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Börse Vietnam Argumente für und gegen vietnamesische Aktien

04.08.2005 ·  Die Börse in Vietnam gewinnt immer mehr Fürsprecher. Aber es gibt auch noch immer viele Skeptiker, denen die Risiken zu hoch sind. Eine Übersicht über das Pro und Contra der Bullen und Bären.

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Wie fast immer bei Anlageentscheidungen an der Börse finden sich auch im Falle von Vietnam Gründe, die für, und Gründe, die gegen ein Investment sprechen. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Argumente der Optimisten und der Pessimisten.

Die Skeptiker begründen ihre Haltung zunächst einmal vor allem mit den allgemeinen Gefahren und Problemen, die sich ein Markt ausgesetzt sieht, dessen Volkswirtschaft den Übergang von einem Schwellen- zu einem Industrieland versucht. Beim Versuch, diesen Prozeß voranzutreiben, werden häufig viele Fehler gemacht. Typischerweise gelingt der Aufbau nicht ohne Rückschläge und der Wirtschaftszyklus ist von volatilen Schwankungen geprägt.

Beim Blick auf die volkswirtschaftlichen Rahmendaten in Vietnam gestaltet sich das Bild momentan zwar sehr vorteilhaft. Aber das Pendel kann auch jederzeit schnell in die andere Richtung ausschlagen. Wie abrupt sich die Lage ändern kann, hat Vietnam schon einmal am eigenen Leibe erfahren. Denn Anfang/Mitte der 90er Jahre sah ebenfalls alles nach einem lang anhaltenden Aufschwung aus. Doch wie sich letztlich herausstellte, war das Land damals noch nicht reif genug, allen Anforderungen gerecht zu werden. Neben hausgemachten Problemen, die unter anderem in zu ehrgeizigen Projekten bestanden, sorgte auch die Asienkrise dafür, daß der Aufschwung wieder versandete.

Aktienindex notiert nur auf dem Niveau wie vor fünf Jahren

Auch die bisherige Entwicklung der Börsenkurse gibt den Pessimisten durchaus Recht mit ihren Bedenken. Notiert der für den Markt richtungsweisende VN-Index aktuell doch letztlich nur auf einem Kursniveau wie schon Anfang 2001. Nach einem zwischenzeitlich explosionsartigen Anstieg vor vier Jahren brachen die Notierungen anschließend nämlich schnell wieder in sich zusammen, und an diesem Boom-and-Bust-Zyklus hat der Markt noch heute zu knabbern. Im Jahr 2004 reichte es zwar zu einem Kursanstieg von 44 Prozent, aber in diesem Jahr ist die Euphorie bei einem bisherigen Jahresplus von gut sechs Prozent schon wieder etwas verflogen.

Die Bären unter den Marktteilnehmern befürchten, daß sich an der jüngsten Lethargie auch so schnell nichts ändern wird. Sie begründen diese These mit der Annahme, daß der Markt genug damit zu tun haben wird, die geplanten Börsengänge zu absorbieren. Außerdem wittern sie die Gefahr der Fehlallokation von Kapital. Das hat letztlich mit der Erkenntnis zu tun, daß der Staat noch immer die treibende Kraft bei den Investitionen ist. Und beim Versuch, das Tempo des Wirtschaftswachstums hoch zu halten, ist auch in anderen Ländern schon viel Geld in unsinnigen Prestigeobjekten verschleudert worden.

Wie groß die Versuchung in dieser Hinsicht ist, zeigt sich am Bankensystem. Dieser noch immer von den staatlichen Institutionen geprägte Sektor präsentiert sich mit viel Ineffizienz und einer stattlichen Anzahl an notleidenden Krediten. Dieser negative Umstand hat letztlich damit zu tun, daß die Staatsbanken nicht selten zu großzügig Kredite an andere Staatsfirmen vergeben haben.

Auch das Einparteiensystem stimmt die Bären skeptisch

Aber selbst wenn für alle genannten volkswirtschaftlichen Probleme Lösungen gefunden werden sollten, dürften die hartnäckigsten Skeptiker zunächst noch genügend andere Argumente gegen ein Investment finden. Unter anderem wird oft eingewandt, der Nachrichtenfluß über die Entwicklungen vor Ort sei hierzulande ganz einfach zu dürftig. Und in der Tat ist es schon etwas aufwendiger, sich über die Geschehnisse in Vietnam auf dem Laufenden zu halten.

Hinzu kommen die zahlreichen Hürden, die Ausländer vor dem Kauf der ersten vietnamesischen Wertpapiere überwinden müssen. Dafür sind eine Konteneröffnung und Registrierung in Vietnam erforderlich, da vietnamesische Aktien an hiesigen Börsen noch nicht gehandelt werden. Selbst Fonds sind nur bedingt ein Ausweg, weil die wenigen Vietnam-Fonds, die es gibt, in Deutschland keine Vertriebszulassung haben. Und vom Auslandsinvestmentgesetz wird das bekanntlich mit steuerlichen Nachteilen bestraft.

Wer sich von allen diesen Einwänden noch immer nicht von der Idee eines Investments hat abschrecken lassen, bei dem ziehen die Bären dann noch die politische Karte. Der Kritikpunkt in diesem Zusammenhang lautet, mit seinem Einparteiensystem sei Vietnam noch meilenweit entfernt von einer Demokratie. Nicht einmal die Eigentumsrechte seien unter einem derartigen System eindeutig gesichert.

Börse glänzt mit günstigen Bewertungskennziffern

Echte Vietnam-Anhänger lassen sich davon in ihrem Glauben an einer guten Zukunft für das Land aber nicht beirren. Auf den Verweis mit dem Einparteiensystem kontern sie, daß viele der eingeleiteten Maßnahmen kapitalistischer als im Westen seien, da die Regierung einen sehr pragmatischen Wirtschaftskurs eingeschlagen habe. Außerdem säßen im Parlament längst viele von der Kommunistischen Partei unabhängige Kandidaten. Insgesamt betrachtet handele es sich bei Vietnam sogar um eines der stabilsten politischen Systeme weltweit und auch in punkto Terror gilt das Land als eines der sichersten überhaupt.

Was die dürftigen Informationsmöglichkeiten und den schwierigen Zugang zur Börse angeht, entgegnen die Bullen, für echte Anlagepioniere sei dieser Umstand sogar ein Vorteil. Denn diese Schwierigkeiten seien mit die wichtigste Erklärung dafür, warum der vietnamesische Aktienmarkt noch nicht überlaufen, sondern noch immer eine Art Geheimtip sei. Wer die Nachteile in Kauf nehme, werde mit einer niedrigen Bewertung und einer hohen Dividendenrendite entschädigt.

Von einer Dienstmädchen-Börse sei Vietnam meilenweit entfernt und selbst die meisten großen international agierenden institutionellen Anleger seien hier noch nicht aktiv. Sobald die sich engagieren, was spätestens mit der mittelfristig anstehenden Aufnahme Vietnams in die MSCI-Indizes der Fall sein dürfte, dürften die Kurse einen gehörigen Schub nach oben machen. Da sei es doch sehr vorteilhaft, bereits zuvor als Rosinenpicker tätig zu sein und für den Pioniergeist mit einer Überrendite belohnt zu werden.

WHO- und MSCI-Aufnahme könnten für frischen Rückenwind sorgen

Völlig anders als von den Bären wird von den Bullen auch die volkswirtschaftliche Ausgangslage gewertet. Sie konzentrieren sich bei ihrer Urteilsfindung vor allem auf das vermutlich auch künftig hohe Wirtschaftswachstum, die gemessen am Bruttoinlandsprodukt ebenfalls sehr hohen ausländischen Direktinvestitionen und den boomenden Exportsektor.

Alle diese Erfolge seien außerdem wohlgemerkt ohne eine Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation erreicht worden. Wenn wie geplant noch in diesem oder spätestens im nächsten Jahr auch noch die Aufnahme in diesen Zirkel gelingt, dann sollte es dem Land erst Recht gelingen, wirtschaftlich auf dem aufsteigenden Ast zu bleiben. Zumal auch die Regierung nicht die Hände in den Schoß legt, sondern mit tiefgreifenden Reformen versucht, für günstige Rahmendaten zu sorgen. Angetrieben würde die politischen Verantwortlichen dabei in ihren Anstrengungen von einer im Schnitt nur rund 25 Jahre jungen Bevölkerung, die sich mit viel Arbeitseifer möglichst schnell ein Stück vom Wohlstandskuchen sichern wolle. Was eine Aufnahme in die Welthandelsorganisation für ein Land wie Vietnam bedeuten kann, läßt sich an der Entwicklung der Geschäfte mit Amerika andeutungsweise ablesen. Seitdem im Jahr 2001 zwischen diesen Ländern ein bilaterales Handelsabkommen geschlossen wurde, erhöhte sich der Wert der gehandelten Waren bis Ende 2004 von 1,5 Milliarde auf sieben Milliarden Dollar.

Vergleich mit China wird als unzulässig abqualifiziert

Den von manchen Pessimisten angestellten Vergleich mit China, wo der Aktienmarkt trotz strammer Wachstumsdaten seit Jahren nicht auf die Beine kommt, lassen die Optimisten ebenfalls nicht gelten. Wie unzulässig dieser Vergleich sei, zeige sich daran, daß die vietnamesische Regierung anders als ihr Pendant in China bei Privatisierungen grundsätzlich 70 Prozent der Aktien verkaufe. Ein gravierender Unterschied zwischen den beiden Ländern sei außerdem das Fehlen von Machtblöcken und Familien-Dynastien, die ganze Wirtschaftszweige kontrollieren.

Und was zu guter Letzt noch die Tatsache angeht, daß der VN-Index aktuell lediglich auf dem Niveau wie vor vier Jahren notiert, halten sie entgegen, daß er sich gemessen am Tief bereits wieder um fast 90 Prozent verbessert hat. Dabei sei ein Aufwärtstrend entstanden, der gerade dabei sei, seinen Steigungswinkel zu erhöhen. Denn sobald die Anleger erst einmal erkennen würden, daß sich Vietnam in einem langanhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung befinde, werde es zu einer grundsätzlich Neubewertung des Marktes kommen. Verbessert würden die Chancen zudem noch durch die jetzt anstehende Schlußphase der Privatisierung, bei der die Filetstücke aus den Bereichen Bank, Versicherung, Nahrungs- und Genußmittel, Telecom sowie Ölindustrie zum Verkauf stünden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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