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Börsengänge Nur in Schwellenländern gefragt

09.12.2009 ·  Nicht nur in Deutschland, auch in den anderen Industriestaaten schafft es kaum ein Neuling erfolgreich an die Börse. Die Investoren zeigen sich sehr wählerisch.

Von Daniel Mohr
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Die Serie milliardenschwerer Börsengänge in China reißt nicht ab. Mit dem Versicherer China Pacific steht ein weiteres Unternehmen vor seinem Debüt an der Börse in Hongkong. Umgerechnet mehr als 2 Milliarden Euro will das Unternehmen mit dem Börsengang erlösen. Erst vergangene Woche gab es zwei milliardenschwere Börsengänge in China. Im gesamten Jahresverlauf ist das Dutzend längst voll.

In Deutschland gab es einen Börsengang mit einem Emissionsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro seit der Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA) im November 2007 nicht mehr. Hochtief sagte den Börsengang seiner Tochtergesellschaft Concessions vergangenen Donnerstag kurzfristig ab. Er sollte dem Unternehmen rund eine Milliarde Euro einbringen. Damit gab es in diesem Jahr im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse nur einen einzigen Börsengang: den der Vtion Wireless Technology AG. Das Emissionsvolumen lag bei gerade einmal 55 Millionen Euro. Der Anbieter von Datenkarten für die mobile Nutzung des Internets kommt bezeichnenderweise aus China.

Scan Energy kämpft um den Börsengang

Die mickrige Bilanz in Deutschland könnte allenfalls noch das dänische Wind- und Solarunternehmen Scan Energy etwas aufpolieren. Zweimal wurde der Preis, zu dem die Aktien bezogen werden können, bislang gesenkt und die Zeichnungsfrist zudem verlängert. Nun ist für Freitag das Börsendebüt in Frankfurt vorgesehen. Der Emissionserlös soll rund 180 Millionen Euro betragen, statt der zunächst geplanten 280 Millionen Euro.

Doch nicht nur in Deutschland gibt es seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 praktisch keine Börsengänge mehr. Den anderen Industrieländern geht es kaum besser. Die meisten Börsengänge und erst recht die größeren kommen längst aus den Schwellenländern. 70 Prozent der Erlöse aus Börsengängen im Jahr 2009 wurden in Schwellenländern erzielt, ergab eine Studie von Ernst & Young, der Löwenanteil davon in China. Die meisten Börsengänge fanden demnach bis Ende November mit 73 im chinesischen Shenzhen statt, gefolgt von 47 in Hongkong und 46 in Korea. Das größte Volumen wurde mit knapp 18 Milliarden Dollar in Hongkong plaziert.

Keine Flaute in Polen

Aus den großen Industrieländern konnten lediglich die amerikanischen Börsen New York Stock Exchange und die Nasdaq mehrere nennenswerte Börsenneulinge begrüßen. Der Flaute in Europa konnte sich nur Polen entziehen, wo es 24 Börsengänge gab, darunter mit dem Energieunternehmen PGE den größten Börsengang des Jahres in Europa. Mit einem Volumen von gut 2 Milliarden Dollar war es zudem der achtgrößte auf der Welt.

Die Ursachen für die Malaise in den Industriestaaten sind vielfältig. „In Ländern wie China ist das Vertrauen in das Wachstumspotential der Unternehmen sehr viel stärker ausgeprägt als hierzulande“, sagt Heinrich Lind, Kapitalmarktexperte und Partner bei Ernst & Young. „Die Wachstumsphantasie deutscher Unternehmen versehen die Investoren hingegen mit einer Reihe von Fragezeichen.“

Trotz hoher Liquidität an den Märkten und einer positiven Stimmung an den Aktienmärkten werde bei Börsenneulingen noch sehr kritisch hingeschaut, berichten Marktteilnehmer. Ein Börsengang sei gleich einem Mosaik, bei dem eine Vielzahl von Steinchen genau passen müsse, damit sich ein stimmiges Gesamtbild ergebe.

Anleihen gefragter

Halten die Investoren das Geschäftsmodell eines Unternehmens nicht für hinreichend stimmig, das Segment, in dem das Unternehmen tätig ist, für unattraktiv oder haben sonst etwas auszusetzen, verlangen sie mitunter kräftige Abschläge auf die Preisvorstellungen des Unternehmens. „Der Markt für Börsenneulinge ist noch ein klarer Käufermarkt“, sagt Lind. „Passt den Investoren etwas nicht, dann geben sie ihr Geld eben einem aus ihrer Sicht attraktiveren und günstigeren Unternehmen.“

Das Portemonnaie der Geldgeber ist nämlich auch für deutsche Unternehmen nicht geschlossen. Es wurden noch nie so viele Unternehmensanleihen emittiert wie in diesem Jahr. Selbst Unternehmen mit einer schlechten Bonitätseinstufung durch die Rating-Agenturen oder Unternehmen ganz ohne Rating konnten sich am Anleihemarkt relativ leicht Kapital beschaffen. Bedeutende institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften haben sich auf geringe Aktienquoten in ihren Portfolios beschränkt, haben aber, um eine einigermaßen vorzeigbare Rendite zu erwirtschaften, kräftig in Unternehmensanleihen investiert.

Lieber neue Aktien alter Unternehmen

Für Aktienengagements stand wesentlich weniger Kapital zur Verfügung, und dies wurde vorwiegend in am Kapitalmarkt bereits bekannte Unternehmen investiert statt in Börsenneulinge. So konnten zahlreiche Banken in Europa wie in Amerika milliardenschwere Kapitalerhöhungen erfolgreich durchführen. Aber auch im Industriebereich gelang zum Beispiel Heidelberg Cement eine Kapitalerhöhung. Der Düngemittelhersteller K+S meldete zudem am Dienstag, die geplante Kapitalerhöhung befinde sich auf gutem Wege.

Doch auch in den Schwellenländern läuft nicht immer alles rund. So muss die Börse in Hongkong wohl zunächst auf den Börsengang des weltgrößten Aluminium-Herstellers Rusal verzichten. Die Vorstellung des russischen Unternehmens bei Investoren hatte eigentlich an diesem Dienstag beginnen sollen. Der Börsengang, der dem Unternehmen rund zwei Milliarden Dollar einbringen soll, ist jedoch anders als der von Hochtief Concessions nicht abgesagt. Er ist nur auf Anfang nächsten Jahres verschoben.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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