Der Deutschland-Ableger der amerikanischen Technologie-Börse Nasdaq steht nur vier Monate nach dem Start wieder vor dem Aus. Die Nasdaq Deutschland solle mangels Zukunftsperspektive noch in diesem Jahr geschlossen werden, hieß es am Dienstag im Kreis der Aktionäre. Die endgültige Entscheidung soll auf einer Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag in Berlin fallen.
Hintergrund sind die bislang wenig erfolgreichen Auslands-Aktivitäten der amerikanischen Börse.
Erwartet wird, daß sie sich im Zuge der Konzentration auf den Heimatmarkt nun auch aus Deutschland zurückziehen wird. Aus Brüssel und Tokio hat sich die Nasdaq bereits verabschiedet. Offiziell wollten die beteiligten Börsen und Banken am Dienstag keinen Kommentar abgeben.
Ende März an den Start gegangen
Die Nasdaq Deutschland war erst Ende März gestartet. Die Hälfte der Anteile hält die amerikanische Börse. Auf die Börse Berlin-Bremen sowie die Dresdner Bank entfallen je 15 Prozent, die Commerzbank und deren Online-Tochter comdirect je zehn Prozent. Finanziell wäre die Schließung für alle Beteiligten keine Katastrophe. Das Eigenkapital beläuft sich nur auf zwölf Millionen Euro. Allerdings wäre damit ein erheblicher Imageschaden verbunden, vor allem für die kürzlich miteinander verschmolzene Börse Berlin-Bremen, unter deren Dach der Handel stattfindet.
Ziel der fünf Partner war eigentlich, bis 2006 auf einen Marktanteil von 15 Prozent zu kommen und hinter der übermächtigen Deutschen Börse in Frankfurt die Nummer zwei zu werden. Gewinne sollten „bei günstiger Marktentwicklung“ schon 2004 geschrieben werden. Davon ist längst keine Rede mehr. Das liegt zum einen an den geringen Umsätzen, die trotz eines leichten Aufschwungs an den Aktienmärkten längst noch nicht das Niveau des Vorjahres erreicht haben. Im Juni waren es bei der Nasdaq Deutschland gerade mal 147 Millionen Euro.
Die Ernüchterung kam, als der neue Nasdaq-Chef Robert Greifeld fast gleichzeitig die Schließung der europäischen Handelsplattform Nasdaq Europe verkündete. Damit war auch das Deutschland-Projekt angezählt. Inzwischen gilt der Ausstieg der Amerikaner als beschlossene Sache. Trotzdem verkündete Nasdaq-Deutschland-Vorstand Jörg Walter vor einer Weile noch: „Die Entscheidung hat keinen Einfluß auf unsere Gesellschaft.“
Gespräche mit Euronext ohne Erfolg
Heute sieht das anders aus. Die Gespräche mit der internationalen Börse Euronext, die als potentieller Ersatz für die Amerikaner galt, brachten bislang keinen Erfolg. Die übrigen Aktionäre scheuen sich davor, stärker einzusteigen. Die „Financial Times Deutschland“ zitierte einen von ihnen mit den Worten: „Nach jetzigem Stand werden wir schlechtem Geld kein gutes hinterher schmeißen.“ In Finanzkreisen hieß es am Dienstag, es sei eher unwahrscheinlich, daß ein Investor den Mehrheitsanteil der amerikanischen Technologiebörse an Nasdaq Deutschland übernehmen werde.
Die Entscheidung wird nun am Montag fallen, wenn der Aufsichtsrat unter seinem neuen Vorsitzenden, Nasdaq-Finanzvorstand David Warren, zusammenkommt. Vorgänger John Hilley hatte sich wegen der gescheiterten Auslandsausflüge Mitte Juli verabschieden müssen. Beschlossen sei noch nichts, so die offizielle Sprachregelung. Aber am Dienstag hieß es bei einem der Miteigentümer: „Das Aus ist praktisch schon besiegelt.“