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Börsenbetreiber In schwerem Fahrwasser

 ·  Der Gewinn der Deutschen Börse sinkt kräftig. Auch andere Börsenbetreiber leiden unter Margendruck, ihre Aktienkurse steigen unterdurchschnittlich. Analysten raten zu neuen Geschäftsbereichen.

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© dpa Vergrößern Handelssaal der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main

Der Gewinn der Deutschen Börse ist im ersten Quartal um 32 Prozent auf 146 Millionen Euro regelrecht eingebrochen. Zwar belasten Kosten für die gescheiterte Fusion mit der Nyse Euronext, ein Sparprogramm und die vollständige Übernahme der Terminbörse Eurex das Ergebnis, aber auch das operative Geschäft weist in den meisten Geschäftsfeldern ein kräftiges Minus auf. Der Handelsumsatz mit Dax-Aktien sank um 11 Prozent, mit anderen Titeln um 33 Prozent und mit Indexfonds um 21 Prozent. Derivate auf Indizes büßten 8 Prozent ein, auf Einzelaktien 19 Prozent und auf Zinspapiere 27 Prozent.

Die Deutsche Börse steht mit dieser Entwicklung nicht alleine da. „Das ist kein Problem der Deutschen Börse, sondern dem Branchenumfeld geschuldet, das unter erheblichem Margendruck leidet“, sagt Konrad Becker, Aktienanalyst der Privatbank Merck Finck. Erst vor wenigen Jahren gegründete Wettbewerber, deren prominentester Vertreter nach dem Desaster um den eigenen Börsengang die amerikanische Bats sein dürfte, machen den etablierten Börsen erheblich zu schaffen. Doch noch immer erwirtschaften Börsen sehr hohe Gewinnmargen. Trotz des gesunkenen Gewinns lag die operative Gewinnmarge der Deutschen Börse im ersten Quartal bei mehr als 50 Prozent. „Von diesen Margen können 99 Prozent der Unternehmen nur träumen“, sagt Becker.

Der neuen Konkurrenz fällt es daher leicht, den Börsen mit günstigeren Gebühren Marktanteile abzunehmen. Chi-X, eine 2007 von namhaften Investmentbanken gegründete Handelsplattform, verbuchte im vergangenen August erstmals den höchsten Handelsumsatz aller europäischen Aktienbörsen. Ausgerechnet als die Börsenturbulenzen rund um die europäische Schuldenkrise ihren Höhepunkt erreichten und die etablierten Börsen - zumindest nach ihrer eigenen Auffassung als regulierte, verlässliche Handelsplätze - besonders gesucht sein müssten, überholte Chi-X die London Stock Exchange erstmals. Die Euronext und die Deutsche Börse waren schon zuvor auf die Plätze verwiesen worden. Mehr als ein Fünftel des Handels in Dax-Aktien findet auf Chi-X statt.

Angesichts des fortdauernden Margendrucks galt es an den Märkten am Freitag schon als bemerkenswert, dass die Deutsche Börse ihre Jahresziele nicht einkassierte. Um wenigsten 4 Prozent soll der operative Gewinn 2012 steigen, um mindestens 5 Prozent der Umsatz. Nach einem anfänglichen Kursminus von 1,5 Prozent drehte der Aktienkurs der Deutschen Börse mit bis zu 5 Prozent ins Plus. Nach einer zwischenzeitlichen Erleichterungsrally im Februar nach der abgesagten Fusion mit der Nyse Euronext beträgt das Jahresplus der Aktie nunmehr 12 Prozent. Damit hinkt die Aktie der Deutschen Börse wie auch die der meisten anderen Börsen dem Gesamtmarkt hinterher - der Dax legte seit Jahresbeginn um 15 Prozent zu.

Mehr außerbörslicher Derivatehandel

Eine Ausnahme bildet die London Stock Exchange. 35 Prozent beträgt hier der Kursanstieg. Mit der Übernahme des Abwicklers von Wertpapiertransaktionen LCH Clearnet gelang der bislang auf das umkämpfte Aktienhandelsgeschäft fokussierten Börse der Sprung in einen neuen Geschäftsbereich. Hier sehen viele Analysten auch die größten Chancen für die Börsen. Es ist erklärte Wunsch der Regulatoren, mehr außerbörslichen Derivatehandel an Börsen zu holen oder zumindest über Börsen abwickeln zu lassen. Der Widerstand der Investmentbanken ist jedoch gewaltig, und ob es nach jahrelangen Diskussionen tatsächlich einmal zu Vorschriften zu mehr Börsenhandel kommt, gilt als ungewiss. „Die Deutsche Börse muss zu Beteiligungsmodellen bereit sein“, sagt Roland Pfänder, Aktienanalyst der Commerzbank. „Nur wenn die Deutsche Börse bereit ist, sich den Gewinn mit den Investmentbanken zu teilen, wird sie die Chance auf neue Geschäfte in diesem Bereich haben.“ Insgesamt hält es Pfänder für nicht ganz einfach, die Jahresziele der Börse zu erreichen: „Damit die Geschäfte der Börsen laufen, muss die Volatilität an den Märkten wieder deutlich zunehmen.“

Als Plus für einige Börsenaktien gilt die hohe Dividendenrendite - knapp 7 Prozent sind es derzeit bei der Deutschen Börse. Gleichwohl gibt es auch nachdenkliche Stimmen: „Es wäre gut, wenn die Börse den Aktionären auch noch mehr operative Perspektive bieten könnte“, sagt Analyst Becker. „So wirkt es ein bisschen wie das letzte Aufgebot, um die Aktionäre bei der Stange zu halten.“

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