Die Aktienmärkte Italiens und Spaniens befinden sich unweit mehrjähriger Tiefststände. Zwar haben beide Märkte Anfang Juni ihren rapiden Kursverfall beendet und weisen leichte Erholungstendenzen auf, gleichwohl gehören sie in diesem Jahr zu den schwächsten Aktienmärkten der Welt. Der 40 Werte umfassende italienische Leitindex Mib liegt seit Jahresanfang 9 Prozent im Minus, der aus 35 Aktientiteln bestehende spanische Ibex hat 23 Prozent eingebüßt. Dies vergleicht sich mit einem Dax-Anstieg um 11 Prozent und einem Plus von 8 Prozent im S&P 500.
Es mehren sich daher die Stimmen unter den Börsianern, die mit einer stärkeren Gegenbewegung der beiden großen südeuropäischen Aktienmärkte rechnen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind durch den Kursverfall niedrig, die durchschnittliche Dividendenrendite mit gut 4 Prozent in Italien und 6 Prozent in Spanien hoch.
Indexfonds- und zertifikate
Privatanleger können die Indexentwicklung mit Zertifikaten nachbilden. Die Deutsche Bank bietet ein klassisches Indexzertifikat auf den italienischen Mib unter der Isin DE000DB0GSY2. Es kostet aktuell 13,81 Euro und damit fast genau ein Tausendstel des aktuellen Indexstandes. Managementgebühren fallen keine an, und der Abstand zwischen An- und Verkaufspreis (Spread) betrug 1 Cent, allerdings entgehen dem Anleger die Dividenden.
Der Indexfonds der Deutschen Bank auf den Mib mit der Isin LU0274212538 schüttet dagegen die Dividenden an die Anleger aus. Hier fällt zwar eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,3 Prozent an, zudem war der Spread am Montag mit 3 Cent etwas größer. Beides ist jedoch angesichts einer Dividendenrendite von gut 4 Prozent zu vernachlässigen.
Beim spanischen Ibex müssen sich die Anleger dagegen mit Zertifikaten begnügen. Auf Xetra ist bislang nur ein Indexfonds auf den MSCI Spain unter der Isin FR0010655746 zu finden. Wer den Ibex nachvollziehen möchte, findet zum Beispiel unter der Isin DE0007036824 ein Indexzertifikat der Commerzbank ohne Spread und Verwaltungsgebühr, aber auch hier entgehen dem Anleger die hohen Dividenden, die bislang in Spanien gezahlt wurden.
Korb aus spanischen und italienischen Aktien
Die Royal Bank of Scotland legte in der vergangenen Woche unter der Isin DE000AA5BF28 ein Zertifikat auf den „Euro-Peripherie Value Select Total Return Basket“ auf. Bei der Zusammenstellung des Aktienkorbes ließ sich die Bank von dem Gedanken leiten, dass es in den Euro-Krisenstaaten durchaus gut geführte, international konkurrenzfähige Unternehmen gebe, deren Aktien aber mit dem Stigma, aus einem Euro-Krisenland zu kommen, erheblich an Wert verloren hätten und derzeit günstig seien.
Herausgekommen ist ein Aktienkorb aus sieben spanischen Titeln und sieben italienischen sowie einem portugiesischen Wert. Irische oder griechische Aktien erfüllten die Bedingungen nicht: mindestens 500 Millionen Dollar Börsenwert und hohe Mittelzuflüsse aus dem laufenden Geschäft sowie eine günstige Aktienbewertung.
Die Dividendenrendite dieses gleichgewichteten Aktienkorbes beträgt derzeit 8 Prozent und kommt dem Anleger zugute. Einzelne Titel wie der Hochtief-Großaktionär ACS, Telefonica (Movistar, O2) oder der italienische Stromversorger Enel weisen sogar Werte von mehr als 10 Prozent auf. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der meisten Unternehmen im Aktienkorb liegt zudem unter 8, bei Fiat und Telecom Italia sogar nur bei rund 5. Anleger zahlen eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1 Prozent. Der Spread betrug am Montag an der Frankfurter Zertifikate-Börse Scoach bei einem Kaufkurs von 99 Euro 1 Euro.