Home
http://www.faz.net/-gv7-6k0ba
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Börsen Bilanzsaison stützt Kurse an der Wall Street

28.07.2010 ·  Anleger honorieren überraschend gute Gewinne der Unternehmen. Die Sorge über eine schwächere Konjunktur dämpft allerdings. Darüber hinaus werden allzu optimistische Unternehmen abgestraft.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Bilanzsaison für das zweite Quartal sorgt mit überraschend guten Ergebnissen vieler Unternehmen für positive Impulse an der Wall Street. Bisher haben 78 Prozent der im amerikanischen Aktienindex S&P 500 abgebildeten Unternehmen die Gewinnprognosen der Analysten übertroffen. Das ist deutlich mehr als in einem typischen Quartal, in dem immerhin 62 Prozent der Konzerne besser abschneiden als erwartet.

Die Gewinnschätzungen der Analysten für die Unternehmen des S&P 500 sind entsprechend gestiegen. Derzeit rechnen die Auguren nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters für das zweite Quartal mit durchschnittlich 34,2 Prozent höheren Gewinnen gegenüber dem Vorjahr. Noch Anfang Juli, nach dem Ende des zweiten Quartals, hatten Analysten nur mit einem Wachstum von 27,4 Prozent kalkuliert. Der S&P 500 ist im gleichen Zeitraum um 8 Prozent geklettert.

Investoren sind sich richtig unsicher

Nach Kursverlusten im Mai und im Juni ist das Marktbarometer damit auf das Niveau vom Jahresanfang zurückgekehrt. Dennoch sind Börsianer wegen einer Reihe schwacher Konjunkturdaten besorgt. "Investoren sind sich richtig unsicher, ob sie sich auf die Konjunktur oder die Unternehmensgewinne konzentrieren sollen", sagt Tyler Vernon, Fondsmanager des Vermögensverwalters Biltmore Capital Advisors. Erst am Dienstag dämpften Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen, das im Juli gefallen war, die Stimmung an der Börse. Der Grund: Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft hängt stark vom privaten Konsum ab. Verbraucher werden nach Einschätzung von Börsianern aber nicht optimistischer werden, bevor die Arbeitslosenquote nicht deutlich zurückgeht. "Ich weiß nicht, was außer Beschäftigungswachstum das Vertrauen stärken soll", sagte John Brady, Manager des Wertpapierhauses MF Global. Am Freitag werden die Daten zum Wirtschaftswachstum des zweiten Quartals veröffentlicht. Die Ökonomen der Bank Goldman Sachs hatten ihre Prognose für das aufs Jahr hochgerechnete Wachstum des Bruttoinlandsprodukts jüngst auf 2 Prozent zurückgenommen. Im ersten Quartal war die amerikanische Wirtschaft noch mit 2,7 Prozent gewachsen. Für das zweite Halbjahr erwarten die Goldman-Ökonomen eine weitere Abschwächung.

Viele Unternehmen profitieren vor diesem Hintergrund weiter von gesunkenen Kosten und höherer Effizienz der betrieblichen Abläufe und nicht so sehr von steigenden Umsätzen. Die Umsätze der großen amerikanischen Unternehmen werden nach Einschätzung der Analysten im zweiten Quartal nur um durchschnittlich 10 Prozent wachsen. "So lange wir nicht wieder in eine Rezession zurückfallen, ist es eine gute Zeit, Geld zu verdienen", meint allerdings Larry Hatheway, ein Ökonom der Schweizer Bank UBS. "Es gelingt uns, mehr Gewinne aus den Umsätzen herauszupressen als vor zwanzig oder dreißig Jahren." Hatheway glaubt, dass die hohe Arbeitslosigkeit länger anhalten wird als während eines typischen Wirtschaftsaufschwungs. Das sei allerdings gut für die Gewinnmargen der Unternehmen. "Die Firmen können gute Mitarbeiter auswählen und die Vergütung bestimmen", sagte er der Nachrichtenagentur AP.

Negative Kursreaktionen auf Expansionspläne

Einige Unternehmen, deren Vorstandschefs optimistische Kommentare machten und auf Expansion setzen, sind abgestraft worden - auch das ist ein Zeichen der anhaltenden Unsicherheit aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung. "Es gibt eine Menge Investoren, die davon überzeugt sind, dass die Wirtschaft ein zweites Mal in eine Rezession gleitet", konstatiert David Bianco, der für die Bank of America die Anlagestrategie für den amerikanischen Aktienmarkt verantwortet. Eine negative Kursreaktion auf Expansionspläne verwundere daher nicht. Anleger fürchteten, dass sich Unternehmen auf eine Welle von Kunden vorbereiteten, die dann nie komme.

Die Aktien der Fluggesellschaft Delta gaben entgegen dem Branchentrend nach, nachdem deren Manager in einer Telefonkonferenz ihre Pläne für eine Kapazitätserweiterung um 1 Prozent bis 3 Prozent im kommenden Jahr angekündigt hatten. Die Aktie des Chipherstellers Texas Instruments geriet kurzzeitig stark unter Druck, nachdem Vorstandschef Rich Templeton die "beständigen Investitionen in die Produktionskapazität" betont hatte. Umgekehrt honorierten Anleger, dass der Autohersteller Ford die Produktionskapazität unter Kontrolle hält, um die traditionellen Rabattschlachten der Branche zu vermeiden. Wenn größere Kapazitäten indes mit mehr Nachfrage aus aufstrebenden Märkten wie China oder Indien begründet wird, jubeln die Börsianer. Der Aktienkurs des großen Maschinenbauers Caterpillar stieg nach einer entsprechenden Ankündigung um fast 2 Prozent.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
29.05.2012 09:58 Uhr
  Vortag
Dax 6.399,25 +1,20%
 OK
29.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.401,26 +1,23%
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
TecDAX 762,54 +0,87%
MDAX 10.396,50 +1,31%
SDAX 4.852,38 +0,76%
REX 435,43 +0,17%
Eurostoxx 50 2.168,47 +0,96%
F.A.Z. EURO 70,12 +1,02%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.657,08 +0,89%
EUR/USD 1,2558 +0,14%
Rohöl Brent Crude 107,61 $ +0,33%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Bund Future 144,12 € −0,13%