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Börsen Wall Street soll übernommen werden

 ·  Die Konsolidierung der weltweiten Börsenplätze geht weiter. War die New Yorker Börse bis jetzt eher Jäger, soll sie nun selbst übernommen werden. Die Derivatebörse ICE bietet gut 8 Milliarden Dollar.

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Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Börse steht der New Yorker Börse Nyse Euronext nun offenbar die Übernahme durch die auf Derivatehandel spezialisierte Intercontinental Exchange (ICE) bevor. Die ICE legte am Donnerstag ein Gebot in Höhe von 8,2 Milliarden Dollar für die Nyse vor.

Mit der Übernahme entstehe ein neuer Weltmarktführer, teilte die ICE mit. Umgerechnet bietet das Unternehmen damit 33,12 Dollar je Nyse-Anteilsschein in Aktien und bar. Dem Vernehmen nach würde die ICE, die sich auf den Handel von Optionen und Futures spezialisiert hat, den Kauf zu einem Drittel aus Barmitteln und zu zwei Dritteln mit Aktien bezahlen. Derzeit notieren die Aktien der Nyse mit 24 Dollar. Deren Aktionäre würden, wenn die Übernahme klappt, an dem sollen an dem neuen Konzern etwa 36 Prozent halten.

Starker Kursanstieg schon zuvor

Im Mai vergangenen Jahres hatte ICE zusammen mit der Technologiebörse Nasdaq durch eine Gegenofferte für NYSE Euronext den Fusionsplänen der Deutschen Börse mit dem Konkurrenten angegriffen.

Bereits am Mittwochabend, also bevor die ICE nun die offizielle Mitteilung machte, legte der Aktienkurs der Nyse um rund 12 Prozent zu, ICE-Papiere gewannen 3 Prozent. Am Donnerstagmorgen stieg der Aktienkurs der Nyse Euronext vorbörslich um 24 Prozent. Ansonsten ist der Handel mit der Aktie am Donnerstag aber ausgesetzt.

Angriff auf Chicago

Für die im Jahr 2000 gegründete ICE wäre die Übernahme eine Möglichkeit, zu Chicagos Terminbörse CME aufzuschließen. Dabei würde die Londoner Nyse-Tochter und Terminbörse Liffe eine große Rolle spielen. Die Deutsche-Börse-Sparte Eurex und die Liffe kontrollieren rund 90 Prozent des Derivate-Geschäfts an europäischen Börsen.

Es wäre dies schon der zweite Versuch der ICE, die Nyse zu übernehmen. Vor fast zwei Jahren hatte die Börse zusammen mit der Nasdaq etwa elf Milliarden Dollar für die New Yorker geboten. Anfang des Jahres schlug die Fusion mit der Deutschen Börse fehl.

Börsenbetreiber kämpfen um ihre Positionen

Börsenbetreiber auf der ganzen Welt leiden unter erheblichem Margendruck. Die nicht-börslichen Handelsplattformen, die in den vergangene Jahren ins Leben gerufen wurden, machen den etablierten Börsen erheblich zu schaffen. Da die Börsen zuvor gleichsam Monopolmargen in ungewöhnlicher Höhe vereinnahmten, fällt es der neuen Konkurrenz leicht, den Börsen mit günstigeren Gebühren Marktanteile abzunehmen.

Vor diesem Hintergrund nimmt es auch nicht Wunder, wenn Spitzenmanager amerikanischer Börsenkonzerne bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats Finanzmarktereformen und vor allem eine Regulierung des außerbörslichen Handels in sogenannten „Darkpools“ fordern. In einem „Dark Pool“ ist der Preis für ein Wertpapier und die Identität von Käufern oder Verkäufern nicht öffentlich.

Die Vereinigung zertifizierter Finanzanalysten CFA veröffentlichte dazu vor kurzem eine kritische Studie. Die Analysten befürchten bei Überhandnehmen des Handels mit nicht-öffentlichen Kursen eine Ausweitung der Spannen zwischen Angebot und Nachfrage und eine Verschlechterung der Funktionsfähigkeit des Handels.

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