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Börsen-Bonmot : Die Mai-Regel rät zum Verkauf von Aktien

„Sell in May and go away“: Zumindest laut einer Börsenregel sollten Anleger ihre Aktien nun besser loswerden. Bild: Wahl, Lucas

Die alte Börsenweisheit hat früher oft gestimmt. Aber im vergangenen Jahr war gerade der Mai ein besonders guter Börsenmonat. Und jetzt?

          Der Mai steht vor der Tür. Für viele Aktionäre ist dies die schönste Zeit des Jahres, denn sie erwartet ein wahrer Dividendenregen. Fast 60 Prozent aller Ausschüttungen im Dax erfolgen in diesem Jahr im Mai. Doch der Monat ist auch Teil der wohl bekanntesten Börsenweisheit: „Sell in May and go away.“ Dieses warnende Bonmot besagt, dass Anleger ihre Aktien nun besser verkaufen sollten, um der Gefahr von Kursverlusten im Sommer aus dem Weg zu gehen. Auch für die Rückkehr an die Börse gibt es natürlich solche Börsenregeln. Teils gilt der September als idealer Einstiegsmonat, teils der November.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Es ist wie so oft mit solchen Weisheiten: Auch wenn sie nicht immer zutreffen, ganz falsch sind sie nicht. Empirisch spricht zumindest einiges für die Mai-Regel, wenngleich hier eigentlich weniger der Monat selbst gemeint ist als vielmehr der Auftakt zu einer insgesamt oft schwächeren Phase im Sommer. Rechnet man wie die Helaba den Dax aber bis zum Jahr 1965 zurück, dann hat der Index seither im Mai in der Tat im Durchschnitt 0,3 Prozent an Wert verloren. Noch schlechter waren nur die Monate August und September. Hier betrug der durchschnittliche Verlust 0,4 Prozent und 1,7 Prozent.

          Das vergangene Jahr war eher eine Ausnahme

          „Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass eine Sommerflaute nur dann wahrscheinlich ist, wenn der Dax zuvor deutlich zugelegt hat“, sagt Uwe Streich, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg. Dies habe der Index in aller Regel dann getan, wenn er gleich von Beginn des Jahres an positiv gestartet sei. In Jahren mit einem schwachen Auftakt sei die flaue Phase im Sommer dagegen häufig ausgeblieben. Dann hätten die Anleger vor der Urlaubssaison auch weniger Grund, Kursgewinne zu realisieren und das Aktienexposure zu reduzieren.

          Bild: F.A.Z.

          Ein solche Ausnahme von der Regel war wohl das vergangene Jahr. Damals wie heute ist der Start in das Börsenjahr nicht besonders gelungen, auch wenn im zurückliegenden Jahr unter dem Strich zuletzt ein Dax-Gewinn von rund 25 Prozent übrig blieb. Bis Ende April 2013 hatte der Index nur rund 3 Prozent zulegt, in diesem Jahr liegt er leicht im Plus. Anschließend stiegen allerdings im Mai 2013 die Kurse der deutschen Standardtitel um 5,5 Prozent. Letztlich wurde er damit der zweitbeste Dax-Monat des Jahres. Nur der September war mit einem Indexgewinn von rund 6 Prozent noch besser. Auch das eine Ausnahme - zumindest im historischen Durchschnitt.

          Nach Ansicht von Markus Reinwand, Aktienexperte der Helaba, ist der Abgabedruck durch aktuelle Kursgewinne zwar nicht da. Doch er warnt vor einem zu starken Blick durch die „saisonale“ Brille. Die Kurse seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: „Nun gibt es für die Bewertungen keine Luft mehr nach oben. Sie werden bislang nicht durch eine entsprechende Gewinndynamik der Unternehmen untermauert.“ Reinwand erwartet eine längere Durststrecke für Aktien, die in diesem Jahr mit saisonalen Effekten zusammenfallen könne. Der Dax dürfte zum Jahresende bei 8900 Punkten liegen (aktuell: rund 9600 Punkte).

          Außer Acht lassen sollte man Saisonstrategien nicht

          Natürlich sagt eine Monatsbilanz nichts über den Erfolg saisonaler Anlagestrategien. Dazu könnte man das Kaufen und Liegenlassen von Dax-Aktien („Buy and Hold“) mit einer Strategie vergleichen, bei der diese Jahr für Jahr im Mai verkauft werden und der Erlös bis Ende Oktober am Geldmarkt angelegt wird. Die Helaba hat dies seit 1990 getan und festgestellt, dass sich die Wechselstrategie gelohnt habe. Dies liege vor allem an der Begrenzung von Verlusten in schwachen Jahren. Reinwand hält Saisonstrategien alleine für ein zu schwaches Argument, um Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Völlig außer Acht lassen sollte man sie aber nicht, auch wenn fundamentale Faktoren wichtiger seien. Jahreszeitliche Muster haben also ihren Reiz, doch sie können sich verändern. Bei rational handelnden Akteuren führt das Erkennen von Mustern zu angepasstem Verhalten.

          Quelle: F.A.Z.

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