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Börsengänge Hanseyachts setzt auf hohes Wachstum

 ·  Mit einer hohen Bewertung auf Basis des laufenden Geschäftsjahres kommt mit Hanseyachts der erste deutsche Bootsbauer an die Börse. Kann er das hohe Wachstumstempo beibehalten, kann die Aktie interessant werden.

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Nicht gerade überzeugend haben sich die wenigen Neuemissionen des Jahres 2007 bislang geschlagen. Alle drei notieren unter ihren Erstkursen und lediglich der Kurs von Altira notiert über dem Ausgabepreis.

Das hält indes andere Unternehmen nicht vom Sprung auf das Börsenparkett ab, so auch nicht den Greifswalder Yachtbauer Hanseyachts. Das 1990 als Handwerksbetrieb gestartete Unternehmen zählt eigenen Angaben zufolge mittlerweile zu den fünf weltgrößten Herstellern von Segelyachten und verweist stolz auf die mehrfache Prämierung seiner Eigenentwicklungen auf internationaler Bühne.

Hauptsächlich Kapitalerhöhung

Im vergangenen Jahr übernahm Hanseyachts 51 Prozent die traditionsreiche norwegische Motorbootmarke Fjord, deren Produktion dann nach Greifswald verlagert wurde, wo 400 der 600 Mitarbeiter des Unternehmens beschäftigt sind.

Von Mittwoch an stehen insgesamt 2,3 Millionen Aktien eine Woche lang zur Zeichnung zur Verfügung. Die Preisspanne liegt dabei zwischen 30 und 36 Euro pro Aktie. Daraus ergibt sich ein Bruttoemissionserlös von 60 bis 82,8 Millionen Euro. Ziel ist der Geregelte Markt.

Rund 1,5 Millionen der von Mittwoch an zum Kauf stehenden 2,3 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung. Weitere 500.000 Aktien kommen aus dem Eigentum des Mehrheitsaktionärs und Firmengründers Michael Schmidt. Darüber hinaus stellt Schmidt weitere bis zu 300.000 Aktien aus seinem Eigentum im Hinblick auf eine eventuelle Mehrzuteilung zur Verfügung. Nach vollständiger Platzierung aller angebotenen Aktien (inklusive Mehrzuteilung) würde der maximale Streubesitz bei 35,9 Prozent liegen.

Längerfristig Index-Mitgliedschaft angestrebt

Den Gang an den Geregelten Markt, der keine Quartalsberichterstattung verlangt, sieht der Unternehmenslenker nur als ersten Schritt, später wolle man auch in den Prime Standard und in einen Aktienindex.

Hanseyachts lockt schon für das laufende Geschäftsjahr mit einer Dividende. Die nun angebotenen Aktien sollen „überwiegend“ bei institutionellen Großanlegern plaziert werden. M.M. Warburg hat als Konsortialführer eines Börsenganges bisher indes nicht sehr viel Erfahrung. Auch die übrigen Banken im Konsortium zeichnen sich im wesentlichen durch ihre Kontakte zu Privatanlegern aus.

Den Erlös aus der Kapitalerhöhung von bis zu 54 Millionen Euro will Vorstandschef Schmidt unter anderem für den Kauf einer neuen Marke für das Luxussegelbootsegment verwenden. Dafür gebe es mit dem Verkäufer bereits eine Absichtserklärung. Außerdem will Hanseyachts in dem zersplitterten Segelbootmarkt einige der rund 3.000 Wettbewerber aufkaufen und mit Fjord den Markt für Motorboote erobern. Vor allem soll die Produktpalette um Mittelcockpit- und Decksalonyachten erweitert werden.

Ziel: Nummer eins

Dieser ist bereits heute mit einem Volumen von mehr als sechs Milliarden Euro fast dreimal so groß wie der Markt für Segelboote. Schmidt hält den Markt für Motorboote auch für wachstumsträchtiger.

Außerdem ließ Schmidt durchblicken, dass die Fließbandproduktion in Greifswald und Polen noch kosteneffizienter gestaltet werden könnte. Die Ebit-Marge von derzeit weniger als zehn Prozent soll noch im laufenden Jahr verbessert werden. „Ich will mehr, weil ich weiß, was die besten Wettbewerber schaffen.“, sagte Schmidt. In den kommenden Jahren soll der Gewinn über sinkende Einkaufspreise und einen höheren Ausstoß gesteigert werden, sagte Finanzvorstand Frank Domeyer.

Schmidt hat viel vor. In den kommenden Jahren will er Hanseyachts, vom im Segelyachtbereich hinter der Beneteau-Gruppe, Bavaria Yachtbau, Hunter Marine und Michel Dufour weltweit Fünften, zur Nummer eins der Branche machen. „Ich will es noch erleben, dass wir an die Spitze kommen“, sagte Schmidt.

Wachstumspotential sieht er auch in den Vereinigten Staaten und Asien. „Wir werden jetzt Länder wie Korea, Hongkong oder Singapur angehen“, versprach der Segler, der schon am Admiral's Cup teilgenommen hat.

Indes zieht der Bootsbauer auf eine hohe Bewertung. Nach Kapitalerhöhung kommt Hanseyachts auf einen Unternehmenswert von 183 bis 230 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2005/06, das zum 31. Juli zu Ende ging, hatte das Unternehmen mit der Produktion von rund 585 Segelyachten den Umsatz im Vergleich zum Geschäftsjahr davor um rund 57 Prozent auf 66,3 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern nahm um 144 Prozent auf 6,1 Millionen Euro zu.

Im ersten Quartal betrug der Umsatz 36,9 Millionen Euro, in den Auftragsbüchern stehen für das laufende Jahr bereits für 48,6 Millionen Euro verkaufte Hanse-Jachten und für fünf Millionen Euro verkaufte Fjord-Boote.

Hohes Wachstum eingepreist

Analysten aus dem den Börsengang begleitenden Bankenkonsortium erwarten, dass im Laufe des Jahres mehr als 100 Millionen Euro Umsatz und ein Vorsteuergewinn von zwölf Millionen Euro erzielt werden. Die Analysten von SES Research rechnen für 2006/07 bei 101,9 Millionen Euro Umsatz mit einem Überschuss von 7,3 Millionen Euro. Auf Basis dieser Prognosen käme Hanseyachts bei einer Gesamtaktienzahl von 6,1 Millionen Stück auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Jahr von 26 bis 32.

Der französische Konkurrent Beneteau, der rund acht Mal so viel Umsatz macht wie Hanseyachts notiert an der Börse Paris mit einem Marktwert von 1,6 Milliarden Euro und einem niedrigerem KGV von knapp 18 auf Basis der Analystenprognosen.

„In der Preisspanne ist das hohe zu erwartende Wachstum von Hanseyachts berücksichtigt“, sagte ein Vertreter des Konsortialführers M.M. Warburg auf der Pressekonferenz zum Unternehmenswert. Seit dem Geschäftsjahr 1998/99 ist das 1990 als Handwerksbetrieb gestartete Unternehmen um rund 40 Prozent jährlich gewachsen - zu Lasten der Konkurrenten, denn der Markt wächst nur mit einstelliger Jahresrate. „Wir standen vor dem Luxusproblem, das wir immer mehr Boote verkauft haben als wir produzieren konnten“, sagt Schmidt.

Kann Hanseyachts das Tempo beibehalten, so könnte das KGV für das kommende Geschäftsjahr bereits deutlich unter 20 liegen und damit etwa auf dem Niveau von Beneteau, für die das KGV auf 15,5 geschätzt wird. Insofern setzt, wer die Aktie zeichnet, auf ein weiter hohes Wachstum des Bootsbauers, eine Spekulation, die durchaus nicht unrealistisch erscheint.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho mit Material von ham./F.A.Z., 27.02.2007, Nr. 49 / Seite 21
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