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Börsengänge EOP Biodiesel-Aktie treibt Anleger an - bisher

15.09.2005 ·  Kraftstoffe füllen derzeit verstärkt die Kassen von Ölkonzernen. Biodiesel füllt seit Mittwoch die Konten von Aktionären: Seit dem Börsengang von EOP Biodiesel ist die Aktie um fast 50 Prozent gestiegen. Und dadurch hoch bewertet.

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Der Blick auf die Preistafeln von Tankstellen hat in den vergangenen Wochen selbst Fahrern von Dieselautos bisweilen die Zornader anschwellen lassen. Noch relativ entspannt konnte den Preisauftrieb beobachten, wer Biodiesel aus Raps in den Tank seines Wagens fließen lassen kann.

Denn dieser alternative Kraftstoff kostet etwa 20 Cent weniger als herkömmlicher Diesel. Ein Produzent dieses Treibstoffs, die EOP Biodiesel AG aus Brandenburg, ist seit Mittwoch an der Börse, das heißt: im Freiverkehr gelistet. Und die Aktie macht Anlegerträume wahr - bisher jedenfalls.

Am ersten Handelstag sprang der Kurs auf zehn Euro. Das entsprach einem Zeichnungsgewinn von 30 Prozent. Am zweiten Handelstag verbessert sich der Titel bei enorm hohen Umsätzen weiter sprunghaft um fast 25 Prozent auf 12,65 Euro. Aufgrund des atemberaubenden Höhenflugs ist der Titel inzwischen aber sehr hoch bewertet. An der Börse wird das gut Doppelte des absehbaren Jahresumsatzes bezahlt. Und das Kurs-Gewinn-Verhältis beträgt gemessen am zuletzt erzielten Gewinn und der Gesamzahl der EOP-Aktien über 2000. Offenbar blühen Anlegerphantasien so gelbgülden wie Raps im ausgehenden Frühjahr.

Wachstumsphantasie durch galoppierende Ölpreise

Zu 6,60 Euro bis 7,60 Euro im Rahmen einer Privatplazierung institutionellen Anlegern angeboten, wurde das Papier schließlich zu 7,60 Euro ausgegeben. Die Emission war nach Angaben des Wertpapierhauses Equinet mehrfach überzeichnet, so daß die Mehrzuteilungsoption, genannt Greenshoe, gezogen wurde. Insgesamt 3,37 Millionen Stücke sind auf den Markt gekommen. Einschließlich der bei Altaktionären unter Verschluß gehaltenen Anteilsscheine gibt es gut fünf Millionen EOP-Aktien.

Die im Juli 2000 gegründete Firma deckt nach eigenen Angaben die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau über die Verarbeitung von Rapssamen in der Ölmühle bis zur Veredlung ab. Die Nebenprodukte wie technisches Glycerin werden demnach vollständig verwertet. Die Kapazitäten für die Biodieselproduktion sind komplett ausgelastet.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/05 hat das Unternehmen nach Angaben von Equinet einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro erzielt und einen Gewinn von etwa 30.000 Euro eingefahren. Im Geschäftsjahr 2005/06 dürfte sich der Umsatz kaum erhöhen, es sei denn, die Preise zögen weiter an. Denn das Unternehmen will aus dem Emissionserlös die Produktionsmöglichkeiten zwar von 32.500 Tonnen im Jahr auf 65.000 Tonnen verdoppeln - das geht aber nicht im Handumdrehen. Ein neuer Betrieb soll bis Anfang 2007 an den Start gehen.

EU: Biokraftstoffanteil bsi 2010 mehr als verdoppeln

Biodiesel hat aufgrund der galoppierenden Kraftstofffpreise und der Suche nach günstigeren Alternativen viel Wachstumsphantasie für sich. Zumal Analysten ihre Prognosen für die Ölpreise heraufgesetzt haben und erst 2007 mit einer „Entspannung“ auf 40 bis 50 Dollar je Barrel (159 Liter) rechnen; doch liegt auch diese Spanne erheblich über den noch vor einem Jahr verlautbarten Schätzungen, was gut für Ölkonzerne und deren Aktionäre ist (Öl-Werte werden billiger). Immerhin hat sich laut EPO der Absatz von Biodiesel in Deutschland binnen drei Jahren auf 1,5 Millionen Tonnen verdoppelt, wobei rund 1.900 Tankstellen diesen Kraftstoff anböten.

Für Biodiesel spricht auch eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2003, nach der Kraftstoffe aus Erdöl zunehmend durch regenerative Pendants ersetzt werden sollen. Der Anteil von Biokraftstoffen soll von zwei Prozent auf 5,75 Prozent im Jahr 2010 steigen.

Genaue Prognosen stehen aus

Nach Angaben von Equinet erwartet EOP Biodiesel im laufenden Geschäftsjahr bei einem in etwa gleichen Umsatz ein „deutlich“ höheres Jahresergebnis. Genaue Prognosen gibt es aber nicht. Die weiteren Eckdaten zum abgelaufenen Geschäftsjahr sollen im Oktober veröffentlicht werden, der Geschäftsbericht im November. Dann sollte der Vorstand auch eine Gewinnprognose liefern. Andernfalls könnte das Interesse von Anlegern an dem kleinen Titel leiden.

Dabei stellt sich schon jetzt die Frage, wie lange der Höhenflug andauern kann. Die Börsengänge der Frimag Immobilien AG und von Net Mobile in diesem Jahr zeigen: In den ersten Tag nach dem Börsengang liefen die Notizen nach oben - um anschließend bei deutlich sinkenden Umsätzen gen Süden zu laufen.

Während Net Mobile immerhin noch rund 8,5 Prozent über dem ersten Schlußkurs notiert, hat die Frimag-Aktie fast 14 Prozent eingebüßt. Auch und gerade bei kleinen Nebenwerten sind Anleger unterwegs, die es nicht auf Kaufen und Halten, sondern auf rasche Kursgewinne abgesehen haben - siehe Beispiel Frimag. Und solche Kurssprünge wie bei EOP Biodiesel sind nicht gesund. Längerfristig orientierte Anleger scheinen deshalb gut beraten, die aktuelle Aufergung an sich vorüberziehen zu lassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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