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Börsengänge Weniger Kabel-Aktien für die Börse

10.03.2010 ·  Die Angebotsstruktur für den geplanten Börsengang der Kabel Deutschland Holding hat sich abermals geändert. Möglicherweise fährt Providence zweigleisig und führt mit Beteiligungsgesellschaften Gespräche über einen Komplettverkauf.

Von Rüdiger Köhnen (München) und Hanno Mußler
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Die Angebotsstruktur für den geplanten Börsengang der Kabel Deutschland Holding AG (KDG) hat sich abermals geändert. Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Providence als Haupteigentümerin des deutschen Kabelnetzbetreibers will statt der im Börsenprospekt genannten 52 Millionen Aktien nur noch maximal 34,5 Millionen Aktien zum Verkauf anbieten. Dennoch käme sie mit der am Mittwoch festgelegten Preisspanne auf den zuvor avisierten Erlös.

Wie KDG am Mittwoch in einem Nachtrag zum Börsenprospekt mitteilte, sollen die komplett aus dem Besitz von Providence stammenden 30 Millionen Aktien von diesem Donnerstag an bis voraussichtlich zum 19. März in einer Preisspanne von 21,50 bis 25,50 Euro angeboten werden.

Der Börsengang ist noch nicht ganz sicher

Hinzu kann nach dem für den 22. März geplanten Börsengang noch eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) über 4,5 Millionen Aktien kommen. Daraus errechnet sich ein Bruttoerlös von 645 bis 745 Millionen Euro, einschließlich des Greenshoes von 740 bis 880 Millionen Euro. Das liegt zwar über der gesteckten Minimumgrenze von 700 Millionen Euro, aber deutlich unter der ursprünglich kolportierten und offensichtlich von Providence erhofften eine Milliarde Euro.

Einige Fondsmanager haben Zweifel, ob tatsächlich am 22. März der Handel mit den Aktien aufgenommen wird. Nicht ausgeschlossen wird, dass Providence weiterhin zweigleisig fährt und als Option zur Börse mit Beteiligungsgesellschaften Gespräche über einen Komplettverkauf führt. Der Vorstand sagte hingegen nach Informationen dieser Zeitung auf einem Treffen mit Anlegern am Mittwoch, die Gespräche mit Finanzinvestoren seien „zu 100 Prozent beendet“ worden.

Erst am Montag hatte KDG den bei der Finanzaufsicht Bafin eingereichten Emissionsprospekt veröffentlicht. Darin werden als Angebot 45 Millionen Aktien plus 6,75 Millionen Aktien aus dem Greenshoe genannt, die zu einem Erlös von mindestens 700 Millionen Euro plaziert werden sollen. Daraus hätte sich ein Mindestausgabepreis von 13,50 Euro ergeben. Von den konsortialführenden Banken wird davor gewarnt, die von der Bafin abzusegnenden Prospektdaten für bare Münze zu nehmen. Sei seien nur ein „Platzhalter“, um im „decoupled Verfahren“ noch auf die von Anlegern in Gesprächen signalisierte Kaufbereitschaft reagieren zu können.

Anzeichen für eine gewisse Vorsicht und Unsicherheit

Gleichwohl deutet die nun fixierte Angebotsstruktur auf eine gewisse Vorsicht und Unsicherheit hin. Der KDG-Börsengang ist in Deutschland immerhin der erste große seit Sommer 2008. Und er ist der erste von insgesamt drei derzeit noch vor Ostern geplanten Börsengängen, zu denen auch der Chemikalienhändler Brenntag (Emissionsvolumen voraussichtlich rund 500 Millionen Euro) und das Modeunternehmen Tom Tailor (140 Millionen Euro) gehören. Mit den nun bekanntgegebenen Konditionen bleibt Providence Mehrheitsaktionär von KDG - mit maximal 54,7 Prozent nach bisher 88 Prozent. Dabei wird gewährleistet, dass der Anteil nicht auf weniger als 50 Prozent sinkt.

Das Kursniveau vergleichbarer Unternehmen sei derzeit nicht danach, möglichst viele Kabel-Aktien zu verkaufen, heißt es. Vielmehr hoffe Providence, zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren Preis für die nun zurückgehaltenen Aktien erzielen zu können. Die hohe Beteiligungsquote sei zugleich ein Bekenntnis von Providence zu KDG und seinen Wachstumsaussichten. Ursprünglich bestand aber die Absicht, die Beteiligung auf 43 Prozent abschmelzen zu lassen. Nach den am Montag veröffentlichten Daten des Börsenprospektes hätte Providence seinen Anteil sogar auf bis zu 30 Prozent verringert.

Während Brenntag und Tom Tailor auch mit Kapitalerhöhungen an die Börse gehen und somit Geld für das Unternehmen einsammeln, erfolgt die Aktienplazierung der KDG aus dem Altbesitz. Der hoch verschuldete Kabelnetzbetreiber sieht nicht einen Cent. Dies kann ein erfolgreiches Börsendebüt hemmen. Bezogen auf die Preisspanne errechnet sich ein Firmenwert von 4,8 bis 5,2 Milliarden Euro. Das bewegt sich im Rahmen der von Providence avisierten Spanne von 5 bis 5,5 Milliarden Euro. Der Börsenwert läge zwischen 1,9 und 2,3 Milliarden Euro. Hinzu kommt für den Firmenwert die Nettoverschuldung von 2,9 Milliarden Euro.

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