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Börse Vietnam Neues Anlageprodukt macht das Investieren in Vietnam leichter

29.06.2006 ·  Bisher ist es für deutsche Anleger nicht einfach, am boomenden vietnamesischen Aktienmarkt mitzumischen. Jetzt hilft eine neue Beteiligungsgesellschaft dabei, die höchsten Anlagehürden zu überspringen.

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FAZ.NET hat schon frühzeitig auf die Chancen hingewiesen, die der Aktienmarkt in Vietnam zu bieten hat, im Dezember 2005 zum Beispiel mit einer Artikelserie über die dortige Börse (FAZ.NET-Spezial: Börse Vietnam - ein verheißungsvoller Markt). Tatsächlich können sich die Anlagepioniere die Hände reiben, hat der VN-Index in diesem Jahr in der Spitze doch schon mehr als 100 Prozent zugelegt. Und trotz inzwischen unübersehbarer Korrekturtendenzen liegt die vietnamesische Börse im Performance-Wettstreit der weltweiten Aktienmärkte ganz vorne.

Bisher sind allerdings wohl erst wenige deutsche Anleger eingestiegen. Für diese Annahme spricht die Tatsache, daß hierzulande bisher keine vietnamesischen Aktien gehandelt werden. Wer mitmischen wollte, mußte entweder ein Depot vor Ort eröffnen, was aufwendig ist, oder aber auf einen Vietnam-Fonds zurückgreifen. Doch auch die sind nicht unproblematisch, fehlt ihnen bisher doch die Vertriebszulassung für Deutschland, was steuerliche Nachteile mit sich bringt.

Steuerliche Nachteile eines nicht zugelassenen Fonds werden vermieden

Seit kurzem gibt es immerhin ein Produkt, daß so konzipiert ist, die skizzierten Probleme zu umgehen: die sogenannte Vietnam Holdings (Isin KYG9361X1043), eine Beteiligungsgesellschaft, hinter der die Vietnam Holding Asset Management Company steht.

Aus Anlegersicht hat dieses Konstrukt vor allem zwei entscheidende Vorteile. Zum einen handelt es sich explizit nicht um einen Fonds, sondern um eine Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Cayman. Das bewirkt zum einen, daß institutionelle Anleger, die in der Regel keine Offshore-Fonds kaufen können, mitmischen können. Zum anderen können auch deutsche Privatanleger investieren, die sonst bei nicht transparenten und nicht in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds steuerliche Nachteile hinnehmen müssen. Denn den Angaben der Initiatoren zufolge wird das Produkt nach den steuerlichen Regeln wie bei einem Aktienkauf besteuert werden.

Vehikel zum Mitmischen bei den anstehenden Privatisierungen

Ein weiterer wichtiger Pluspunkt des neuen Konstruktes ist die Vorgabe, das Kapital vor allem in den zur Privatisierung vorgesehenen Unternehmen zu investieren. Das ist nicht nur deshalb interessant, weil der Aktienmarkt selbst nach der jüngsten Korrektur kurzfristig noch immer etwas überhitzt erscheint. Noch wichtiger ist vielmehr, daß die Privatisierungen in Vietnam vermutlich jetzt bald so richtig anzulaufen beginnen. Für ein höheres Tempo spricht hier insbesondere auch der geplante Beitritt zur Welthandelsorganisation. Denn um hier bei den Aufnahmeverhandlungen endlich einen Durchbruch zu erzielen, wird Vietnam zusagen müssen, wichtige Schlüsselsektoren zu reformieren und zu öffnen.

Bewegung dürfte unter dieser Prämisse vor allem in die Branchen Banken, Versicherungen, Elektrizität, Telekom, Nahrungs- und Genußmittel sowie Rohstoffe (Kohle und insbesondere Erdöl) kommen. Dem Management der Vietnam Holding könnte es gelingen, hierbei an vorderster Front mitzumischen. Die Managementverantwortlichen Rolf Dubs, Jessica Graf und Jürg Vontobel verfügen aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit für das vietnamesische Staatssekretariat für Wirtschaft über ein gut ausgebautes Kontaktnetzwerk. Dieses sollte ihnen dabei helfen, wie geplant bei den interessantesten Gesellschaften auch schon in der Pre-IPO-Phase zum Zuge zu kommen.

Zumal im Beirat und im Aufsichtsrat auch hochkarätige Leute wie der letzte Zentralbankgouverneur sowie ehemalige Regierungsvertreter und -berater sitzen. Dem Vernehmen nach ist man intern jedenfalls zuversichtlich, insbesondere bei der Privatisierung der Banken als „strategischer (Co-)Investor“ mitwirken zu können. Das ist auch deshalb interessant, weil der Bankensektor als eines der langfristigen aussichtsreichsten Tummelfelder überhaupt gilt.

Risiken nicht vergessen

Trotz des während der Zeichnungsfrist schwierigen Marktumfelds stellten Investoren insgesamt 112,5 Millionen Dollar zur Verfügung. Das ursprüngliche vorgegebene Ziel, rund 100 Millionen Dollar aufnehmen zu wollen, wurde somit leicht übertroffen. Inzwischen werden die Anteilsscheine der auf Privatisierungen ausgerichteten Vietnam Holding auch in London an der AIM kotiert. Mit einer aktuellen Notiz von 2,02 Dollar notiert das Konstrukt knapp über dem Ausgabepreis von 2,00 Dollar. Das Papier ist auch an der Börse Berlin-Bremen handelbar.

Ihr Tun lassen sich die Verantwortlichen durchaus stattlich entlohnen. So beträgt die Managementgebühr zwei Prozent jährlich und die Incentive Fee beläuft sich auf 20 Prozent p.a., wobei eine jährliche Hurdle Rate von fünf Prozent eingebaut ist (ein Drittel dieser Incentive Fee soll übrigens karitativen Einrichtungen in Vietnam gespendet werden). Außerdem werden einige andere Kosten, wie etwa die Gründungskosten, zusätzlich in Rechnung gestellt. Wissen sollte man zudem, daß sich der Sitz auf den Cayman Islands befindet, was bei Rechtsstreitigkeiten von Bedeutung sein könnte.

Davon abgesehen sollten potentielle Interessenten neben den skizzierten Chancen natürlich auch die Risiken eines Investments in Vietnam nicht vernachlässigen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang unter anderem die noch immer niedrige Liquidität, eine vergleichsweise geringe Transparenz und ganz allgemein der Umstand, daß es sich um eine Schwellenlandbörse handelt, was neben hohen Chancen automatisch auch hohe Risiken bedeutet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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