07.05.2010 · Angesichts der scharfen Kursverluste stellen sich Kursoptimisten die Frage, ob der Bullenmarkt schon wieder zu Ende ist. Mut macht ihnen aber der ISM-Index. Denn in dem Stadium, in dem sich dieser befindet, steigen die Kurse historisch gesehen oft.
Vor zwei Wochen hatten wir an dieser Stelle auf Korrekturgefahren an den Weltaktienmärkten hingewiesen. In der Zwischenzeit wurde diese Erwartungshaltung sogar mehr als übererfüllt. So verbuchte der Dow Jones Industrial Average bekanntlich am Donnerstag phasenweise den höchsten Punktverlust aller Zeiten. Und der Dax hat sich soeben mit einem herben Wochenminus von 6,9 Prozent ins Wochenende verabschiedet.
Bei einem Schlussstand von 5.715 Punkten hat sich das Chartbild für den deutschen Leitindex deutlich eingetrübt. Verschlechtert hat sich die charttechnische Ausgangslage aber auch an fast allen anderen Weltbörsen. So ist der europäische Blue-Chip-Index von Stoxx nun in einen Abwärtstrend eingemündet. Auch deshalb ist die Möglichkeit weiterer Kursverluste nicht ausgeschlossen.
Angst vor einer weltweiten Schuldenspirale
Zumal das jüngste Kursverhalten nicht gerade dazu angetan ist, das Vertrauen der Anleger zu stärken. Denn wenn der altehrwürdige Dow einfach so aus dem Stand heraus um bis zu 998,5 Punkte oder 9,2 Prozent einbricht und dies teilweise auch mit technischen und menschlichen Fehlern begründet wird, dann klingt das eher nach Kasino als nach seriöser Geldanlage.
Außerdem drückt nach wie vor auch die schlechte Nachrichtenlage rund um das angeschlagene Griechenland auf die Stimmung der Investoren. Zar hat die EU und der IWF nach langen Verhandlungen inzwischen ein Hilfspaket geschnürt. Aber mittlerweile treibt die Anleger die Sorge vor einer globalen Ausbreitung der europäischen Schuldenkrise um. Nachdem sich die Krise bereits regional ausgebreitet hat, werden nun globale Ausläufer befürchtet. Derzeit konzentrieren sich die Märkte zwar vornehmlich um die Schuldenberge in Europa. Es darf aber nicht vergessen werden, dass Japan noch viel schlechter dasteht und das Haushaltsdefizit in Amerika in diesem Jahr 1,6 Billionen Dollar erreichen wird. Das entspricht 10,6 Prozent der Volkswirtschaft und ist das größte Defizit seit dem 2. Weltkrieg.
Wie nervös die Anleger deshalb sind, lässt sich auch an den Volatilitätsindizes ablesen. So lag der Chicago Board Options Exchange Volatility Index, kurz VIX genannt, zum Börsenschluss am Donnerstag 32 Prozent höher bei 32,80 Punkten. Zwischenzeitlich war er um 63 Prozent auf 40,71 Punkte gestiegen. Einen so starken Inner-Tages-Anstieg gab es bei dem Volatilitätsindex seit Februar 2007 nicht mehr. Der VIX bemisst sich aus den Kosten einer Absicherung von Verlusten im Standard & Poor's 500 Index über die Terminmärkte.
ISM-Index spricht historisch gesehen für steigende Kurse
Bei all der aktuell vorherrschenden Tageshektik ging zuletzt etwas unter, dass es durchaus auch positive Entwicklungen gibt. Erfreuliche Gegengewichte zu den genannten Hiobsbotschaften bilden den Analysten der österreichischen Raiffeisenbank zufolge unter anderem die bisher robusten Wirtschaftsdaten, ein günstiges Zins- und Liquiditätsumfeld sowie eine weitere überraschend starke Unternehmensberichtssaison. So ist gemäß den Analysten von UBS die Erstquartalssaison in Europa bislang so gut verlaufen wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Mut macht den Bullen unter den Börsianern auch der ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe in Amerika. Dieser viel beachtete Konjunkturindex der amerikanischen Einkaufsmanager kletterte im April zum neunten Mal in Folge von 59,6 auf 60,4 und signalisiert damit eine sich dynamisch erholende Wirtschaft in Amerika.
Das ist auch deshalb ein positives Zeichen, weil amerikanische Aktien seit 1970 nicht nur in den zwölf Monaten bevor der ISM-Index seinen Höhepunkt erreicht hat im Schnitt um 13 Prozent gestiegen sind, sondern auch im Jahr nach dem Erreichen des Peak um durchschnittlich 8 Prozent zulegen konnten. Und bei den europäischen Aktien ist es mit Kurszuwächsen von 16 und 12 Prozent sogar noch besser gelaufen.
Nach der Korrektur sollten sich die Kurse auch wieder beruhigen
Da sich der ISM-Index auch aktuell auf Erholungskurs befindet, schöpfen die Bullen unter den Börsianern daraus die Hoffnung, dass es sich bei den jüngsten Verlusten nur um eine Korrektur und noch nicht um das endgültige Ende des Bullenmarktes handelt. Dafür sprechen auch die bei etlichen Aktien wieder günstigen Bewertungen. Diese sollten nach dem Auslaufen der aktuell laufenden Konsolidierung wieder vermehrt Käufer anlocken. Zumal es angesichts der in Amerika, Europa und Japan noch immer rekordtiefen Leitzinsen auch kaum lukrative Anlagealternativen gibt.
Weil uns aber leider auch die Schuldenproblematik erhalten bleiben wird, muss man sich als Anleger auf immer wieder auftretende Störfeuer einstellen. So einfach wie das Geld verdienen in den vergangenen zwölf Monaten vor dem Auftreten der jüngsten Korrekturbewegung war, dürfte es bis auf Weiteres nicht mehr werden. Doch das wäre auch vermessen. Schließlich habe viele Indizes wie etwa der S&P 500 Index, der ohne größere Korrektur seit März 2009 fast wie an der Schnur gezogen um mehr als 80 Prozent zugelegt hat, auch eine der dynamischsten Aufwärtsbewegungen kürzlich erst hinter sich gebracht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |