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Börse Jakarta Anleger bewerten Indonesien vorsichtiger

Indonesien hat sich mit seinem starken Binnenkonsum als Rückzugort für Geldanleger bewährt. Doch die Börse in Jakarta steht vor schwierigen Zeiten – Investoren schauen sich nach Alternativen um.

© dpa Vergrößern Nach oben: Viele indonesische Aktienwerte kannten zuletzt nur eine Richtung

Auf dem Papier stimmen die Aussichten für Indonesien. Der Index der Börse Jakarta erreichte zum Jahreswechsel einen Rekordstand. Die Wirtschaftsleistung des größten Landes in Südostasien dürfte auch 2013 um gut 6 Prozent zulegen, und die kaufkräftige Mittelschicht im größten muslimischen Land der Erde wächst alle fünf Jahre um rund 30 Millionen Menschen.

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Während der Turbulenzen der Finanzmärkte in den Industrieländern hat sich Indonesien mit seinem starken Binnenkonsum als Rückzugsort für Geldanleger bewährt. Dennoch werden Finanzinvestoren jetzt vorsichtiger.

Die Kurse der Aktien indonesischer Unternehmen kreisen um Rekordhöhen. Der Index in Jakarta hatte 2009 um 87 Prozent zugelegt, 2010 um weitere 46 Prozent und im vergangenen Jahr noch einmal 13 Prozent gutgemacht. Zeit für manche Anleger, zum Jahreswechsel Kasse zu machen. Denn die Zeiten für den Inselstaat könnten härter werden. So spürt das Rohstoffland die gesunkenen Preise für seine wichtigsten Exportgüter auf dem Weltmarkt.

Inflationsrate droht zu steigen

Rechnet man auf der anderen Seite die starke heimische Nachfrage hinzu, dürfte Indonesien auf längere Zeit ein Handelsdefizit ausweisen. Jahrelang war dies unbekannt im gemessen an seiner Bevölkerung viertgrößten Land der Erde, im Oktober aber erreichte es den Rekordstand von 1,54 Milliarden Dollar. Die Inflationsrate droht zu steigen.

Im Dezember notierte sie bei 4,1 Prozent. In diesem Jahr könnte sie auf 5,5 Prozent anziehen, was dann die Zentralbank zu einer Anhebung des Leitzinses um 50 Basispunkte führen würde, schätzen die Banken. Auch damit würde Geld aus dem Markt genommen und der Index belastet werden.

Nun beginnt der Vorwahlkampf um die Besetzung des Amtes des Präsidenten 2014, der zu einer Lähmung der Politik führen dürfte. „Wir erwarten, dass sich das politische Umfeld vor den Wahlen aufheizt, und wir sehen das Risiko eines politischen Stillstandes oder, schlimmer noch, populistischer oder nationalistischer Regeln, die das Investitionsklima belasten könnten“, warnt Wilianto Ie von der Bank Nomura.

Reformen lassen auf sich warten

Zugleich warnt die Bank davor, dass die Margen in vielen Branchen ihren Höhepunkt erreicht hätten. Denn die Kosten steigen, wie etwa durch das neue Mindestlohngesetz für den Großraum Jakarta. Es sieht einen Sprung um 44 Prozent auf umgerechnet 2,2 Millionen Rupien (176 Euro) pro Monat vor. Auch die Konkurrenz wächst.

Die seit vielen Jahren versprochenen Reformen aber lassen weiter auf sich warten. So klagen auch die Chefs der großen deutschen Unternehmen vor Ort über die unverändert schwierigen Bedingungen, wollen sich aber damit aus Sorge vor den Folgen nicht zitieren lassen. Die Justiz sei nur formal unabhängig, man lebe schließlich in einem Beziehungsstaat - wo Beziehungen oft wichtiger sind als das geschriebene Recht.

Die Korruption wuchere weiter, ebenso die Bürokratie. Oft würden Beamte die Gesetze der eigenen Ministerien nicht kennen, und eine Abschätzung von Gesetzesfolgen gäbe es sowieso nicht. Zwar bliebe eine ganze Reihe deutscher Unternehmen an einem Markteintritt interessiert. Doch sie warteten schon seit mehr als einem Jahr auf die notwendigen Genehmigungen.

Undurchdringlicher Lizenzen-Dschungel

Der Dschungel der Lizenzen sei fast undurchdringlich. Die Projektinvestitionen der Deutschen im wichtigsten Land Südostasiens hätten deshalb im vergangenen Jahr mit 158 Millionen Euro nur auf demselben Stand wie die Mittel der Entwicklungshilfe gelegen.

Andere sind da entschlossener und wissen besser mit den Hürden Indonesiens umzugehen: So rechnet die Regierung in diesem Jahr mit Auslandsinvestitionen in Höhe von 40 Milliarden Dollar, vor allem dank großer Minen- und Infrastrukturprojekte. Sie werden getrieben von Chinesen, Japanern und Koreanern und sind von deren Staatsbanken abgesichert.

Unter solchen Arbeitsbedingungen kann man zwar gutes Geld verdienen, wenn man lange vor Ort ist, wie etwa die Unternehmen Siemens oder Bayer. Das Land aber könnte mit seinem Wachstum an Grenzen stoßen. Analysten erwarten einen Fall der Kohlepreise um 8 Prozent in diesem Jahr, die Preise für Palmöl könnten um 13 Prozent nachgeben - damit wären die beiden großen Exportgüter Indonesiens betroffen.

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Der Geldhandel nimmt diese Ahnungen vorweg: Am Montag verlor die indonesische Rupiah mit 1,4 Prozent gegenüber dem Dollar so stark wie an keinem Tag der vergangenen sieben Monate. „Sie bleibt im Abwärtstrend. Die Zuflüsse werden sich verlangsamen, und die Ausfuhr wird sinken, solange die globale Wirtschaft schwächelt“, orakelt Raditya Ariwibowo, Analystin der Bank Negara Indonesia.

Mit rund 9.800 Rupiah für den Dollar notiert die indonesische Währung zurzeit auf dem Stand vom Frühherbst 2009. Analysten rechnen mit einem weiteren Wertverlust von etwa 3 Prozent in diesem Jahr - damit gehörten auch Währungsgewinne für ausländische Börsianer in Jakarta zur Vergangenheit.

Besonders fällt ins Auge, dass andere asiatische Währungen unterdessen zulegen. Mit einem Minus von 6 Prozent gegenüber dem Dollar ist die Rupiah im vergangenen Jahr zur schwächsten asiatischen Währung geworden. Zum Vergleich: Die indische Rupie könnte in diesem Jahr gut 10 Prozent an Wert gewinnen, sagte die Commerzbank am Dienstag voraus.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 09.01.2013, 06:02 Uhr

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Von Kerstin Papon

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