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Börsenausblick „Der Dax ist extrem günstig bewertet“

 ·  Deutsche Standardaktien sind so billig wie selten. Vermögensverwalter Thomas Grüner belegt das durch einen Vergleich mit Anleihen. Dax-Werte versprechen eine Gewinnrendite von zehn Prozent, Anleihen bringen weniger als vier Prozent.

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Nervosität und Hektik an den Aktienmärkten sind hoch, die Kurse schwanken innerhalb eines Tages sehr stark. Und von ihren Tiefs haben sich die Indizes noch nicht wesentlich erholt. „Dieser Prozess ist typisch für eine Bodenbildung und sollte auch noch einige Zeit andauern“, glaubt der Vermögensverwalter Thomas Grüner aus Rodenbach.

Immer wieder lösten vereinzelte Nachrichten einen Schreck unter den Anlegern aus. Wichtig bleibe es in diesem Umfeld, die Fakten nüchtern zu analysieren. Aus seiner Sicht haben fast alle derzeit diskutierten Themen ihr Überraschungsmoment verloren und flackerten immer nur noch kurz wieder auf.

„Wir haben eine typische Korrektur in einem Bullenmarkt“

„Den Großteil der Abschreibungen im Bankensektor sollten wir gesehen haben. Weitere große Finanzlücken werden zwar erwartet, werden jedoch zusehends unwahrscheinlicher“, sagt Grüner. Parallel dazu steige die Angst unter den Investoren. Er begreift dies jedoch nach wie vor als „typische - wenn auch heftige - Korrektur im laufenden Bullenmarkt“.

Die Mauer der Angst sei sogar bereits wieder so hoch geworden, dass der Markt an ihr entlang in den kommenden Monaten heftig ansteigen sollte. Zinssenkungen und Konjunkturprogramme stießen hierbei auf eine in der Realwirtschaft üppige Liquiditätsausstattung. Auffallend sei: Alle redeten von einer großen Kreditkrise, dennoch sind die langfristigen Zinssätze seit Sommer 2007 deutlich gefallen.

„Das Bewertungsniveau ist extremst günstig“

„Unternehmen mit guter Bonität können sich heute wesentlich günstiger refinanzieren als noch vor wenigen Monaten. Dies wird derzeit schlicht übersehen“, meint Grüner. Sein alles schlagendes Argument für Aktien ist jedoch: „Das derzeitige Bewertungsniveau ist extremst günstig.“

Grüner hat ausgerechnet, dass die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) im Dax mittlerweile Werte von knapp unter 10 erreicht. Die „Gewinnrendite“ (oder auch das inverse KGV) betrage daher rund zehn Prozent. Verglichen mit zehnjährigen Bundesanleihen sei das sehr attraktiv. Denn diese werfen derzeit nur eine Rendite von knapp 4 Prozent ab. Der Renditeabstand, der auch Spread genannt wird, beträgt damit sechs Prozentpunkte. „Das ist mehr als zu jedem anderen Zeitraum im laufenden Bullenmarkt“, hebt Grüner hervor.

Aktien gegenüber Anleihen bevorzugen

Er empfiehlt Anlegern den Rückblick, aber nicht in Angst, sondern zur Bestätigung: „Achten Sie auf die Daten im Jahr 2000! Während zehnjährige Anleihen damals etwa 6,5 Prozent abwerfen, lag die Gewinnrendite im Dax unter 3 Prozent!“ Das entsprach damals einem Dax-KGV von rund 34 - gegenüber zehn derzeit. Das KGV am Rentenmarkt lag Anfang 2000 dagegen nur halb so hoch wie das KGV am Aktienmarkt - also bei 17. Derzeit liegt es bei 25.

Interessant ist daher diese Rechnung: Um ein ähnliches Verhältnis der Überbewertung von Aktien- gegen Rentenmarkt erneut herzustellen, müsste sich der Dax heute in etwa verfünffachen. Grüner sagt daher gut begründet: „Eine Überbewertung sieht sicher völlig anders aus.“

„Ein Bärenmarkt ist sehr unwahrscheinlich“

Dennoch geht die Angst vor einem neuen Bärenmarkt um, Anleihen werden sogar bevorzugt. „Wir halten das definitiv nicht für ratsam. Aktien sind global extrem günstig. In vielen großen Volkswirtschaften findet man diesen großen Spread zwischen Anleihen und Aktien. Aktien bleiben damit eindeutig die zu bevorzugende Anlageklasse.“

Dementsprechend zu handeln und Aktien zu kaufen, fällt in einer Korrektur wie der aktuellen allerdings schwer. Das weiß auch Grüner. Er bleibt dennoch dabei: „Die Bewertungen der globalen Aktienmärkte befinden sich teilweise auf historischen Extremniveaus. In diesem Umfeld ist ein Bärenmarkt sehr unwahrscheinlich.“

„Ein Vergleich mit dem Jahr 2000 ist schlicht Unfug“

Überdies hinke der Vergleich mit dem Jahr 2000 nicht nur gewaltig. „Wir halten diesen schlicht für Unfug. Wir gehen für den weiteren Jahresverlauf - und auch noch etwas darüber hinaus - eher vom Gegenteil aus. Auch wenn die kommenden Tage und Wochen noch hektisch und nervenaufreibend bleiben sollten, werden die kommenden Monate eher deutlich positiv überraschen.“

Noch jedoch haben dies die Börsen nicht realisiert - und die meisten anderen Strategen sind zudem wesentlich pessimistischer als Grüner. Es könnte also noch ein paar Monate dauern, bis sich die Unterbewertung von Aktien tatsächlich ein wenig auflöst. Manchmal dauert es sogar Jahre, wie die Rückschau seit 2003 belegt. Seither ist der Dax zwar stark gestiegen, doch er hat nur nachvollzogen, was die Unternehmen vorgemacht haben. Die Folge: Nach wie vor sind Aktien niedrig bewertet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @stt
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