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„Börsen-Pfarrer“ Uwe Lang : „20 Prozent sind noch drin“

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„Börsenpfarrer” Uwe Lang Bild: Privat

„Crash-Propheten“ streiten sich dagegen darüber, wie die Welt untergehen werde: In einem deflationären Strudel oder einem inflationären Boom. Uwe Lang nimmt beides nicht ernst. Der studierte Theologe und Autor setzt weiterhin auf Aktien.

          Die internationalen Börsen boomen. Der Optimismus ist ausgeprägt. Manche gehen sogar davon aus, die Kursgewinne der vergangenen Monate seien lediglich die erste Stufe einer länger dauernden Börsenhausse. Andere finden Gegenargumente. „Crash-Propheten“ streiten sich lediglich darüber, wie die Welt untergehen wird: In einem deflationären Strudel oder einem inflationären Boom.

          Uwe Lang nimmt keines der beiden Szenarien ernst. Der studierte Theologe und Autor mehrerer Finanzbücher sowie eines Anlegerbriefs ist ein begeisterter Börsianer und glaubt weiterhin fest an einen Mittelweg.

          „20 Prozent sind noch drin“

          Schon im vergangenen Jahr riet er Anlegern zum selektiven Kauf von Aktien und lag damit richtig. Auch heute noch seien sie für jeden interessant, der auf der Suche nach solider Rendite sei. „20 Prozent sind noch drin,“ sagte Lang im Gespräch mit dieser Zeitung. Dagegen seien die Renditen von Anleihen zu tief und wenig attraktiv.

          Der ehemalige Pfarrer hält nichts von Weltuntergangsszenarien. Weder von einer Kettenreaktion von Bank-, Unternehmens oder Staats-Pleiten, ins Bodenlose fallenden Preisen und erlahmendem Wirtschaftsgeschehen. Noch von der These, es werde rücksichtslos Geld gedruckt, um klamme Länder und ihre maroden Finanzunternehmen zu retten und um die Wirtschaft anzukurbeln. In diesem Rahmen werde irgendwann der Zeitpunkt kommen, ab dem niemand mehr Papiergeld haben wolle, während Zinsen, Waren-, Rohstoff- und Aktienpreise ins Unermessliche stiegen. Schließlich werde eine Währungsreform unvermeidbar und Staatsanleihen, Sparbücher oder Festgelder wertlos machen.

          „Regierungen und Zentralbanken werden beides nicht zulassen,“ erklärt Lang. Da Geld durch Konkurse vernichtet werde, wie in der Finanzkrise, müssten zwar die Geldmengen erhöht und Geld „gedruckt“ werden. Zu einer inflationären Entwicklung werde das allerdings nur dann führen, wenn Schulden schneller wüchsen als die Vermögen, die ihnen gegenüber stünden. Der Blick auf die Realität jedoch könne beruhigen. „In Deutschland sind die privaten Vermögen im zweiten Quartal sehr viel schneller gestiegen als die privaten Schulden,“ so Lang. Auch deutlich zunehmende Staatsschulden müssten gemeinsam mit dem privaten Nettogeldvermögen gesehen werden. Zu diesen müssten sogar noch Immobilien und Firmenanteile hinzuaddiert werden.

          Die Märkte glauben nicht an die Inflation

          Wenn Inflation für die Märkte ein Thema wäre, dann müssten weltweit Immobilien- und Rohstoffpreise stärker steigen. Vergleiche man die Kursdynamik der Papiere von Rohstoff- und Immobilienunternehmen jedoch mit denen der konjunkturabhängigen Branchen, so seien dort zuletzt schnelle Kursgewinne zu erzielen gewesen. Das zeige, dass sich der Markt keine Sorge über die Inflation mache. Auch von den Untergangsszenarien zur europäischen Währung solle man sich nicht verschrecken lassen. Im schlimmsten Fall werde jedes Land seine eigene Währung wieder einführen, und die Euro-Guthaben würden entsprechend umgetauscht. Verluste hätte jemand, der in Euro angelegt hat, dann zunächst nicht. Grundsätzlich hätten jedoch alle ein hinreichend großes Interesse an dem gemeinsamen problemlosen großen Wirtschaftsraum in einer Währung.

          Uwe Lang sieht nicht nur die fundamentale Lage vergleichsweise gelassen und optimistisch, sondern er leitet seinen Kursoptimismus auch aus technischen Indikatoren ab. Gemessen am wenig beeinflussbaren Kursumsatz-Verhältnis seien Aktien im Durchschnitt noch nicht zu teuer. Das spreche ebenso für weitere Kursgewinne und ein Vollengagement in Aktien, wie die etablierten Trends, das Momentum, die Form der Zinsstrukturkurve und die niedrigen Zinsen, erklärt Lang. Er rechnet erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres mit einer zyklischen Änderung der Rahmenbedingungen.

          Allerdings gesteht er ein, nach der jüngsten Baisse von seinen Indikatoren erst vergleichsweise spät wieder in den Markt gezogen worden zu sein. Das habe Perfomance gekostet und ihn dazu gebracht, künftig Indikatoren stärker zu beachten, die früher auf zyklische Effekte reagierten. Lang hält zudem wenig von Fonds und Zertifikaten. Sie seien wenig attraktiv, da sie in der Regel zu teuer und zu intransparent seien. An solchen Produkten verdienten in erster Linie die Anbieter und weniger die Anleger selbst (siehe auch: „Kaufe nur, was Du verstehst“).

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