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Börsengänge Magix-Aktie: Gute Chancen, hohe Risiken

03.04.2006 ·  Mit der Magix AG kommt wieder ein Internet-Unternehmen an die Börse. Die Bewertung scheint vertretbar, wenngleich sie einige Dynamik voraussetzt - und das ist nicht ohne Risiko.

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Mit der Aktie der Berliner Magix kommt nach dem Hype der frühen Jahre des Jahrhunderts seit langem wieder eine richtige Internetaktie an die Börse, bzw. eine die es noch werden möchte.

Magix bietet Software und Onlinedienste zur Bearbeitung von Fotos, Videos und Musik an. Darüber hinaus vertreibt die knapp 250 Mitarbeiter zählende Gesellschaft Softwareprodukte über Handelspartner wie Mediamarkt, mit denen vor allem Multimedia-Dateien auf verschiedenen Medien gespeichert bzw. archiviert werden können. Drei Viertel des Umsatzes stammen aus dem klassischen Software-Bereich.

Kostenanstieg verursacht Ergebnisrückgang

Im wegen des Weihnachtsgeschäfts traditionell starken ersten Quartal des Geschäftsjahres 2005/06, das am 30. September endet, konnte Magix den Umsatz auf 10,9 von 8,1 Millionen Euro im Vorjahr steigern und erzielte einen Betriebsgewinn von rund vier Millionen Euro nach 2,4 Millionen im Vorjahr.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/05 belief sich der Umsatz auf 27,5 Millionen Euro und lag damit um 26,5 Prozent über den 21,77 Millionen des Vorjahres. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug rund 4,86 Millionen Euro und fiel damit gegenüber dem Vorjahr geringer aus, als es noch 5,27 Millionen betragen hatte.

Schuld daran waren vor allem höhere Kosten. So war bereits das Bruttoergebnis leicht unterproportional zum Umsatz gestiegen. Vor allem aber nahmen die Vertriebskosten um 56,4 Prozent auf 10,96 Millionen Euro nach sieben Millionen im Vorjahr zu. Dies sei auf die „Erschließung neuer Vertriebsgebiete und -kanäle“ zurückzuführen.

Eine höhere Steuerlast führte obendrein dazu, daß der Konzernjahresüberschuß von rund 4,15 Millionen auf rund 3,19 Millionen Euro fiel. Im ersten Quartal fielen die Kostensteigerungen mit Ausnahme der Ausgaben für Forschung und Entwicklung dagegen unterdurchschnittlich aus.

Nur ein geringer Teil fließt ans Unternehmen

Die Bilanzstruktur der Magix sieht durchaus gesund aus. Zum 31. Dezember 2005 standen Gesamtverbindlichkeiten von 6,3 Millionen Euro liquide Mittel von 13 Millionen gegenüber.

Gezeichnet können die insgesamt bis zu 5.282.507 Stückaktien inklusive einer Mehrzuteilungsoption von bis zu 689.022 Aktien bis zum 5. April, der Handel im Prime Standard soll am 6. April aufgenommen werden.

Angeboten werden die Aktien in einer Preispanne von 13,40 bis 16,40 Euro, so daß der Emissionserlös von bis zu 86,63 Millionen Euro betragen wird, wovon der Löwenanteil auf das Konto der Altgesellschafter fließt. Lediglich 1,35 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung, so daß dem Unternehmen maximal 22,14 Millionen Euro zufließen werden. Bei vollständiger Plazierung der Mehrzuteilungsoption von knapp 690.000 Aktien beträgt der Streubesitz rund 40 Prozent.

Große Wachstumspläne

Das Geld will Vorstandschef und Großaktionär Jürgen Jaron in den Aufbau weiterer Multimedia-Anwendungen etwa zur Vernetzung von Video, Foto und Musik per Internet stecken. Derzeit bietet Magix auf seinem Internetportal sowie über Partnerfirmen wie T-Online oder Swisscom zahlreiche Produkte zur Verkettung multimedialer Inhalte an, die inzwischen fast 20 Prozent zum Gesamtumsatz beisteuern.

Zudem solle die Expansion ins Ausland forciert werden. „In Frankreich und Großbritannien sehen wir enorme Wachstumschancen“, sagte Firmengründer und Vorstandschef Jürgen Jaron am vergangenen Mittwoch in Frankfurt. Dabei wolle der Anbieter von Software und Onlinediensten zur Bearbeitung von Fotos, Videos und Musik mit dort ansässigen Telekommunikationsfirmen zusammenarbeiten.

Auch auf dem amerikanische Markt will Magix mit Betreibern häufig besuchter Online-Portale kooperieren. Auch Zukäufe seien vorgesehen, dabei seien Firmen mit einer starken Online-Kundenbasis oder interessanten Technologien im Visier.

Optimistischer Ausblick

Nach Einschätzung von Jaron steht der Markt für Onlinedienste dank der zunehmenden Verbreitung der Breitbandtechnologie vor einem dynamischen Wachstum.

Im schnell wachsenden Portalgeschäft von Magix erwarten sie, daß sich die Zahl der registrierten Nutzer bis 2008 auf 10,6 Millionen von 2,7 Millionen im Jahr 2005 erhöht. Der Umsatz aus diesem Bereich könnte von 4,4 Millionen Euro 2005 auf 22,71 Millionen Euro 2008 steigen.

Eigene Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2005/06 von Magix wollte Rein nicht nennen, sagte aber, für das zweite Quartal erwarte er eine saisonale Entwicklung wie im Vorjahr zu erwarten. Damals war im Vergleich zum Vorquartal ein leichter Rückgang ausgewiesen worden. „Das erste Quartal ist traditionell das stärkste“, sagte Rein mit Blick auf die auf diesen Zeitraum entfallenden Auslieferungen im Weihnachtsgeschäft. „Für das zweite Quartal kann ich noch keine Details nennen, bin aber sehr zuversichtlich“, fügte er hinzu. Auf längere Sicht sei geplant, den mit 23,8 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr derzeit noch recht geringen Anteil des Portalgeschäfts am Gesamtumsatz deutlich zu erhöhen.

Bewertung setzt große Dynamik voraus

Für 2006 bis 2008 erwarten Analysten laut Emissionsstudien ein jährliches Umsatzwachstum von rund 30 Prozent, für das Betriebsergebnis in der laufenden Periode ein Plus von knapp 70 Prozent und in den beiden Folgejahren ein Steigerung von jeweils rund 40 Prozent. Beim Nettogewinn sind die Schätzungen ähnlich.

Auf Basis des Cashflows beziffern Analysten den fairen Unternehmenswert auf 200 bis 210 Millionen Euro und im Vergleich zu anderen Firmen bei 180 bis 220 Millionen Euro. Auf Basis der Emissionsspanne ergibt sich ein Unternehmenswert von 170 bis 208 Millionen Euro, so daß sich so betrachtet Potential für Zeichnungsgewinne ergäbe.

Auf Basis der Prognosen ergeben sich geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnisse für das laufende Jahr von circa 28 bis 35 und für 2007 von 20 bis 25. Dies zeigt, daß die Bewertung der Magix-Aktie durchaus eine hohe Wachstumsdynamik voraussetzt, die erst einmal geleistet werden muß.

Riskantes Wachstumsinvestment

Und es gibt eine Reihe von Faktoren, die den Planungen zuwider laufen können. Das Online-Geschäft des Unternehmens ist noch im Aufbau und wird nur dann funktionieren, wenn es eine kritische Masse an Nutzern anziehen kann.

Darüber hinaus gibt Magix im Prospekt selbst zu bedenken, daß nicht nur der Markt noch jung und damit anfällig für Schwankungen sei, sondern auch und daß Konkurrenten zum Teil viel größer und besser ausgestattet seien. Das bedeutet nicht, daß Magix nicht erfolgreich sein kann, erhöht aber das Risiko der Investition.

Was auch weniger optimistisch stimmt, ist die Tatsache, daß nur ein verhältnismäßig geringer Teil des Emissionserlöses in den Unternehmenskassen bleibt. Setzt man die Summe von rund 22 Millionen Euro ins Verhältnis zu den Plänen dafür, können die einzelnen Projekte letztlich nicht so groß ausfallen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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