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Börsengänge Drei Neulinge noch vor Ostern

02.03.2010 ·  Nach Kabel Deutschland und Brenntag wagt sich nun auch das Modeunternehmen Tom Tailor aus der Deckung. Die Reihen der Aspiranten für den Kurszettel füllen sich.

Von Hanno Mußler
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Die Anzahl der Unternehmen, die noch vor Ostern ihr Debüt an der Deutschen Börse geben wollen, hat sich auf drei erhöht. Am Montag gab das Hamburger Modeunternehmen Tom Tailor bekannt, durch einen Börsengang und die Ausgabe neuer Aktien 140 Millionen Euro einsammeln zu wollen. Darüber hinaus wollen auch die Eigner, die französische Beteiligungsgesellschaft Alpha Groupe (58 Prozent) und die Luxemburger Private-Equity-Holding Morgan Finance (38 Prozent), Aktien in noch unbekannter Zahl verkaufen.

Tom Tailor ist damit ein Kandidat für den S-Dax. Das Handelshaus für Chemikalien Brenntag und der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, die beiden schon bekannten Börsenaspiranten, zielen mit Emissionserlösen von rund 1 Milliarde Euro auf eine Mitgliedschaft im M-Dax.

Skepsis zuletzt gestiegen

Die Fülle an Börsenaspiranten kommt eher unerwartet. Zwar haben mehrere börsennotierte Unternehmen wie Continental, Infineon und Heidelcement im zweiten Halbjahr 2009 über Kapitalerhöhungen dreistellige Millionenbeträge eingesammelt. Noch nicht an der Börse bekannte Unternehmen wie Scan Energy oder Hochtief Concessions fanden jedoch im vierten Quartal 2009 nur wenig Nachfrage nach ihren Aktien und mussten ihren Börsengang verschieben. Als letztem größeren Unternehmen gelang in Deutschland SMA Solar im Sommer 2007 der Sprung auf das Börsenparkett.

Zu Jahresbeginn hatten sich die an Börsengängen kräftig verdienenden Investmentbanker sehr optimistisch gezeigt, dass sich der Markt in diesem Jahr wieder für Neulinge offen zeigt. Doch in den vergangenen Wochen waren sie zunehmend skeptischer geworden. Als Haupthinderungsgrund für eine nach Bekanntgabe der Preisspanne erst zwei Wochen später folgende Aktienplatzierung gelten die wegen der Schuldenkrise um Griechenland gestiegenen Risiken. Indizes wie der V-Dax, der die Aktienkursschwankungen börsennotierter Unternehmen misst, haben sich zuletzt erhöht.

Banken hoffen auf Geschäftsimpulse

Neben den Investmentbankern haben auch die Kreditgeber ein Interesse daran, dass einem Unternehmen eine Eigenkapitalerhöhung über die Börse gelingt. Denn damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen seine Kredite bedient und zurück zahlt. Im Jahr 2009 war keine Bank öfter bei der Betreuung von Kapitalerhöhungen dabei wie die stark in Deutschland als Kreditgeber engagierte Commerzbank.

Auch bei Tom Tailor ist die Commerzbank Kreditgeber und neben JP Morgan Konsortialführer des Börsenganges. Ute Gerbaulet, zuständig für Börsengänge bei der Commerzbank, rechnet mit etwa zehn Börsengängen in Deutschland in diesem Jahr.

Lackmus-Test

Stefan Gratzer von Credit Suisse ist skeptischer. „Für viele Unternehmen ist 2010 ein Übergangsjahr nach der Krise. Ein großer Wachstumsschub bei Umsatz und Gewinn ist oft erst 2011 zu erwarten. Das ist auch ein Grund, warum manche für das erste Halbjahr angedachten Börsengänge gerade ins zweite Halbjahr 2010 verschoben werden. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich die Anleger vermutlich eher davon überzeugen, die besseren Geschäftsaussichten für 2011 zur Grundlage für ihre Kaufentscheidung beim Börsengang zu machen.“

Auch die Bank JP Morgan hält ihre Prognose von zehn bis 15 Börsengängen in Deutschland im ersten Halbjahr nicht länger aufrecht. Investmentbanker Joachim von der Goltz hält die nächsten ein bis zwei Monate für ganz entscheidend. Die drei Börsenaspiranten in Deutschland und weitere fünf in Europa seien „die Crème de la Crème“. Wenn ihnen in der Mehrzahl kein erfolgreicher Börsengang gelinge, werde der Markt für mehrere Monate wieder geschlossen sein, befürchtet von der Goltz. Denn kaum ein anderes Unternehmen werde dann einen Anlauf wagen.

Finanzinvestoren wollen raus

Von der Goltz ist für JP Morgan an der Betreuung aller drei deutschen Börsenkandidaten beteiligt. Er sieht einen offenen Markt für alle Börsengänge, die flexibel sind, ihren Preis an die Vorstellungen der Anleger anzupassen. Der Börsengang von Hochtief Concessions war an der fehlenden Bereitschaft der Muttergesellschaft Hochtief gescheitert, den Preis für die angebotenen Aktien zu senken.

Verkäufer bei allen nun in den Startlöchern stehenden Unternehmen sind Finanzinvestoren. Wie bei Tom Tailor hat sich auch BC Partners, Eigner von Brenntag, noch nicht festgelegt, wie viele Aktien er verkaufen wird. Dies hänge entscheidend von der Höhe des Unternehmenswertes ab, der sich zum Börsengang erzielen lasse, heißt es.

Preisabschläge

Anleger dringen bei noch nicht börsennotierten Unternehmen auf einen Preisabschlag, der zuletzt zwischen 10 und 30 Prozent zu börsennotierten Vergleichsunternehmen lag. Vergleichbar mit Tom Tailor sind die Modeunternehmen Esprit und Ted Baker sowie in Deutschland Boss und Gerry Weber. Für Brenntag ziehen Analysten am ehesten den Vergleich zu dem britischen Büromaterialienvertrieb Bunzl.

Die meisten Konkurrenten von Kabel Deutschland sind wie zuletzt Unity Media vor einem Börsengang noch an andere Finanzinvestoren weiter verkauft worden. Hier gilt der im Jahr 2005 an die Börse gegangene belgische Kabelnetzbetreiber Telenet als einzige börsennotierte Vergleichsfirma für Kabel Deutschland.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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