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Börsengänge Impreglon-Aktie bietet durchaus Kursphantasie

17.05.2006 ·  Impreglon beschichtet Reiskocher, Sicherheitsgurte und vieles mehr. Jetzt holt sich der Oberflächentechnik-Spezialist aus Lüneburg Geld von der Börse. Die Chancen stehen nicht schlecht, daß die Aktionäre vom Wachstum profitieren.

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Oberflächentechnik - das klingt nicht besonders sexy. Doch das kleine Unternehmen Impreglon aus Lüneburg zeigt, daß sich damit gutes Geld verdienen läßt. Die Gesellschaft wächst und braucht Geld. Das will sie sich mit einem Börsengang am Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse holen.

Die Aktie soll 6,50 Euro kosten und kann von diesem Mittwoch an bis 24. Mai gezeichnet werden (Isin: DE000A0BLCV5). Erster Handelstag soll der 31. Mai sein. Ausgegeben werden bis zu eine Million Aktien aus einer Kapitalerhöhung und 95.000 Stück aus dem Besitz eines Altaktionärs. „Somit steht der Emissionserlös fast ausschließlich für das zukünftige Unternehmenswachstum zur Verfügung“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Altaktionäre, im wesentlichen der Unternehmensgründer, halten nach dem Börsengang, wenn alles wie geplant läuft, noch 52,5 Prozent der Anteile.

Reiskocher und Sicherheitsgurte

Mehr als 20 Jahre Erfahrung, viele Kunden aus verschiedenen Branchen, zum Beispiel Fahrzeugtechnik, Lebensmittelproduktion und Druckindustrie - offenbar funktioniert das Geschäftsmodell. Das Unternehmen bringt Oberflächen aus Keramik, Kunststoff und Metall auf Bauteile der Kunden, etwa Zahnrädern oder Turbinenschaufeln, auf.

Kunden sind unter anderem AEG, Bahlsen, BASF, BMW, 3M, Dr. Oetker, Tesa und Thyssen-Krupp. Für die Lebensmittelindustrie beschichtet Impreglon zum Beispiel Reiskocher und Backformen, für die Fahrzeugtechnik etwa Federn, Sicherheitsgurte und Bremsen.

Nasa-Patent machte den Anfang

Die Geschichte der Impreglon beginnt mit einer Ausgründung: Henning Claassen hatte in Lüneburg eine Maschinenfabrik zum Bau von Heißklebeapparaturen aufgebaut. Er war auf der Suche nach einer Oberflächenbeschichtung, die den hohen Temperaturen standhielt, und wurde in den Vereinigten Staaten fündig, wo er der Nasa ein entsprechendes Patent abkaufte. Als Claasen später seine Maschinenfabrik an einen amerikanischen Konkurrenten verkaufte, behielt er das Oberflächengeschäft.

Die Drei-Mann-Firma, 1983 gegründet, hieß damals ChemCoat GmbH. 1989 erfolgte die Umfirmierung in Impreglon, 2003 wurde aus der GmbH eine AG. Noch heute ist die ehemalige Maschinenfabrik des Chefs und Großaktionärs der größte Kunde, sie trägt rund zehn Prozent zum Umsatz bei. Die anderen 90 Prozent kommen von mehr als 500 Kunden aus aller Welt.

Kennzahlen zeigen nach oben

Heute weist Impreglon fünf Mehrheits- und vier Minderheitsbeteiligungen an Tochterunternehmen aus, unter anderem für die Märkte Schweiz, Ungarn, Frankreich, Vereinigte Staaten, Großbritannien, Benelux und Schweden. Für Italien und Japan hat die Gesellschaft Franchise-Verträge geschlossen.

Die wichtigsten Kennzahlen haben sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt: Der Umsatz der AG stieg von 5,1 Millionen Euro 2003 auf 6,7 Millionen Euro 2005. Der Jahresüberschuß hat sich in dieser Zeit von 254.000 auf 541.000 Euro mehr als verdoppelt. Diese Zahlen stammen aus dem geprüften HGB-Abschluß. Außerdem hat die Gesellschaft in ihrem Börsenprospekt ungeprüfte Zahlen für die gesamte Gruppe vorgelegt. Demnach stieg der Umsatz von 9,4 Millionen Euro 2003 auf 16,5 Millionen Euro 2005. Die Ebit-Marge erhöht sich in diesem Zeitraum von 9,7 auf 12,4 Prozent, der Jahresüberschuß von 277.000 auf 861.000 Euro. Berechnet man das 2004 ausgegebene Genußscheinkapital von sechs Millionen Euro mit ein, beträgt die Eigenkapitalquote 60,7 Prozent. Dieses Genußrechtskapital kostete Impreglon im vergangenen Jahr 570.000 Euro.

Analysten und Management sind optimistisch

Das Management erwartet in den kommenden drei Jahren jeweils ein Branchenwachstum von etwa sieben Prozent. In der Vergangenheit sei Impreglon doppelt so schnell gewachsen wie der Markt. Künftig wolle man das Wachstumstempo durch Neuentwicklungen, Beteiligungsaufstockungen und Akquisitionen erhöhen.

Die Analysten von Independent Research sehen die Aktien des Börsenaspiranten bei 7,57 Euro als fair bewertet an. Bei Zugrundelegung dieses Wertes weise die Aktie eine attraktive Dividendenrendite von vier Prozent auf. Diese Analystenstudie wurde von der Baader Wertpapierhandelsbank in Auftrag gegeben, die den Börsengang begleitet.

„Gute Marktposition“

Das Unternehmen operiere aus einer guten Marktposition heraus, der hohe Internationalisierungsgrad sei ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, so die Analysten. Die Branche gehöre zu den schnell wachsenden Segmenten in Deutschland, da ihre Verfahren in immer breiteren Bereichen des produzierenden Gewerbes Anwendung fänden.

Positiv zu werten sei der breit diversifizierte Kundenkreis von Impreglon. Durch seine strategische Ausrichtung weise das Unternehmen deutliches Potential auf, seine derzeit recht niedrig erscheinenden Marktanteile im In- und Ausland anzuheben.

Interesse bisher eher verhalten

Die Analysten rechnen für dieses Jahr mit einem Gewinn je Aktie von 35 Cent, im kommenden Jahr sollen 44 Cents bleiben. Bezogen auf den Emissionspreis berechnet sich daraus ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18,6 für 2006 und 14,8 für 2007. Dieser Preis für die Aktie scheint angesichts des bisherigen Wachstums angemessen zu sein. Am späten Mittwoch vormittag wurde die Aktie vorbörslich bei Lang & Schwarz bei 6,60 Euro zu 6,90 Euro gehandelt. Das spricht für ein bisher eher verhaltenes Interesse an dem Börsengang.

Impreglon macht einiges richtig, was Anlegern bei anderen Börsengängen des Jahres bitter aufgestoßen war: Die Alteigentümer machen nicht Kasse - das Geld fließt fast ausschließlich dem Unternehmen zu - und haben sich zudem dazu verpflichtet, die Aktien mindestens eineinhalb Jahre lang zu halten. Das Unternehmen legt viele Zahlen offen und legt einen umfangreichen Börsenprospekt vor, obwohl es dazu im Entry Standard nicht verpflichtet wäre. Außerdem ist es profitabel und wächst - auch das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit bei Neuemissionen.

Doch Anleger dürfen nicht vergessen, daß es sich um eine eher kleine Gesellschaft handelt, was natürlich Risiken mit sich bringt. In der Holding arbeiteten 2005 nur 45 Angestellte, darunter vier Azubis. Darum ist die Aktie nur risikoreichen Anlegern als Beimischung im Portfolio zu empfehlen. Die Chancen stehen gut, daß sich Impreglon weiterhin gut entwickelt, was auch dem Kurs Auftrieb geben sollte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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