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Börsengang Artec-Aktie erscheint vernünftig bewertet

12.06.2006 ·  Mit dem Video-Spezialisten Artec Technologies soll der Entry Standard weiteren Zuwachs erhalten. Die Aktie erscheint vernünftig bewertet zu sein und könnte sich in einem entsprechenden Marktumfeld positiv entwickeln.

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Ungeachtet der fortgesetzten Konsolidierung an den Aktienbörsen finden immer mehr Firmen den Weg auf das Parkett. Einer der jüngsten Kandidaten ist die Artec Technologies aus Diepholz bei Bremen.

Das Unternehmen ist nach eigenem Bekunden auf den Geschäftsfeldern „Digital Video Security“ und „Digital Streaming Media“ tätig. Erst im Jahr 2000 gegründet, sieht man sich nichtsdestoweniger als Technologieführer bei Systemen für die digitale Erfassung, Analyse, Speicherung und Übertragung von Video- und Audiodaten über Netzwerke.

Patent für Fernsehen der Zukunft

Mit der Software Multieye vertreibt man Komplettlösungen für Videoüberwachungs- und Aufzeichnungssysteme jeder Größe und unter dem Label Xentaurix eine Basistechnologie für die Speicherung und Übertragung von Fernsehinhalten via Internet, Intranet und UMTS.

Vor wenigen Tagen erst hat die Firma ein Patent für ihre „Continuous Video on Demand“-Technik (CVoD) erhalten, die es ermöglichen soll, zeitversetzt Fernsehsendungen über Internet und Handy zu sehen. Damit lägen die Rechte für das multimediale Aufzeichnungs- und Wiedergabeverfahren für Anwendungen in Deutschland bei Artec Technologies.

Wie die meisten Börsenkandidaten will auch Artec im den Entry Standard der Frankfurter Börse gelistet werden, und zwar ab dem 27. Juni. Die Zeichnung soll heute beginnen und bis zum Dienstag der kommenden Woche laufen.

Angeboten werden dabei bis zu 747.500 Aktien, wovon bis zu 650.000 aus einer Kapitalerhöhung stammen und lediglich 97.500 aus dem Bestand der Hoffmann New Energy GmbH. Diese Firma war unter dem Namen Tec Security GmbH die Vorgängergesellschaft von Artec, von der diese den Geschäftsbetrieb übernahm und gehört dem Aufsichtsratsmitglied Ulrich Hoffmann.

Ein Familienunternehmen

Artec ist im Grunde so etwas wie ein Familienunternehmen, das in den Händen der Gebrüder Hoffmann liegt. Ulrich Hoffmann steht dem Unternehmen dabei zumindest rechtlich am fernsten. Derzeit hält er über die Hoffmann New Energy 22,2 Prozent am Unternehmen, nach dem Börsengang sollen es noch elf Prozent sein.

Seine Brüder Ingo und Thomas bilden den Vorstand der Artec. Ihnen gehören derzeit noch insgesamt 71,8 Prozent des Unternehmens, nach dem Börsengang sollen es 50 Prozent sein, so daß das Unternehmen zu mindestens 61 Prozent im Familienbesitz bleiben wird, während sich der Streubesitz nach vollständiger Plazierung auf 34,7 Prozent belaufen soll - die übrigen Anteile liegen in den Händen der Prokuristin Petra Peter bzw. des Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Schütze.

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mit zwölf Mitarbeitern einen Umsatz von 1,7 Millionen Euro und ein Ebit von 0,8 Millionen Euro inklusive eines Sonderertrags von rund 0,4 Millionen Euro erzielt. Dies bedeutete eine Umsatzsteigerung von knapp zehn Prozent und einen Anstieg des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 125 Prozent.

Multieye-Umsätze stagnieren

Wesentlich für die Umsatzentwicklung seien neue Vereinbarungen mit Vertriebspartnern und Distributoren gewesen sowie positive Marktentwicklungen im Bereich Digital Streaming Media und von Messeauftritten. Das Wachstum bringt dabei vor allem Xentaurix. Die Umsätze mit Multieye dagegen stagnieren in der Tendenz. Das resultiert daraus, daß die Multieye-Hardware eine Kombination aus digitaler und analoger Technik darstellt, die Kunden des Unternehmens aber zunehmend auf rein digitale Lösungen umsteigen und daher nur noch die Software nachfragen, deren Umsätze deutlich zulegten, aber die Verluste an anderer Stelle allenfalls teilweise zu kompensieren vermögen.

Mit den Einnahmen aus dem Börsengang von bis zu 5,8 Millionen Euro will Artec den Vertrieb in Europa ausbauen und in weitere europäische Zielmärkte expandieren. Vor allem hofft man dabei auf CVoD, womit man vom derzeitigen Boom bei IPTV (Fernsehen via Internet) profitieren will. Alleine in Deutschland soll die Zahl der Haushalte mit Internet-Fernsehen von aktuell 150.000 auf fast 700.000 im Jahr 2009 steigen, heißt es bei Artec, womit man sich auf eine Studie der britischen Marktforschungsfirma Screendigest beruft. Eine von der Unternehmensberatung Goldmedia in Berlin erstellte Studie gehe sogar von einem noch schnelleren Wachstum aus. Demnach sollen 2010 sollen bereits 1,3 Millionen deutsche Haushalte IPTV nutzen.

Bewertung erscheint vernünftig

Angeboten werden die Aktien in einer Preisspanne von sieben bis neun Euro. Ausgehend davon, daß das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2005 dann zwischen 18,5 und 24 liegt und im laufenden Jahr Gewinnstiegerungen möglich sein sollten, erscheint die Bewertung damit in einem für Technologieaktien durchaus üblichen Rahmen zu liegen. Zwar dürfte der Umsatz bei Multieye sich nicht weiter entwickeln können, doch scheint der Xentaurix-Umsatz weiter ausbaufähig. Wieviel CVoD bringen wird, wird sich zeigen.

Ob es indes Zeichnungsgewinne geben wird, hängt vor allem davon ab, wie sich der Markt bis dahin entwickelt. Bis zur Erstnotiz gehen noch zwei Wochen ins Land und bis dahin kann sich der Markt noch stabilisieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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