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Börsengang Aktie der Berliner Synchron klingt gut

05.10.2006 ·  Günstig präsentiert sich die Emission der Aktien der Berliner Synchron, vorausgesetzt das im Juli angebrochene Geschäftsjahr verläuft wie geplant. Doch der Kurs des Titels könnte schwankungsanfällig sein, auch wenn das Unternehmen fast eine Alleinstellung genießt.

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Es ist schon einige Jahre her, daß ein kurzlebiges übersteigertes Interesse an Filmfirmen viele Produzenten und Verleiher an die Börse und ihre Aktie zu Höhenflügen brachte. Die wenigsten haben überlebt und meistens haben sie heftige Blessuren erlitten - ebenso wie die Anleger.

Im vergangenen Jahr kam dann das Studio Babelsberg auf das Parkett. Zunächst freundlich empfangen stieg der Aktienkurs von 1,80 Euro am ersten Tag bis auf 3,45 Euro. Seitdem ist der Kurs unter Druck geraten, rutschte nach einer Gewinnwarnung noch tiefer in den Keller und notiert nur knapp über dem Allzeittief von 1,47 Euro.

Viele prominente Referenzen

Keine guten Vorzeichen also für einen Börsengang aus der Branche. Indes sollte man stets vorsichtig sein, alles in einen Topf zu werfen, denn der Börsenaspirant Berliner Synchron ist das erste Unternehmen aus der Synchronbranche, das sich über den Aktienmarkt zu finanzieren plant und hat daher ein anderes Geschäftsmodell als die Film- und Fernsehproduzenten, die bislang um das Vertrauen der Anleger warben.

Auch die Geschichte des Unternehmens ist älter. Bereits 1949 wurde das Unternehmen gegründet und befand sich seitdem im Familienbesitz der Lüdeckes. Vorstandsvorsitzender und derzeitiger Alleinaktionär ist seit 1987 Wolfram Lüdecke, der die Geschäfte von seinem „Gründer-Vater“ übernommen hat.

Die Berliner Synchron AG sieht sich selbst als eines der führenden Unternehmen im Bereich der Synchronisation von Kinofilmen und TV-Produktionen sowie der Durchführung von zentralisierten Kinomischungen für ausländische Sprachfassungen. Seit 1949 wurden über 5.000 Filme synchronisiert, darunter so bekannte Werke wie Ab durch die Hecke, Silent Hill, Mission Impossible 3, Garfield, Wallace & Gromit, Star Wars 3, Die Frauen von Stepford, Kill Bill, Fluch der Karibik, Catch me if you can oder Robin Hood. Faktisch hat sie im deutschen Sprachraum kaum Konkurrenz.

Schwankender Geschäftsverlauf

Interessenten können ab diesem bis zum kommenden Donnerstag insgesamt bis zu 775.000 Aktien zum Preis von sechs bis 8,50 Euro zeichnen. Damit beläuft sich das Emissionsvolumen auf maximal 6,6 Millionen Euro, wovon rund zwei Drittel in die Kassen der Firma fließen. Die Erstnotiz im Entry Standard ist für den 16. Oktober geplant. Bei voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) werde der Streubesitz nach der Emission, die von der Axxon Wertpapierhandelsbank begleitet wird, bei 31 Prozent liegen.

Umsatz und Ertrag des Unternehmens waren in den vergangenen drei Geschäftsjahren volatil. Im bis zum 30. Juni gehenden Geschäftsjahr 2004/2005 erreichte die Gesamtleistung mit 10,185 Millionen Euro einen Höhepunkt, das Nettoergebnis gleichzeitig mit einem Verlust von 18.395 Euro ein Tief. Und während die Gesamtleistung im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr um sieben Prozent auf 9,455 Millionen Euro sank, stand unter dem Strich der ein Gewinn von 252.473 Euro zu Buche.

Der Umsatzrückgang entstand vor allem im Fernsehbereich, der nur auf 77 Prozent des Vorjahresvolumens kam, weil die Auftragsvergabe von zwei Großkunden stagnierte, die dafür im laufenden Geschäftsjahr 2006/2007 ihre Aufträge verstärkt abarbeiten ließen. Für das Geschäftsjahr 2006/2007 erwarte man ein deutliches Umsatzplus, das vor allem durch die verstärkte Bedienung des DVD- und TV-Privatsender-Segments mit neuen Produktionskonzepten und günstigeren Minutenpreisen erreicht werden soll.

Viel Optimismus, aber weniger Auftragseingang

Insgesamt ist das Unternehmen für den Markt optimistisch. Die Entwicklung im deutschsprachigen Raum weise auf ein hohes Wachstum hin, da es im Vergleich zu den Vereinigten Staaten noch eine Unterdeckung bei Spartensendern gebe, deren Zahl durch die fortschreitende Digitalisierung künftig spürbar zunehmen werde. Und es sei eben preiswerter, ausländische Sendeformate einzukaufen und zu synchronisieren, als eigene Formate zu produzieren. Zudem begännen die großen Hollywood-Studios ihre Filmbibliotheken für den DVD- und Downloadmarkt nachzusynchronisieren.

Weiteres Potential sieht man in den kommenden Jahren in der zunehmenden Verfügbarkeit wie Internet-Breitband und Mobilfunk-Fernsehen, weil dies zu einer erheblichen Nachfragesteigerung nach entsprechenden Inhalten führen werde.

Allerdings sind die Auftragseingänge im vergangenen Geschäftsjahr geringfügig hinter dem Vorjahreswert zurückgeblieben. Auch hier war wieder der Fernsehbereich die Ursache. Während der Auftragseingang im Bereich Kino mit 3,12 Millionen Euro über dem Vorjahreswert von 2,48 Millionen lag, fiel er im Bereich TV mit 4,3 Millionen Euro deutlich unter den Vorjahreswert von 5,08 Millionen.

Mehr Kino, mehr Gewinn

Dennoch gehe man aufgrund des vorhandenen Auftragsbestands von 3,825 Millionen Euro und des Auftragseingangs der ersten sechs Wochen des laufenden Geschäftsjahres von einer erheblichen Umsatzausweitung aus.

Die Verschiebung der Umsatzentstehung aus dem Fernseh- in den Kinobereich kann das Unternehmen auch positiv sehen. Denn nicht zuletzt aufgrund der höheren Materialeinatzquote bei TV-Synchronisationen weist dieser Bereich die geringeren Margen auf - mithin der Grund, warum das Ergebnis im Geschäftsjahr 2004/2005 trotz höheren Umsatzes negativ war.

Das Geld aus dem Börsengang will Lüdecke in den Ausbau der Synchronstudios und Übernahmen stecken. Verhandlungen über einen Firmenkauf sind den Angaben zufolge in einem fortgeschrittenen Stadium. Eine entsprechende Transaktion könne bereits in diesem Jahr bekanntgegeben werden.

Maßvolle Bewertung

In einer Studie taxierten die Analysten von SES Research den fairen Wert für die 2,5 Millionen Aktien der Berliner Synchron auf 12,35 Euro je Stück. Sie rechnen im kommenden Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 14 Millionen Euro. Lüdecke hält das für konservativ. Man habe sich mehr vorgenommen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis schätzt SES Research für das laufende Geschäftsjahr auf Basis des fairen Wertes auf 29,2. Das ist recht optimistisch, allerdings soll sich die Bewertung 2007/2008 auf 13,1 relativieren. Das KGV auf Basis der Emissionsspanne läge dann für das laufende Jahr zwischen 14,3 und 20,2. Das erscheint maßvoll. Indes geht dabei beim Gewinn je Aktie von mehr als einer Verdreifachung aus. Diese will auch erst einmal erwirtschaftet sein, wobei eine Übernahme hier hilfreich sein könnte.

Insofern könnten Zeichnungsgewinne anfallen. Die längerfristigen Kursaussichten muß man abwarten. Die vergangenen Jahre zeigten sich volatil, der Auftragseingang ist verhalten hoffnungsvoll. Das heißt, daß das Unternehmen die prognostizierte Umsatzsteigerung noch nicht in der Tasche hat, zumal Synchronisationsaufträge in der Regel kurzfristig vergeben werden.

Hinzu kommt, daß sich die Berliner Synchron im Bewußtsein der meisten Anleger als Medien-Aktie verankern dürfte. Das bedeutet, daß schlechte Zahlen bei anderen Unternehmen des Geschäftsfeldes Rückwirkungen auf den Kurs haben dürften, selbst wenn die Berliner Synchron davon nicht betroffen sein sollte. Und da die Marktkapitalisierung mit 15 bis 21,25 Millionen Euro auf Basis der Emissionsdaten recht gering ist und das Papier im Entry Standard notiert, ist eine nicht unerhebliche Volatilität des Kurses auch nicht auszuschließen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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