„Wenn's beim ersten Mal nicht gelingt/ versuch es wieder und wieder/ Gib nicht so einfach auf/ Ausdauer lohnt sich letztlich.“ Diese Redewendung klingt im englischen Original zwar besser, doch behält sie auch auf Deutsch ihren wahren Kern.
Beherzigt hat dies auf jeden Fall der chinesische Stromgeneratoren-Hersteller United Power Technology. Nachdem das Unternehmen den geplanten Börsengang im vergangenen November absagte, weil es „die derzeitigen Preisvorgaben des Aktienmarktes für zu niedrig“ erachtete, folgt nun der zweite Versuch.
Beim zweiten Mal bescheidener
Seit Montag und noch bis zum 8. Juni können Anleger wie schon beim ersten Mal insgesamt 5,75 Millionen Aktien zeichnen, und zwar zum Preis von 9 bis 11,50 Euro. United Power ist damit bescheiden geworden. Denn im November sollten die Aktien noch 12 bis 16 Euro kosten. Anscheinend war diese Preisvorstellung auch jetzt nicht durchzusetzen. Das legt eine gewisse Dringlichkeit der Kapitalbeschaffung über die Börse nahe.
Im Jahr 2010 stieg der Umsatz des Konzerns um 59 Prozent auf 84,6 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis stieg von 10,2 auf 16,1 Millionen Euro, womit die Marge leicht auf 19,1 von 19,3 Prozent fiel. Der Reingewinn erreichte 13,7 Millionen Euro nach 9,8 Millionen im Jahr 2009.
Im ersten Quartal des laufenden Jahres stieg der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 37 Prozent auf 21,1 Millionen Euro, das Betriebsergebnis von 3,3 auf 3,6 Millionen Euro, was einer Marge von nur 17,1 Prozent entspricht. Bereinigt um einmalige Kosten für den Börsengang wuchs das Betriebsergebnis indes um 24,6 Prozent auf 4,2 Millionen Euro und die Marge somit auf 19,9 Prozent.
Geliehene Aktien
United Power produziert Motoren und motorbetriebene Stromaggregate und ist in Deutschland über eine Niederlassung in Eschborn bei Frankfurt vertreten. Seine Produkte sind bei Obi und bei Metro erhältlich.
5 Millionen Aktien stammen aus dem Eigentum der Altaktionäre. Allerdings nur auf Leihbasis, sie sollen mit einer Kapitalerhöhung unterlegt werden. 750.000 Aktien stammen aus dem Eigentum einiger Altaktionäre im Hinblick auf eine eventuelle Mehrzuteilung (Greenshoe).
Auf diese Weise beabsichtigt United Power aus der Kapitalerhöhung bis zu rund 66,1 Millionen Euro zu erlösen. Dieses Geld soll in die Erweiterung der Produktionskapazitäten fließen. Es sollen neue Produktionslinien für bestehende und neue Produkte installiert und Produktionslinien für bestehende Produkte aufgerüstet und optimiert werden. Darüber hinaus sollen Forschung und Entwicklung neuer Techniken und Produkte sowie der Ausbau des Vertriebsnetzwerks und von Vermarktungsmaßnahmen finanziert werden. Damit will das Unternehmen die jährliche Produktionskapazität in diesem Jahr auf rund eine Million Einheiten steigern.
Bewertung erscheint günstig
Die drei Firmengründer, zu denen zwei Vorstände gehören, halten derzeit 84 Prozent an United Power. Im Zuge des Börsengangs stehen Anteile aus ihrem Besitz nur als Plazierungsreserve (Greenshoe) von 750.000 Aktien zur Verfügung. Bei Plazierung sämtlicher Aktien behielten die Alt-Aktionäre einen Anteil von rund 51 Prozent.
Auf Basis des Vorjahresgewinns wäre die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zur Emission von 9,9 bis 12,6 bewertet und damit auch deutlich günstiger als noch im November. Das erscheint nicht teuer, vorausgesetzt das Geschäft verläuft einigermaßen stabil. Das Unternehmen selbst erwartet einen deutlichen Anstieg von Umsatz und Gewinn.
Ein Muster für die bisherigen chinesischen Börsengänge in Deutschland ist nicht auszumachen, sieht man davon ab, dass die Kurse weit entfernt von ihrem Ausgangsniveau liegen. Doch während der Aktienkurs von Asian Bamboo dreieinhalb Jahre nach dem Börsengang mehr als 76 Prozent im Plus liegt, ist der von Zhong De Waste innerhalb von fast vier Jahren fast ebenso stark gefallen. Auch bei United Power ist mit erhöhter Volatilität zu rechnen.
Der Gang an die Frankfurter Börse wurde am 12. November abgesagt. Die Unternehmensführung erachte „die derzeitigen Preisvorgaben des Aktienmarktes für zu niedrig“, hieß es in einer Mitteilung.