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Börsengänge Compugroup-Aktie lässt sich die Wachstumsphantasie gut bezahlen

30.04.2007 ·  Der Praxissoftware-Hersteller Compugroup wechselt vom Freiverkehr in den Prime Standard. Inklusive Kapitalerhöhung errechnet sich ein Börsenwert von maximal 1,04 Milliarden Euro. Das ist viel gemessen am Umsatz von 140 Millionen Euro.

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Mit einem deutlichen Kurssprung hat in der Vorwoche der Aktienkurs der Koblenzer Compugroup (ISIN DE0005437305) auf Details zum geplanten Börsengang reagiert. Die Reaktion fiel deshalb so stark aus, weil die Notiz in den Wochen zuvor abgebröckelt war, mit den Neuigkeiten jetzt aber die Unsicherheiten bezüglich des IPOs weitgehend ausgeräumt wurden.

Außerdem war der Hinweis wichtig, dass Aktionäre, die bislang Anteile an den im Freiverkehr gelisteten Aktien halten, durch Ausübung des Bezugsrechts Aktien aus der Kapitalerhöhung zeichnen können. Den Angaben zufolge strebt der Praxissoftware-Hersteller für den 4. Mai eine Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse an. Von den bis zu 16,55 Millionen angebotenen Aktien stammen 7,34 Mio aus einer Kapitalerhöhung und bis zu 9,2 Millionen (davon 2,2 Millionen als Greenshoe) aus dem Besitz der Altaktionäre.

Die bereits in neun Ländern vertretene Gesellschaft erhofft sich durch den Börsengang Erlöse von 125 Millionen bis 154 Millionen Euro. Die Alteigentümer können mit bis zu 193 Millionen Euro rechnen. Angesichts der Größe kann mit einer Aufnahme des Titels in den TecDax gerechnet werden. Das eingenommene Kapital soll zur Finanzierung des weiteren Wachstums und zum Schuldenabbau verwendet werden. Die Angebotsfrist für die Emission läuft voraussichtlich vom 30. April bis zum 3. Mai.

Bewertung erscheint hoch

Die Preisspanne wurde an diesem Montag veröffentlicht. Sie bewegt sich zwischen 17 und 21 Euro. Der gesamte Börsenwert des Herstellers von Abrechnungssystemen für Ärzte liegt somit zwischen 844 Millionen Euro und 1,04 Milliarden Euro. Das ist ganz schön happig, wenn man bedenkt, dass Compugroup im Vorjahr nur einen Umsatz von 140 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 11,4 Millionen Euro erzielte. Die Bewertung kann damit relativ hoch bezeichnet werden. Die Bewertungskennziffern, welche die Compugroup für sich selbst reklamiert, liegen jedenfalls deutlich über dem, was die Gesellschaft selbst bei ihren Übernahmen zu zahlen bereit ist.

Immerhin kann das Unternehmen aber mit hohen Wachstumsraten in der Vergangenheit und vermutlich auch in der Zukunft glänzen. Von 2000 bis 2005 hat sich der Umsatz mit 116 Millionen Euro mehr als verdoppelt und wie erwähnt waren es 2006 sogar schon Erlöse von 140 Millionen Euro. Damit ist die Compugroup schon jetzt zum führenden europäischen Anbieter von Software für Arztpraxen aufgestiegen. Der Umsatz hat sich von 2000 bis 2005 mit 116 Mio. Euro mehr als verdoppelt und 2006 dürften vermutlich sogar rund 150 Mio. Euro erlöst worden sein.

Weiterhin starkes Wachstum angepeilt

Mit den aus der Kapitalerhöhung resultierenden Mitteln will Vorstandschef Frank Gotthardt jedenfalls etwaige Akquisitionen finanzieren, wobei vor allem Wachstumschancen in Osteuropa gesehen werden. In einem Interview wurden den Aktionären unlängst für die kommenden Jahre jeweils zweistellig prozentuale Erlöszuwächse in Aussicht gestellt. Andeutungsweise war dabei von einer Größenordnung im Bereich von 25 Prozent die Rede. Und nicht zuletzt wegen dem Rationalisierungsdruck in der Gesundheitsbranche stehen die Chancen für eine Zielerreichung gut. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Emission nicht zu aggressiv gepreist ist.

Mit dem Börsengang wird der Anteil des Unternehmensgründers Gotthardt auf 45,4 Prozent von 54,7 Prozent sinken. Die Beteiligungsgesellschaft General Atlantic will ihre Beteiligung von 39,6 Prozent auf 16,5 Prozent verringern. Der Streubesitz werde bei vollständiger Zuteilung und Ausübung der Mehrzuteilungsoption (Green Shoe) bei 33 Prozent liegen. Das Bezugsverhältnis beträgt 25:4. Als Globale Koordinatoren und gemeinsame Konsortialführer fungieren die Deutsche Bank AG und Lehman Brothers International. Co-Manager im Konsortium sind Sal. Oppenheim jr Cie, SEB AG und William Blair International Ltd.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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