14.02.2005 · Die Bewertung der Premiere-Aktie scheint nicht einfach zu sein. Eine hohe Bewertung ist nur bei optimistischen Ertragsprognosen möglich. Dem steht die notorische Abneigung der Deutschen gegen Bezahlfernsehen entgegen.
Der Unternehmenswert der kurz vor dem Börsengang stehenden Premiere AG wird von Analysten unterschiedlich eingeschätzt. Mindestens 2,2 Milliarden Euro, maximal 3,5 Milliarden Euro ist der Bezahlfernsehsender wert, wie aus den mittlerweile vorliegenden Research-Studien der HVB, von der CS First Boston (CSFB) und von UBS hervorgeht. Alle drei Institute begleiten in einem Kreis von insgesamt elf Konsortialbanken den Börsengang von Premiere, die ihre Erstnotiz für den neunten März anstrebt.
Unterdessen ist das „Pre-Marketing“ für den Premiere-Börsengang am Montag in die heiße Phase eingetreten. Von seiner Entwicklung werde auch die Positionierung der Altaktionäre abhängen, sagten mit der Situation vertraute Kreise. Im Zuge des Börsengangs plant der Sender zudem eine Kapitalerhöhung.
Zum Teil hohe Wachstumsraten erwartet
Am zurückhaltendsten wird der Eigenkapitalwert des Bezahlfernsehsenders von der HVB eingeschätzt: Das bayerische Bankhaus, das globaler Koordinator für den IPO ist und selbst noch eine Beteiligung von 10 Prozent hält, schätzt ihn auf 2,2 Milliarden bis 2,6 Milliarden Euro. Das obere Ende der Spanne markiert dabei eine Berechnung nach dem Discounted Cash-Flow-Modell, das die längerfristige Ertragskraft des Unternehmens im Blick hat. Die HVB unterstellt ein Umsatzplus von 14 Prozent im laufenden und kommenden Geschäftsjahr, und bereits für 2005 ein positives Nettoergebnis. Für 2004 schlug noch ein Nettoverlust von 80 Millionen Euro zu Buche.
Die CSFB geht in ihrer Einschätzung von einem Unternehmenswert von 2,5 Milliarden bis 3,1 Milliarden Euro aus. Auch die CSFB, die ebenfalls zu den globalen Koordinatoren des Börsengangs gehört, unterstellt hohe Wachstumsraten. So werde Premiere 2009 ein Vorsteuerergebnis von 362 Millionen Euro erzielen, das durchschnittliche Umsatzwachstum wird bei 13 Prozent gesehen. Noch optimistischer rechnet die UBS. Sie geht von einem Unternehmenswert von 2,5 Milliarden und 3,5 Milliarden Euro aus. Das als Co-Lead-Manager beim Börsengang fungierende Institut sieht ein signifikantes Wachstumspotential für Premiere.
Steigende Akzeptanz des Bezahlfernsehens unterstellt
2014 werde der Bezahlfernsehsender 6,1 Millionen Kunden zählen, was einer Marktpenetration von 14,5 Prozent entspreche, prognostiziert UBS. Im vergangenen Jahr lag sie mit 3,25 Millionen Abonnenten bei 8,3 Prozent der deutschen und österreichischen Haushalte. UBS sieht, daß die Deutschen und Österreicher zunehmend die Vorteile des Pay-TV annehmen und bereit sind, zu zahlen. Zwar hätten bislang eine hohe Anzahl von frei empfangbaren Sendern ein Wachstum von Premiere ähnlich wie bei beispielsweise beim britischen Pay-TV-Sender BSkyB verhindert. Das werde sich aber zunehmend ändern, schätzen die UBS-Analysten.
Doch auch die Analysten des schweizerischen Instituts machen Risiken für Premiere aus: An der Spitze stehe dabei den Verlust der Rechte bei der Übertragung von Spielen der ersten und zweiten Fußballbundesliga. Ein entsprechender Vertrag zwischen Premiere und der Deutschen Fußballiga läuft Mitte 2006 aus. Auf dieses Risiko hatte bereits in der vergangenen Woche ein in Frankfurt ansäßiger Analyst im Gespräch mit Dow Jones Newswires hingewiesen. Auch die UBS-Experten schränken ein, daß die Perspektiven von Premiere vom Kundenwachstum abhängen.
Notorische Abneigung der Deutschen gegen Bezahlfernsehen
Letztlich könne es keine Garantie dafür geben, daß die Abneigung der Deutschen gegen Bezahlfernsehen der Vergangenheit angehöre. Zwischen 5 und 45 Euro zahlt ein Premiere-Abonnent je nach Zahl der gebuchten Kanäle monatlich. UBS weist in ihrer Untersuchung auch auf eine potentiell zunehmende Konkurrenz für Premiere durch Kabel Deutschland hin. Sie hat erst Ende September ein Paket digital empfangbarer Sender auf den Markt gebracht. Nicht vergessen werden darf auch, daß das Budget der Deutschen schon durch die teuren Zwangsgebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und überteuerte Mobilfunktarife vorbelastet ist.
Letzlich sei es auch wahrscheinlich, daß sich die bisherigen Altaktionäre, unter ihnen der Finanzinvestor Permira, die BayernLB und die HVB, im Zuge des IPO zumindest von Teilen ihres Aktienpaketes trennen. Wie groß die Verkaufsbereitschaft der Altaktionäre sein wird, hängt auch vom Pre-Marketing ab. Dem Vernehmen nach wollen die jetzigen Anteilseigner und das Unternehmen, das genaue Transaktionsvolumen erst Anfang der kommenden Woche entscheiden. Am 22. Februar soll auf einer Pressekonferenz in München dann auch die Preisspanne bekannt gegeben werden. Sollten sich die „Altanteilseigner“ schnell von ihren Aktien trennen können und wollen, würde das optimistischen Ertragsprognose deutlich widersprechen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |