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Börsengang Ströer will wachsen und Schulden tilgen

05.07.2010 ·  Das Werbeunternehmen Ströer will mit Hilfe des für den 15. Juli geplanten Börsengangs Schulden abbauen und Akquisitionen finanzieren. Sicher ist, dass der frühere Kreditgeber Cerberus seine Option auf den Bezug von Ströer-Aktien wahrnehmen und diese dann sofort verkaufen wird.

Von Hanno Mußler
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Das Werbeunternehmen Ströer will mit Hilfe des für den 15. Juli in Frankfurt geplanten Börsengangs Schulden abbauen und Akquisitionen finanzieren. Aus den Akquisitionen in Deutschland, wo Ströer sich 2004 mit der DSM Deutsche Städte Medien GmbH und 2005 mit der Deutsche Eisenbahn Reklame GmbH verstärkte, stehen aktivierte Firmenwerte (Goodwill) in Höhe von 180 Millionen Euro in der Bilanz. Finanzvorstand Alfried Bührdel kann hier „kein Risiko eines künftigen Wertberichtigungsbedarfs“ erkennen. Durch den Börsengang sollen die Nettoverbindlichkeiten von 495 Millionen Euro um 150 Millionen Euro gedrückt und der Verschuldungsgrad damit auf weniger als 2,5 gesenkt werden. Das Unternehmen plant organisches Wachstum in Deutschland und hat Zukäufe in der Türkei und in Polen für 81 Millionen Euro vereinbart. Deshalb soll eine Kapitalerhöhung genau 275 Millionen Euro in die Kasse spülen.

Wie viele neue Aktien dafür ausgegeben werden, entscheidet sich nach Abschluss der sieben Tage dauernden Werbetour, auf der rund 100 Investoren überwiegend im Ausland für die Aktie begeistert werden sollen. Sicher ist, dass der frühere Kreditgeber, der Finanzinvestor Cerberus, seine Option auf den Bezug von Aktien wahrnehmen und diese dann sofort verkaufen wird. Damit kommt ein Aktienpaket von 15 Prozent auf den Markt, die Kapitalerhöhung aber wird deutlich größer sein, so dass der Streubesitz nach dem Börsengang bei rund 45 Prozent liegen wird.

Mittelfristig ein Kandidat für den M-Dax

„Wachstum geht bei uns vor Dividende“, machte Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Udo Müller am Montag in Frankfurt Aktionären wenig Hoffnung auf eine schnelle Dividendenzahlung. Müller, die zweite Gründerfamilie Ströer und Finanzvorstand Bührdel werden für 5 Millionen Euro neue Aktien zum Ausgabepreis zeichnen. Gemessen am börsennotierten Wettbewerber, dem europäischen Marktführer JC Decaux aus Frankreich, sei Ströer auch zu 24 Euro je Aktie am oberen Ende der bei 17 Euro beginnenden Preisspanne noch günstig bewertet, meint Müller. Falls der Börsengang gelinge, sei Ströer mittelfristig ein Kandidat für den M-Dax, fügte er hinzu.

Im Aktienindex M-Dax, in dem die nach den 30 Dax-Unternehmen 50 nächstgrößten deutschen Gesellschaften vertreten sind, rückten vor kurzem schon Brenntag und Kabel Deutschland auf. Die Aktienkurse dieser beiden, mit einem Emissionsvolumen von gut 700 Millionen Euro bisher größten deutschen Börsengänge in diesem Jahr, haben sich gut entwickelt. Wer Ende März die Aktien gezeichnet hat, kann sich über einen Gewinn mit Brenntag von 7,8 Prozent und mit Kabel Deutschland von 4,1 Prozent freuen. Mit einem Emissionsvolumen von bis zu 412 Millionen Euro könnte Ströer der drittgrößte Börsengang in diesem Jahr werden. Allerdings scheiterte zuletzt der Börsengang des Immobilienunternehmens GSW.

„Wir sehen in unseren Märkten einen Aufschwung“

Müller berichtete, die Entscheidung für den Börsengang von Ströer sei Ende des Jahres 2009 gefallen „Die Aktienmärkte sind nicht in einer optimalen Verfassung, aber das sind sie wohl nie.“ Müller, der Ströer im Jahr 1990 zusammen mit dem 2004 verstorbenen Heinz Ströer gegründet hat, hält den Börsengang für das Werbeunternehmen mit Sitz in Köln aber jetzt für richtig. „Wir sehen in unseren Märkten einen Aufschwung“, lautet seine Begründung.

Im ersten Halbjahr 2010 sei der Außenwerber Ströer, der Werbekampagnen als Vermarkter von 280.000 Werbeflächen, aber auch digital zu Reichweite verhelfe, in Deutschland trotz zweistelligem Rückgang der Werbeausgaben um 4,7 Prozent auf 87 Millionen Euro gewachsen. In der Türkei, wo Ströer den Anteil an einem Gemeinschaftsunternehmen von 50 auf 90 Prozent aufstocken will, sei im ersten Halbjahr 2010 der Umsatz sogar um 25 Prozent auf 9 Millionen Euro geklettert. Zuletzt im Jahr 2009 machte Ströer einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 99,7 Millionen Euro nach 118 Millionen Euro in 2007, dem letzten Jahr vor der Krise. Mit Blick auf die Prognosen für 2011 läge die Aktie auch bei einer Zuteilung am oberen Rand der Preisspanne unter dem 9-fachen des Ebitda und damit unter den Werten von Konkurrenten wie JC Decaux, sagt Müller.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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