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Börsengänge Schwerer Rückschlag für Neuemissionen

04.12.2009 ·  Auch nach neun Monaten mit steigenden Kursen ist der Markt für Börsengänge zu. Die Absage des von hochkarätigen Banken begleiteten Starts von Hochtief Concessions gilt als Schlag für alle Firmen, die so Eigenkapital aufnehmen wollen.

Von Hanno Mußler
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Im Jahr 2009 könnte es in Deutschland bei einem Börsengang bleiben. Nach der Absage der Infrastrukturgesellschaft Hochtief Concessions, die eigentlich am Freitag ihr Börsendebüt hatte geben sollen, ist für Marktbeobachter zunehmend fraglich, ob die Aktienneuemission des dänischen Wind- und Solarparkbetreibers Scan Energy tatsächlich erstmals am Mittwoch wie geplant an der Börse in Frankfurt gehandelt wird. Bei der Wertpapierhandelsbank Schnigge zumindest, die einen vorbörslichen Handel organisiert, gab es am Freitag praktisch keine Umsätze mit Scan-Energy-Aktien, obwohl Schnigge Kurse am unteren Ende der Zeichnungspreisspanne stellte.

Bislang ist in diesem Jahr der chinesische Mobilfunkzulieferer Vtion der einzige Börsenneuling im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse. Scan Energy bietet noch bis Montag 17,5 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung in einer deutlich niedriger als erwarteten Preisspanne von 9 bis 13 Euro zur Zeichnung an. Selbst wenn dieser Börsengang gelingen sollte, wäre 2009 das Jahr mit dem niedrigsten Aktienemissionsvolumen von Börsengängen in Deutschland seit 2003. Damals, nach dem Platzen der Technologieblase und den vielen enttäuschten Hoffnungen mit Börsenneulingen gerade am Neuen Markt, hatte es in Deutschland zwei Jahre lang keinen einzigen nennenswerten Börsengang gegeben.

Hochtief sagt Börsenstart nach schwacher Nachfrage ab

Hochtief als Verkäufer der größten in diesem Jahr geplanten Aktienneuemission war nicht bereit gewesen, die Preisspanne zu senken. Der Baukonzern hat es vorgezogen, am Donnerstagabend den Börsengang der Tochtergesellschaft Concessions abzusagen. Der Baukonzern führt die schwache Nachfrage nach dem Angebot von 49 Prozent seiner Tochtergesellschaft Hochtief Concessions zum Unternehmensgesamtwert von fast 2 Milliarden Euro auf das Kapitalmarktumfeld zurück, dass sich „durch die Dubai-Krise und die dadurch ausgelösten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten entscheidend verschlechtert“ habe. Aus dem hochkarätig besetzten Bankenkonsortium, das von Citigroup, Deutscher Bank und Goldman Sachs als Konsortialführer geleitet wurde, ist indes zu hören, das sei nicht die ganze Wahrheit.

Sicherlich sei die in den vergangenen Tagen gewachsene Schwankungsbreite am Aktienmarkt und damit von Vergleichsunternehmen für Hochtief Concessions Gift für den Börsengang, sobald dessen Preisspanne festgelegt gewesen sei. Auch hätten gerade angelsächsische Investoren, von denen offenbar so gut wie keine Nachfrage nach Hochtief Concessions vorlag, angesichts der Zahlungsschwierigkeiten des in ähnlichen Branchen tätigen Unternehmens Dubai World von einem Engagement Abstand genommen. Aber es ist auch zu hören, dass die Banken von Anfang an Hochtief vor zu hohen Preisvorstellungen gewarnt hätten. Schließlich sei bekannt, dass gerade angelsächsische Investoren einen höheren Preisabschlag forderten, wenn wie im Fall von Hochtief Concessions nur Minderheitsbeteiligungen zum Verkauf stünden. Zudem habe der Vorstand die komplexe Bilanz mit vielen Subunternehmen vor interessierten Anlegern nicht überzeugend erklären können, wird berichtet.

In Asien haben Börsengänge Hochkonjunktur

Hinter vorgehaltener Hand heißt es auch, der Vorstand von Hochtief habe sich von den Banken kaum beraten lassen, sondern habe das Heft des Handels stark in der eigenen Hand behalten. Tatsächlich wich Hochtief davon ab, den Gang an die Börse mit der üblichen Pressekonferenz in Frankfurt einzuleiten. Auch auf eine Anzeigenkampagne, um für den Börsengang gerade bei Privatanlegern zu werben, wurde weitgehend verzichtet.

Anders als in Deutschland finden in anderen Teilen der Welt durchaus wieder Börsengänge nach der Krise statt. Zwei Drittel des Volumens der zehn größten Aktienneuemssionen, deren Gesamteinnahmen voraussichtlich bei fast 30 Milliarden Euro liegen werden, plazierten Unternehmen in Asien. Besonders in China floriert der Markt. Asiens größter Windkraftanlagenbetreiber China Longyuan Power nahm bei seinem Börsengang am Freitag in Hongkong umgerechnet 1,5 Milliarden Euro ein. Zudem rüstete sich Chinas größter Schiffsausrüster China Shipbuilding Industry für einen ähnlichen Erfolg: Mit dem Verkauf aller Aktien am oberen Ende der angepeilten Preisspanne würden 1,4 Milliarden Euro in die Kasse fließen. Aber auch in Europa gibt es seit diesem Quartal wieder mehr Börsengänge. In Paris und Mailand konnten am Donnerstag die ersten großen Aktienneuemissionen seit 2007 plaziert werden. Beide Unternehmen, die Afrika-Sparte CFAO des französischen Luxusgüterkonzerns PPR und der italienische Online-Modehändler Yoox, kommen aus der Einzelhandelsbranche. Ihre Kurse legten nach dem Börsendebüt deutlich zu.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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