Mit dem neuen Jahr sind und der eher positiven Entwicklung der Aktienbörse sind auch die Hoffnungen der Börsenaspiranten gewachsen, einen erfolgreichen Start auf das Parkett hinzulegen. Das erste Unternehmen, das diesen versuch unternimmt, ist der Fahrradhersteller Derby Cycle.
Gemessen am Umsatz nimmt Derby Cycle für sich in Anspruch, der größte Fahrradhersteller in Deutschland und einer der führenden Hersteller in Europa zu sein. Bekannt ist das Unternehmen über seine Marken Kalkhoff, Focus, Raleigh, Univega und Rixe. Sämtliche Modelle werden in Deutschland entwickelt, die Rahmen in Asien von Auftragsfertigern hergestellt.
Ausstieg der Alt-Aktionäre
Derby Cycle bietet von heute an bis zum 2. Februar insgesamt 6,84 Millionen Aktien in einer Preisspanne zwischen 11,50 und 15,50 Euro an. Zusätzlich steht eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von weiteren 890.000 Aktien zur Verfügung. Mit dem Börsengang will sich der bisherige Mehrheitsaktionär, die auf mittelständische Unternehmen fokussierte Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Finatem, aus dem Unternehmen zurückziehen, was mit Plazierung des Greenshoes vollständig gelänge.
Folgerichtig stammen von den 6,84 Millionen Aktien 4,45 Millionen aus dem Besitz der Altaktionäre. Vorstandsvorsitzender Mathias Seidler würde seine Beteiligung auf 8 Prozent von derzeit 13 Prozent reduzieren. Der Streubesitzanteil stiege bei vollständiger Plazierung auf 91,2 Prozent.
Antrieb durch E-Bikes
Aus der Kapitalerhöhung um 1,5 Millionen Aktien sollen Derby Cycle rund 20 Millionen Euro zufließen, die der Finanzierung weiteren Wachstums und dem Ausbau der Produktentwicklung zugute kommen sollen. Als strategische Schwerpunkte werden die weitere Internationalisierung sowie der Ausbau der Marktstellung bei Elektrorädern genannt. Zudem will Derby Cycle die Präsenz in den Vereinigten Staaten ausbauen, so Seidler.
Im Geschäftsjahr 2009/2010, das im September endete, erzielte Derby Cycle mit durchschnittlich rund 550 Mitarbeitern einen um 4,2 Prozent höheren Umsatz von 173 Millionen Euro, davon 72,6 Prozent in Deutschland. Der Umsatz im Heimatland ist dabei in den vergangenen beiden Jahren gestiegen, weniger verkaufte das Unternehmen im europäischen Ausland.
Positive Margenentwicklung
Derby Cycle verkaufte insgesamt rund 430.000 Fahrräder, davon rund 44.000 Elektroräder. Diese sind auch das Wachstumsgeschäft, der Fahrradabsatz betrug 2007/ 2008 dagegen noch 531.000 Stück. Grund ist eine rückläufiger Gesamtmarkt in Deutschland, dem sich das Unternehmen nicht habe entziehen können.
Allerdings konnte Derby Cycle den durchschnittlichen Verkaufspreis im selben Zeitraum von 262 auf 400 Euro erhöhen. So betrug das Betriebsergebnis zuletzt 12 Millionen Euro, unter dem Strich stieg der Gewinn um 42 Prozent auf 7,5 Millionen Euro. Damit haben sich Umsatz und Gewinn in den vergangenen beiden Jahren stetig verbessert.
Auch den Margenrückgang im Geschäftsjahr 2008/2009 hat Derby Cycle betrieblich fast und unter dem Strich mehr als wieder aufgeholt. Hier kam dem Unternehmen eine konsequente Verbesserung des Finanzergebnisses. Die Belastung sank innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte, was auf die planmäßige Tilgung des Darlehens zurückgeht, mit dem Derby Cycle 2005 einen Management-Buy-Out finanziert hatte.
Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich Derby Cycle optimistisch. So lagen zum Geschäftsjahresende am 30. September 2010 die eingegangenen Vorbestellungen um rund 36,1 Prozent über dem Vorjahr auf 103,3 Millionen Euro, wobei wiederum eine starke Nachfrage nach Elektrorädern zu verzeichnen gewesen sei.
Angemessen bewertet
Auf Basis der Emissionsspanne ist Derby Cycle mit 86 bis 117 Millionen Euro bewertet. Das sind die Hälfte bis zwei Drittel des Umsatzes und auf Basis des Gewinns je Aktie des vergangenen Geschäftsjahres ergebt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,5 bis 15,5.
Der börsennotierte Wettbewerber Mifa wird mit wenig mehr als 30 Prozent des Umsatzes des Jahres 2009 und einem vergangenheitsbezogenen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,2 gehandelt.
Mifa hatte 2009 aufgrund eines Absatzrückgangs Stellen abbauen müssen. Der Umsatz war von 97,5 auf 79,6 Millionen Euro gesunken, wobei sich aber der Jahresüberschuss von 1,16 auf 1,72 Millionen Euro erhöht hatte. 2010 war der Umsatz in den ersten neun Monaten um 5,5 Prozent auf knapp 70 Millionen Euro gestiegen, der Überschuss aber um knapp die Hälfte auf 900.000 Euro gesunken.
Es zeigt sich an dieser Stelle, dass die Margen von Mifa unter denen von Derby Cycle liegen. Das würde eine höhere Bewertung von Derby Cycle rechtfertigen. Ebenfalls börsennotiert sind die Wettbewerber Accel aus den Niederlanden sowie Giant aus Taiwan. Beide sind deutlich größer.
Accel ist auf Basis des vergangenen Geschäftsjahres mit rund zwei Dritteln des Umsatzes und einem KGV von 11,5 bewertet, bei Giant sind es rund 100 Prozent bzw. ein KGV von mehr als 17. Insofern erscheint die Bewertung angemessen bis vorteilhaft. Die Konsortialbanken BHF- und Equinet-Bank schätzen den Gesamtwert von Derby Cycle auf 90 bis 145 Millionen Euro.
Indes darf man nicht übersehen, dass die Marktkapitalisierung von Derby Cycle eher klein ist und eine volatile Kursentwicklung damit nicht unwahrscheinlich ist.