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Börsen in Angst Aktienkurse stürzen weiter ab

13.11.2008 ·  Die Aktienkurse in Asien sind am Morgen deutlich abgestürzt. Sie folgten damit den heftigen Verlusten in Amerika, die durch den Kurswechsel der Regierung bei der Bankenrettung ausgelöst wurden. Pessimistische Unternehmensprognosen vertiefen die Sorgen. Nur die starken Vortagesverluste verhindern ein Abrutschen des Dax.

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Hatten die Börsen die Woche noch in der Hoffnung auf die positiven Wirkungen eines Konjunkturprogramms der chinesischen Regierung mit hohen Kursaufschlägen begonnen, so sind diese Hoffnungen am Mittwoch abermals zerstoben.

Die geplante Neuausrichtung des amerikanischen Rettungspakets für die Finanzmärkte und schlechte Wirtschafts- und Unternehmensnachrichten drücken den Dax am Donnerstagmorgen weitere 0,35 Prozent ins Minus auf 4.605 Punkte, nachdem der Index bereits am Vortag 3 Prozent abgegeben hatte.

Vortagesverluste lassen Dax-Minus niedriger ausfallen

Hinzu kommen am Morgen ernüchternde Nachrichten von Seiten der Konjunktur: Der Abschwung der deutschen Wirtschaft beschleunigte sich als Folge der Finanzmarktkrise und der weltweiten Konjunkturflaute im Sommer, so dass die deutsche Wirtschaft sich nunmehr offiziell in der Rezession befindet.

Nur den starken Verlusten des Vortages ist zu verdanken, dass sich das Minus am Donnerstag moderat gestaltet. An Amerikas Wall Street waren die Aktienkurse am Mittwochabend abermals tief ins Minus gerutscht. Die asiatischen Märkte vollzogen diese Abwärtsbewegung am Morgen nach.

Probleme auch bei Verbraucherkrediten

Der bekannteste amerikanische Börsenindex Dow Jones Industrials Average war um 411,30 Punkte oder 4,73 Prozent auf 8.282,66 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit dem Fünf-Jahres-Tief vom 27. Oktober gefallen. Am Morgen brach der japanische Nikkei-Index um 480 Punkte oder 5,25 Prozent auf 8.239 Zähler ein. In Hongkong stürzte der Hang-Seng-Index bis zur Mittagspause sogar um 6,6 Prozent auf 13.015 Punkte ab.

Die Ankündigung von Finanzminister Henry Paulson, das Rettungspaket für die Bankenbranche auf andere Finanzinstitutionen auszuweiten, führte am Markt zu Befürchtungen, dass weit mehr Unternehmen in Schwierigkeiten stecken könnten, als bislang vermutet (siehe auch: Finanzkrise: Amerika wechselt Kurs im Rettungsprogramm) und verstärkte die Furcht vor einer kräftigen Konjunkturabkühlung.

„Die bisherigen Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems greifen offenbar nicht richtig. Die Nervosität ist hoch“, sagt Marktanalyst Heino Ruland von Frankfurt-Finanz. Das Geld soll nun auch nicht mehr vorrangig für den Aufkauf von Ramsch-Hypotheken, sondern für direkte Finanzspritzen für angeschlagene Banken eingesetzt werden.

Obendrein sprach sich Paulson dafür aus, auch den Verbraucherkreditmarkt zu stützen.Er nannte den Kreditkartenmarkt sowie den Bereich der Auto-Kredite. „Dieser Markt ist derzeit in Not, die Kosten für Finanzierungen sind nach oben geschossen“, sagte Paulson. Deshalb würden kaum noch neue Kredite abgeschlossen. Das Finanzministerium prüft nun wie die Liquidität wieder erhöht werden kann. Eine Unterstützung der kriselnden amerikanischen Autobranche mit dem Geld des Hilfspakets schloss Paulson dagegen aus.

Düstere Prognosen für den Konsum

Diese Bestandsaufnahme des Ministers nährte die Konjunktursorgen weiter, die neue düstere Prognosen aus dem Einzelhandel ausgelöst hatten. Gefürchtet wird, dass mit dem Konsum die wichtigste Stütze der amerikanischen Wirtschaft wegbricht. Nachdem der Elektronikeinzelhändler Circuit City Anfang der Woche Konkurs anmeldete, senkte nun der Wettbewerber Best Buy die Prognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch. In 42 Jahren habe man nie so schlechte Zeiten für Verbraucher gesehen, so der In 42 Jahren habe man nie so schlechte Zeiten für Verbraucher gesehen“, so der Verwaltungsratspräsident Brian Dunn.

Die asiatischen Börsen wurden zusätzlich durch schlechte Nachrichten aus der Technologiebranche unter Druck gesetzt, die nach Börsenschluss veröffentlicht wurden. Der amerikanische Chipgigant Intel senkte aufgrund der weltweit flauen Nachfrage seine Umsatzprognose für das vierte Quartal um 14 Prozent. Intel erklärte, die Nachfrage bleibe in allen Regionen und Marktsegmenten deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auch die Prognose für die Gewinnspanne nahm der Konzern herunter.

Intel lässt Technologiebrache erzittern

Da Intel als Stimmungsbarometer für die Technologiebranche gilt, lässt dies die gesamte Technologiebranche erzittern. Obendrein kündigten die Chip-Hersteller National Semiconductor und Applied Materials wegen schwacher Geschäfte Stellenstreichungen an.

Analysten hatten zwar mit einer Reduzierung der Intel-Prognose gerechnet, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Nun müsse man sich im Technologiesektor auf neue Realitäten einstellen, sagte Analystin Taunya Sell von Wells Fargo. „Natürlich wird das auch
Auswirkungen auf Microsoft im PC-Markt haben.“ Für ihren Kollegen John Dryden deutet die neue Intel-Vorhersage auf ein extrem schwaches Weihnachtsgeschäft hin. „Wenn der Umsatz so tief fällt, heißt das, die Menschen haben ihren Urlaubs-Konsum im
Wesentlichen eingestellt.“

Chip-Hersteller bauen Arbeitsplätze ab

Applied Materials verdiente im vergangenen Quartal nur noch gut halb so viel wie vor einem Jahr. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar. „Die Tumulte an den Finanzmärkten in den letzten sechs Wochen sind beispiellos. Die Abschwächung der Weltwirtschaft wird alle Geschäftsbereiche von Applied erheblich belasten“, sagte Firmenchef Mike Splinter.

Konkurrent National Semiconductor schraubte seine Umsatzprognose für das laufende Quartal herunter und kündigte den Abbau von 330 Stellen an. Das Marktumfeld und die Auftragseingänge hätten sich in den letzten Monaten signifikant verschlechtert, teilte der Konzern mit.

Intel-Aktien fielen nachbörslich um gut sieben Prozent und zogen die amerikanischen Aktienfutures mit in den Keller. Dies dürfte zusätzlich dazu beitragen, dass auch die europäischen Aktienmärkte schwach eröffnen. Auch die Tatsache, dass sich die deutsche Wirtschaft nun mehr auch amtlich in einer Rezession befindet und mehrheitlich schlechte Geschäftsergebnisse sorgen dafür, dass der Deutsche Aktienindex Dax vor Handelseröffnung 1,5 Prozent tiefer auf 4.552 Punkten taxiert wird

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

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Quelle: FAZ.NET
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