http://www.faz.net/-gv6-757ci
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.12.2012, 14:59 Uhr

Börsen Wall Street soll übernommen werden

Die Konsolidierung der weltweiten Börsenplätze geht weiter. War die New Yorker Börse bis jetzt eher Jäger, soll sie nun selbst übernommen werden. Die Derivatebörse ICE bietet gut 8 Milliarden Dollar.

von
© REUTERS An Wall Street könnte bald die ICE die Puppen tanzen lassen

Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Börse steht der New Yorker Börse Nyse Euronext nun offenbar die Übernahme durch die auf Derivatehandel spezialisierte Intercontinental Exchange (ICE) bevor. Die ICE legte am Donnerstag ein Gebot in Höhe von 8,2 Milliarden Dollar für die Nyse vor.

Martin Hock Folgen:

Mit der Übernahme entstehe ein neuer Weltmarktführer, teilte die ICE mit. Umgerechnet bietet das Unternehmen damit 33,12 Dollar je Nyse-Anteilsschein in Aktien und bar. Dem Vernehmen nach würde die ICE, die sich auf den Handel von Optionen und Futures spezialisiert hat, den Kauf zu einem Drittel aus Barmitteln und zu zwei Dritteln mit Aktien bezahlen. Derzeit notieren die Aktien der Nyse mit 24 Dollar. Deren Aktionäre würden, wenn die Übernahme klappt, an dem sollen an dem neuen Konzern etwa 36 Prozent halten.

Starker Kursanstieg schon zuvor

Im Mai vergangenen Jahres hatte ICE zusammen mit der Technologiebörse Nasdaq durch eine Gegenofferte für NYSE Euronext den Fusionsplänen der Deutschen Börse mit dem Konkurrenten angegriffen.

Mehr zum Thema

Bereits am Mittwochabend, also bevor die ICE nun die offizielle Mitteilung machte, legte der Aktienkurs der Nyse um rund 12 Prozent zu, ICE-Papiere gewannen 3 Prozent. Am Donnerstagmorgen stieg der Aktienkurs der Nyse Euronext vorbörslich um 24 Prozent. Ansonsten ist der Handel mit der Aktie am Donnerstag aber ausgesetzt.

Angriff auf Chicago

Für die im Jahr 2000 gegründete ICE wäre die Übernahme eine Möglichkeit, zu Chicagos Terminbörse CME aufzuschließen. Dabei würde die Londoner Nyse-Tochter und Terminbörse Liffe eine große Rolle spielen. Die Deutsche-Börse-Sparte Eurex und die Liffe kontrollieren rund 90 Prozent des Derivate-Geschäfts an europäischen Börsen.

Es wäre dies schon der zweite Versuch der ICE, die Nyse zu übernehmen. Vor fast zwei Jahren hatte die Börse zusammen mit der Nasdaq etwa elf Milliarden Dollar für die New Yorker geboten. Anfang des Jahres schlug die Fusion mit der Deutschen Börse fehl.

Börsenbetreiber kämpfen um ihre Positionen

Börsenbetreiber auf der ganzen Welt leiden unter erheblichem Margendruck. Die nicht-börslichen Handelsplattformen, die in den vergangene Jahren ins Leben gerufen wurden, machen den etablierten Börsen erheblich zu schaffen. Da die Börsen zuvor gleichsam Monopolmargen in ungewöhnlicher Höhe vereinnahmten, fällt es der neuen Konkurrenz leicht, den Börsen mit günstigeren Gebühren Marktanteile abzunehmen.

Vor diesem Hintergrund nimmt es auch nicht Wunder, wenn Spitzenmanager amerikanischer Börsenkonzerne bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats Finanzmarktereformen und vor allem eine Regulierung des außerbörslichen Handels in sogenannten „Darkpools“ fordern. In einem „Dark Pool“ ist der Preis für ein Wertpapier und die Identität von Käufern oder Verkäufern nicht öffentlich.

Die Vereinigung zertifizierter Finanzanalysten CFA veröffentlichte dazu vor kurzem eine kritische Studie. Die Analysten befürchten bei Überhandnehmen des Handels mit nicht-öffentlichen Kursen eine Ausweitung der Spannen zwischen Angebot und Nachfrage und eine Verschlechterung der Funktionsfähigkeit des Handels.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nymex in New York Ein weiterer Abschied vom Parketthandel

Die Zahl der Finanzplätze mit Parketthandel sinkt. In New York stellt die Warenterminbörse Nymex diese alte Börsentradition zum Jahresende sogar ganz ein. Die Frankfurter Börse will nicht darauf verzichten - und hat gute Gründe dafür. Mehr Von Christian Siedenbiedel

19.04.2016, 08:34 Uhr | Finanzen
Video Trübe Aussichten für die Commerzbank

Für das laufende Jahr hat die Commerzbank ein großes Fragezeichen hinter den erhofften Milliardengewinn gesetzt. Auf seiner letzten Hauptversammlung übte der scheidende Vorstand Martin Blessing abermals Kritik an der Geldpolitik der EZB. Mehr

21.04.2016, 09:04 Uhr | Finanzen
Marktbericht Börsen auf Tauchstation

Der steigende Euro hat die Aktienbörsen am Freitag belastet. Der Dollar-Index fiel auf ein Acht-Monats-Tief. Zu den größten Verlierern im Dax zählte die Deutsche Bank. Mehr

29.04.2016, 17:39 Uhr | Finanzen
Aktienrückkäufe Die letzte Hoffnung der Wall Street

Amerikanische Unternehmen wie Apple kaufen massiv eigene Aktien zurück. Die Praxis wird jetzt von prominenten Anlegern in Frage gestellt. Mehr Von Norbert Kuls, New York

28.04.2016, 07:35 Uhr | Finanzen
Plötzlich Hausse Finanzaufsicht prüft Kursanstieg der Volkswagen-Aktie

Der Aktienkurs von Volkswagen haussiert seit Mittwoch. Das hat jetzt die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen. Mehr

21.04.2016, 10:41 Uhr | Finanzen

Aktienmärkte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei --  --
  Hang Seng --  --
  F.A.Z.-Euro-Index --  --
  EuroStoxx 50 --  --
  S&P 500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  S-Dax --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche