Letztlich entscheidet der Präsident

          Der Abbruch der Sondierungsgespräche hat verfassungsrechtlich erst einmal nichts geändert. Ein Recht auf Neuwahlen, gar nach Gutdünken, sieht das Grundgesetz nicht vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.