19.06.2006 · Ein Wachstumswert par excellence ist die Aktie des Börsenkandidaten und Herstellers von Konsolenzubehör Endor. Schwankende Ergebnisse, zyklisches Geschäft, aber große Chancen. Kein Papier für schwache Nerven.
Nicht jeder Börsengang muß ja durch ein hohes Volumen glänzen. Und irgendwie brauchen die Mammut-Emissionen von Wacker Chemie, Bauer oder Demag Cranes ja auch Kontrapunkte.
Für die bayerische Endor AG dürfte dies indes kaum der Grund sein, sich mit einem Angebot von lediglich 120.000 Aktien sich als Volumen-Schlußlicht unter den Emissionen zu plazieren. Vielmehr paßt die Größe der Emission auch zur Größe des Unternehmens.
Umsätze fuhren Cross-Rally
Endor wurde 1997 gegründet und stellt mit neun Mitarbeitern unter der Marke „Fanatec“ hochwertige Lenkräder und Joysticks für Playstation und Xbox her, wobei diese in China produziert werden. Teilweise sind die Produkte von den Konsolenherstellern lizenziert. So ist das „Speedster 3“ das offizielle Lenkrad zur Playstation 2.
Das Unternehmen rechnet bei einer Preisspanne zwischen 8,50 und 11,50 Euro mit einem Netto-Emissionserlös zwischen 637.000 und 925.000 Euro, der im vollen Umfang der Gesellschaft zufließen soll. Lediglich der Erlös aus der Plazierung der 20.000 Greenshoe-Aktien geht an die Altaktionäre (Isin DE0005491666).
Das Jahr 2005 scheint für Endor nicht das erfolgreichste gewesen zu sein. Waren die Umsätze im Jahr davor noch um 82 Prozent auf 6,42 Millionen Euro gewachsen, schrumpften sie im vergangenen Jahr auf weniger als die Hälfte, nämlich 2,85 Millionen Euro zusammen. Schuld daran ist die Abhängigkeit von den Lebenszyklen der Spielkonsolen. Die Umsatzentwicklung sei maßgeblich auf den Wechsel der Generationen bei Microsoft und Sony zurückzuführen.
Warten auf den Abschluß des Modellwechsels
Auch das laufende Jahr scheint nicht von großem Erfolg gekrönt zu sein. Umsätze und Ergebnis im ersten Quartal 2006 seien gegenüber 2005 stark rückläufig gewesen, da die Nachfrage nach Produkten für die PlayStation 2 und die Xbox gesunken seien. Denn die Nachfolgemodelle Xbox 360 bzw. PlayStation 3 sind bereits auf dem Markt oder angekündigt.
Erst mit dem voraussichtlichen Abschluß der Übergangsphase zur neuen Konsolengeneration Ende 2006/Anfang 2007 werden man wohl Eingabegeräte für die neuen Konsolen vertreiben. Zu diesem Zeitpunkt erwartet das Unternehmen dann auch eine positive Entwicklung.
Diese will man unter anderem verstärkt durch den Ausbau des Vertriebs in den Vereinigten Staaten und die Fokussierung auf Produkte im oberen Preisbereich ausnutzen, wozu auch der Emissionserlös für den Ausbau des Vertriebs in Amerika, die Entwicklung neuer Produkte sowie Marketingmaßnahmen zur Unterstützung des Eintritts in den PC-Markt verwendet werden soll.
Außerdem sollen Computer-Mäuse und Tastaturen neue Absatzmöglichkeiten eröffnen. Zum Angebot gehört auch bereits eine Mouse, doch verzögerte sich deren Produktionsstart im vergangenen Jahr.
Stabile Ertragsentwicklung, operativ negativer Cashflow
Besser entwickelte sich die Ertragssituation. Nach einem Jahresüberschuß von lediglich 93.000 Euro im Jahr 2003 stieg dieser 2004 auf 585.000 Euro und blieb im Jahr 2005 trotz drastischer gesunkener Umsätze mit 543.000 Euro auf einem hohen Niveau. Grund war vor allem ein im Vergleich zum Vorjahr mit 1,7 Millionen Euro um zwei Drittel niedrigerer Materialaufwand.
Diese Entwicklung besitzt eine gewisse Plausibilität, da 2005 aufgrund des Generationenwechsels die Produktion wohl deutlich niedriger war. Dennoch war der Rohertrag um zwölf Prozent niedriger, was aber durch ertragswirksame Bilanzierungsmaßnahmen wie die Nachaktivierung technischer Anlagen und Maschinen, die Auflösung von Rückstellungen, der Herabsetzung von Wertberichtigungen auf Forderungen sowie Wechselkursschwankungen mehr als ausgeglichen wurde.
Indes geriet der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit im Geschäftsjahr 2005 ins Minus, so daß operativ Geld verbrannt wurde. Die liquiden Mittel stiegen aber durch eine im Dezember 2005 durchgeführte Bar- und Sachkapitalerhöhung, in deren Zuge auch Verbindlichkeiten abgebaut wurden. Konkret bedeutete dies einen Debt-for-Equity-Swap, im wesentlichen für Vorstandschef Thomas Jackermeier und dessen Eltern Josef und Ute.
Profitieren vom Konsolenwettbewerb
Der 36jährige Thomas Jackermeier ist Gründer und mit 44,12 Prozent Aktienanteil (vorbehaltlich vollständiger Plazierung) auch künftig Großaktionär von Endor. Etwas über 40 Prozent werden künftig im Streubesitz sein, wobei indes nur etwas über zehn Prozent des Streubesitzes über die Börse plaziert werden. Gezeichnet werden können die Papiere noch bis zum Mittwoch, bevor sie dann ab dem 27. Juni im Entry Standard notiert werden sollen.
Bei einer Emissionsspanne von 8,50 bis 11,50 Euro liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2005 etwa bei 17 bis 25. Wie die starken Schwankungen der Unternehmensergebnisse zeigen, ist Endor ein Wachstumswert reinen Wassers. Die Chancen sind nicht schlecht, da sich Konsolen auf dem Spielmarkt immer deutlicher behaupten, so daß manche Spiele bereits für PC nicht mehr erhältlich sind.
Das liegt nicht zuletzt daran, daß die Hardware-Hersteller im Konkurrenzkampf daran interessiert sind, möglichst Exklusivmerkmale für sich zu sichern. Ob eine Exklusivlizenzierung von Zubehör für Endor sinnvoll ist, ist eine andere Frage, eine offizielle Lizenzierung hilft dem Umsatz in jedem Falle.
Keine Aktie für Risikoscheue
Andererseits zeigt die schwankende Entwicklung die starke Abhängigkeit von den Marktzyklen. Etwa alle fünf Jahre, so Jackermeier zur „Börse Online“, komme eine neue Generation. Auch Modellverzögerungen werden sich in den Unternehmensergebnissen stets niederschlagen.
Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen erst im Weihnachtsgeschäft mit starken Umsätzen, so daß Ergebnisprognosen eher schwierig sind. Gelingt es Endor, sich auch mit Zubehör für die neue Generation gut zu plazieren und seine neuen Produkte zum Erfolg zu führen, sollte vor allem 2007 ein gutes Jahr werden können.
Nichtsdestoweniger bleibt das Risiko hoch, Absicherungsstrategien können also nicht schaden. Auf Basis des 2005er KGVs gerechnet scheinen Zeichnungsgewinne durchaus möglich. Allerdings wäre es dafür wünschenswert, wenn die Aktie nicht am oberen Ende der Preisspanne zugeteilt würde.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |