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Börsengänge : Aktie der GK Software bietet Chancen

  • Aktualisiert am

GK sorgt dafür, dass bei Kaufhof die Kasse stimmt Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Nachdem der Elektronik-Zwischenhändler Devil vor wenigen Wochen mit seinem Börsengang scheiterte, versucht sich nun die GK Software AG an einem Börsengang im Prime Standard. Die Chancen scheinen besser zu sein.

          Nachdem vor wenigen Wochen der Börsengang des Elektronik-Zwischenhändlers Devil kläglich scheiterte, versucht nun ein anderes Unternehmen, sich den Lorbeer des ersten Börsengangs im scharf regulierte Segment des Prime Standard zu verdienen.

          Ab dem 11. Juni sollen die Aktien der GK Software AG in Frankfurt gehandelt werden, wenn alles so funktioniert, wie sich das Unternehmen und die emissionsbegleitende ICF Kursmakler vorstellen, für die der Börsengang ebenso ein Novum ist wie für GK.

          Kasse mit der Kassen-Software

          Die Zeichnungsfrist für die insgesamt 624.000 Aktien beginnt am Dienstag und soll am 10. Juni enden. In einer Preisspanne von 29 bis 35 Euro werden die Aktien zur Zeichnung angeboten. Der Emissionserlös beträgt damit bis zu 21,8 Millionen Euro. Davon fließen maximal 14,5 Millionen Euro der Gesellschaft und bis zu 7,3 Millionen den Altaktionären zu. Diese werden nach dem Börsengang noch gut 60 Prozent der Anteile halten.

          GK Software bietet selbstentwickelte Software-Lösungen für den Einzelhandel an. In 20 Ländern und mehr als 12.000 Filialen kommen die Produkte an Kassen und Computern - beim Kassiervorgang bis hin zur Prüfung des Warenbestands - zum Einsatz. Zu den Kunden der GK gehören Kaufhof, Tchibo und Edeka. Im Mai kam mit der schweizerischen Handelskette COOP der erste ausländische Großkunde hinzu.

          Auf dem Weg ins Ausland

          „Wir stehen an der Schwelle zu internationalen Märkten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Rainer Gläß. Daher sei dies trotz des „schwierigen Marktumfeldes auf dem Parkett“ für die GK der richtige Zeitpunkt für den Börsengang. Die erhofften zusätzlichen Finanzmittel will das Software-Unternehmen vor allem in die internationale Expansion investieren. So will die GK kurzfristig in Europa und mittelfristig in den Vereinigten Staaten Landesniederlassungen aufbauen und gemeinsam mit Partnern an internationalen Ausschreibungen teilnehmen.

          Dabei sieht er die GK sowohl im Ausland als auch in Deutschland gegenüber der Konkurrenz im Vorteil: „Wir haben in unserem Spezialgebiet eine der größten und leistungsfähigsten Mannschaften weltweit. GK halte im deutschen Zielmarkt der großen Einzelhändler bereits einen Marktanteil von gut 20 Prozent, so Gläß.

          Die 1990 gegründete GK Software erzielte im Jahr 2007 einen Umsatz von 10,7 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von 2,3 Millionen Euro und damit um 52 bzw. 46 Prozent. Der Jahresüberschuss um 73 Prozent auf 1,56 Millionen Euro. Im ersten Quartal erreichte der Umsatz 3,66 Millionen Euro. Dabei erwirtschaftete man ein Betriebsergebnis von 989.000 und einen Periodengewinn von 673.000 Euro.

          KGV erscheint erreichbar

          „Der Börsengang verleiht uns einen erneuten Wachstumsschub“, sagt Gläß. Für diesen benötigt das Unternehmen ein solides Fundament. Mittlerweile hat sich die Eigenkapitalquote deutlich verbessert. Nachdem diese 2005 noch unter zehn Prozent lag, ist sie zum 31. März auf 23,3 Prozent geklettert. Zum weitaus größten Teil hat man sich in der Vergangenheit über Anzahlungen von Kunden finanziert, was man bei GK als Vertrauensbeweis wertet.

          Bei vollständiger Plazierung der Emission wird die Zahl der Aktien bis auf 1,735 Millionen Stück steigen. Daraus ergibt sich ein Ergebnis je Aktie für das vergangene Jahr von rund 90 Cent und auf diese Weise ein vergangenheitsbezogenes Kurs-Gewinn-Verhältnis für die Emission von 32 bis 39.

          Das erscheint relativ hoch, relativiert sich aber in Anbetracht des hohen Wachstumstempos und der immer noch recht üppigen Nettomarge von zuletzt über 18 Prozent. Rechnet man beispielsweise das im ersten Quartal erwirtschaftete Ergebnis je Aktie für das Gesamtjahr hoch, zeigt sich das Emissions-KGV mit 18,5 bis 22,5 bereits recht moderat, auch wenn deutsche Hersteller von Spezial-Software an der Börse fast durchweg preisgünstiger gehandelt werden.

          Ein Übernahmekandidat?

          Doch auch unter anderen Gesichtspunkten gilt die Emission als nicht uninteressant. Denn unverhohlen erklärten die ersten Beobachter das Unternehmen, noch bevor es an die Börse gekommen ist, zum Übernahmekandidaten. Eine wohl klingende Kundenliste, ein dynamisches Wachstum - das alles könnte GK für einen großen Konkurrenten interessant machen.

          Die GK Software AG konkurriert vor allem mit dem Automatenbauer Wincor Nixdorf, dem IT-Dienstleister Fujitsu Services und dem Software-Konzern Torex Retail um Kunden. Während erstere Milliardenumsätze machen, gehört Torex, die im ersten Geschäfts Halbjahresumsatz von rund 136 Millionen Euro machten dem Finanzinvestor Cerberus.

          Insofern sind hier kaufkräftige potentielle Interessenten vorhanden, für die eine Übernahme auf Basis der höchstmöglichen Bewertung von rund 62 Millionen Euro recht leicht zu schultern wäre.

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