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Börsengänge : Aktie von Hotel.de bietet Chancen

  • Aktualisiert am

Warum nicht im Internet buchen? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Aktien von Hotel.de kommen zumindest am unteren Ende der Zeichnungsspanne recht günstig bewertet an den Markt. Doch der Markt gerade für kleine Börsengänge ist derzeit sehr schwierig.

          Die Zeiten ändern sich: Zur Hochzeit der New Economy wären Hotel.de die Aktien sicher aus der Hand gerissen worden. Nachdem die Blase platze, hatten es Internetunternehmen an der Börse dagegen schwer. Inzwischen dürfen auch Betreiber von Websites wieder den Schritt aufs Parkett wagen.

          Hotel.de ist das erste Internetunternehmen, das in diesem Jahr den General Standard der Deutschen Börse AG aufsucht. Vorsichtshalber gibt der internetbasierte Reservierungsservice für Hotelübernachtungen eine verhältnismäßig große Preisspanne für die Aktien vor - viele Anleger tun sich mit Online-Unternehmen eben immer noch schwer. 21,50 bis 27 Euro sollen die Titel kosten (Isin DE0006910938).

          Bis zu 23,3 Millionen Euro...

          Die Papiere können vom 16. bis zum 19. Oktober gezeichnet werden, wie Hotel.de in der Nacht zum Freitag mitteilte. Insgesamt sollen bis zu 750.000 Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie bis zu 112.500 Aktien aus dem Eigentum der derzeitigen Aktionäre im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption zur Zeichnung angeboten werden.

          Hotel.de-Chef Raufer: „Wir wollen europäischer Marktführer werden”

          Der erwartete Bruttoemissionserlös aus der Kapitalerhöhung wird sich laut Hotel.de auf 16,1 Millionen bis 20,3 Millionen Euro belaufen. Nach Abzug der Emissionskosten fließe dieser vollständig der Gesellschaft zu. Sollte die Greenshoe-Option voll ausgeübt werden, würde sich der Bruttoemissionserlös auf 18,5 Millionen bis 23,3 Millionen Euro belaufen. Der endgültige Plazierungspreis soll voraussichtlich am 19. Oktober bekanntgegeben werden. Die Notierungsaufnahme an der Frankfurter Wertpapierbörse ist für den 20. Oktober vorgesehen.

          ... für die Expansion ins Ausland

          Mit dem Erlös soll die Expansion ins Ausland, zunächst nach Großbritannien und Frankreich, von Mitte 2007 an nach Spanien und Italien, vorangetrieben werden. „Wir wollen europäischer Marktführer werden und uns auf Geschäftskunden konzentrieren“, sagte Vorstandsvorsitzender Heinz Raufer in dieser Woche auf einer Veranstaltung zum Börsengang in Frankfurt.

          2005 erfolgte über Hotel.de ein Buchungsvolumen von 131 Millionen Euro, acht Prozent davon kamen aus dem Ausland. Größter Geschäftskunde ist der Softwareanbieter SAP mit allein sechs Prozent der Buchungen. Hotel.de kassiert von den Hotels zwischen acht und zwölf Prozent der Übernachtungskosten. Derzeit stehen Kunden nach Angaben des Unternehmens weltweit 180.000 Hotels zur Auswahl, im Vergleich zu vielen anderen Buchungswegen könnten sie durchschnittlich 30 Prozent sparen.

          Gewinn und Umsatz steigen...

          Die im Jahr 2001 gegründete Hotel.de AG mit Sitz in Nürnberg erzielte im ersten Halbjahr 2006 einen Umsatz von 8,4 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern betrug 1,4 Millionen Euro. „Unser zweites Halbjahr ist immer stärker als das erste. Deshalb dürfen Sie beide Werte mit einer guten zwei multiplizieren“, sagte Raufer zur Gesamtjahresprognose.

          Schon in den vergangenen Jahren entwickelte sich das Geschäft gut: Der Umsatz stieg von 2,6 Millionen Euro 2003 auf 5,9 Millionen 2004 und schließlich 12,4 Millionen Euro 2005. Das Buchungsvolumen hat sich in den vergangenen Jahren jeweils mehr als verdoppelt. 2003 stand unter dem Strich noch ein Verlust von 31.000 Euro, 2004 betrug das Ergebnis schon 1,0 Millionen Euro, 2005 dann 2,2 Millionen Euro.

          ... und sollen weiter zulegen

          Einer Studie der Konsortialbank Hypo-Vereinsbank (HVB) zufolge werde die Netto-Marge durch die Kosten der Auslandsexpansion belastet und erst von 2008 an wieder auf dem heutigen Niveau von 17 Prozent liegen. Für 2008 schätzt die HVB den Gewinn (Ebitda) auf rund 13 Millionen Euro und den Jahresüberschuß auf acht Millionen Euro.

          Die Gewinnschätzungen und die Kurse börsennotierter Wettbewerber wie Priceline und Expedia.de zum Vergleich heranziehend, ermittelt die HVB für Hotel.de einen Unternehmenswert zwischen 104 und 130 Millionen Euro. Allerdings ergäbe ein anderes Modell sogar einen Wert von 280 Millionen Euro. Der etwas größere inländische Wettbewerber HRS ist nicht an der Börse.

          Aktie nicht zu hoch bewertet...

          Bei 3,75 Millionen Aktien ergibt sich mit der Prognose der HVB ein Gewinn je Aktie von 2,13 Euro. Daraus würde sich mit Blick auf 2008 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10,1 bis 12,7 je nach Ausgabepreis berechnen. Diese Bewertung ist keinesfalls zu hoch, auch wenn sie natürlich mit großen Unsicherheiten behaftet ist.

          Wenn man für dieses Jahr mit einem Gewinn von drei Millionen Euro rechnet, würde das Emissions-KGV für 2006 von 26,9 bis 33,7 betragen. Das klingt schon eher nach einer ambitionierten Bewertung, angesichts des jüngsten Geschäftsverlaufes scheint sie aber gerechtfertigt.

          ... doch der Markt ist derzeit sehr schwierig

          In diesem Jahr sind schon Unternehmen an die Börse gekommen, die den Aktionären weniger bieten konnten. Trotzdem dürfen Anleger nicht vergessen, daß der Markt gerade für kleine Börsengänge derzeit extrem schwierig ist.

          Obwohl die Börsen derzeit weltweit nach oben tendieren, mußte die Berliner Synchron am Freitag morgen etwa bekanntgeben, nur für ein Drittel der angebotenen Aktien Käufer gefunden zu haben. Daher fließen dem Synchronstudio nur rund 1,7 Millionen Euro zu. Ursprünglich hatte die auf die Synchronisation von Kinofilmen und TV-Serien spezialisierte Gesellschaft mit einem Emissionsvolumen von bis zu 6,6 Millionen Euro gerechnet. Ähnliches ist bei Hotel.de nicht ausgeschlossen - die große Preisspanne, die viel Spiel nach unten bietet, soll das Unternehmen vor einer solchen unangenehmen Meldung wohl beschützen.

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