In den kommenden Tagen will der Vorstand von Brenntag mit insgesamt 80 großen Investoren sprechen, um die Anleger von den Wachstumsperspektiven des deutschen Traditionsunternehmens zu überzeugen. Der Chemiehandelskonzern habe auch 2009 seine Krisenfestigkeit bewiesen und trotz eines um knapp 14 Prozent auf 6,36 Milliarden Euro gesunkenen Umsatzes den Vorsteuergewinn (Ebitda) mit 477 Millionen Euro fast konstant gehalten, warb der Vorstandsvorsitzende Stephen Clark am Dienstag während der Präsentation der Börsenpläne.
Der Markt für die Distribution von Chemikalien sei schon in der Vergangenheit stärker gewachsen als der gesamte Chemiemarkt, und Prognosen zufolge werde das auch so weitergehen. „Unser Markt kann jedes Jahr um 10 Prozent wachsen“, sagte der Amerikaner. Brenntag habe als Marktführer in Europa und Südamerika sowie als Nummer drei in Nordamerika beste Chancen, in einem sehr zersplitterten Wettbewerbsumfeld durch weitere Zukäufe zu wachsen.
Kompromiss, kein Schnäppchen
In der Finanzwelt werden diese solide Ausrichtung des Konzerns und auch die lange Verweildauer der Vorstände im Unternehmen durchaus geschätzt. Dennoch zeigten sich Fondsmanager zurückhaltend. Der Konzern strebt einen Verschuldungsgrad von 2,6 bis 2,8 (Nettoverschuldung zu Ebitda) an, das sei „nicht gerade ein Traumwert“, hieß es in einem großen Investmenthaus.
Ursprünglich habe Brenntag bei der Preisfestlegung der Aktie mit dem neunfachen Ebitda-Wert kalkuliert, während viele Investoren den sechsfachen Wert angesetzt hätten. Die jetzige Preisspanne von 46 bis 56 Euro sei als Kompromiss zwar so gewählt, dass der Börsengang klappen sollte, „ist aber kein Schnäppchen“, wie ein Fondsmanager sagte.
Entschuldung angestrebt
Mit dem Emissionserlös von bis zu 588 Millionen Euro (weitere bis zu 249 Millionen Euro fließen an die Alteigner BC Partners, Bain Capital und Goldman Sachs) will Brenntag vor allem eine teure Mezzanine-Schuldentranche von bis zu 440 Millionen Euro zurückzahlen, erläuterte Finanzvorstand Jürgen Buchsteiner. „Das reduziert unseren Zinsaufwand erheblich und gibt uns finanzielle Flexibilität für weiteres Wachstum“, sagte er.
Nach dem Börsengang soll der Konzern noch eine Nettoverschuldung von bis zu 1,37 Milliarden Euro aufweisen. „Unser Cashflow sollte für weitere Zukäufe und die Dividende ausreichend sein“, betonte Buchsteiner. Brenntag strebt eine Ausschüttungsquote von 30 bis 45 Prozent an. Die Alteigner verbleiben vorerst im Besitz von knapp 70 Prozent der Anteile. Am oberen Ende der Preisspanne würde der Gesamtkonzern, der als Kandidat für den Index MDax gilt, mit insgesamt 2,8 Milliarden Euro bewertet.