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Börse in Frankfurt Chinesische Börsengänge enttäuschen auf ganzer Linie

 ·  Regelmäßig zieht es chinesische Unternehmen auf das Frankfurter Parkett, doch ebenso regelmäßig enttäuschen sie die Erwartungen. Bislang erlitten die Anleger immer Verluste.

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In einem seit Jahren daniederliegenden Markt für Börsengänge in Frankfurt ist auf zweierlei Verlass: Unabhängig des Marktumfeldes streben regelmäßig chinesische Unternehmen auf das Frankfurter Parkett, die jedoch ebenso regelmäßig die Erwartungen enttäuschen. Am Dienstag stand nun der zehnte Börsengang eines chinesischen Unternehmens im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse in Frankfurt an - zugleich der erste Börsengang des Jahres 2012 -, und die Vorzeichen deuten wieder auf eine Enttäuschung hin.

Haikui Seafood befasst sich in China mit der Fischverarbeitung. Der Marktanteil ist gering, auch wenn sich das Unternehmen in dem zersplitterten chinesischen Markt in einer Führungsrolle sieht. Das Werben bei den Investoren in Deutschland und Europa übernimmt der Vorstand und Großaktionär Chen Zhenkui. Wie schon bei den vorherigen Börsengängen aus China kann jedoch auch er weder Englisch noch Deutsch. Da kaum ein deutscher oder europäischer Investor sich für ein solch kleines Unternehmen eigens die Mühe machen wird, die Gegebenheiten vor Ort in China zu prüfen und eine Marktexpertise im Bereich der chinesischen Fischverarbeitung aufzubauen, kommt die Anlage wieder einmal einer Investition in eine Blackbox gleich. Neutrale Analysten bewerten die Aktie nicht. Nur einige Börsenbriefe und Magazine trauen sich regelmäßig Urteile zu den chinesischen Aktien zu und sehen die Papiere meist am „Anfang einer Neubewertung“ oder am „Ende einer Talfahrt“.

Unternehmen aus der dritten oder vierten Reihe

Die meisten Anleger halten sich bei den chinesischen Neulingen mittlerweile jedoch zurück. Haikui Seafood plante die Ausgabe von 1,725 Millionen Aktien. Verkauft wurden letztlich nur 317 400 Papiere am unteren Ende der von 10 bis 13 Euro reichenden Zeichnungsspanne. Die den Börsengang begleitende Bank M hatte den fairen Wert auf mehr als 31 Euro taxiert. Das Vertrauen in die chinesischen Zahlenwerke, auf denen die optisch günstigen Bewertungen basieren, ist jedoch spätestens seit dem Skandal um den chinesischen Holzverarbeiter Sino Forest zerrüttet. Bei der in Kanada gehandelten Aktie steht der Vorwurf im Raum, die Waldanbauflächen in China in der Bilanz viel zu hoch ausgewiesen zu haben. Der Aktienkurs ist seither um mehr als 90 Prozent gefallen. Prominentester Verlierer war der Hedgefonds-Manager John Paulson, der als Großaktionär mit seinem Engagement in Sino Forest rund 500 Millionen Dollar verlor.

Unter den chinesischen Börsengängen in Deutschland bestätigt Zhongde Waste Technology die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Chinesen und bleibt derzeit seine Bilanz schuldig. Statt wie von der Deutschen Börse verlangt bis Ende April, werde das Zahlenwerk über die Geschäftstätigkeit im Jahr 2011 wohl erst im Juni fertig, teilte das Unternehmen mit. Zhongde war im Juli 2007 der erste Börsengang eines chinesischen Unternehmens in Frankfurt und zugleich mit einem Emissionsvolumen von mehr als 108 Millionen Euro bislang auch der größte. Viel Freude hat die Aktie den Anlegern jedoch nicht gemacht. Unter dem Strich steht ein Wertverlust von mehr als 90 Prozent. China Specialty Glass, ein Hersteller von Sicherheitsglas und United Power, im Geschäft mit tragbaren Generatoren tätig, sind jeweils noch nicht ein Jahr in Frankfurt notiert und weisen schon Kursverluste von mehr als 60 Prozent auf. Die jüngsten drei Börsengänge - jeweils begleitet von der Bank M/BIW Bank - erlösten zusammen nur zehn Millionen Euro und blieben weit unter den angestrebten Emissionserlösen.

Bei den ersten Börsengängen der chinesischen Unternehmen in Deutschland - jeweils federführend begleitet vom Bankhaus Sal. Oppenheim - schluckten die Investoren noch die mangelnden Sprachkenntnisse und den fehlenden Bezug zu Deutschland und Europa und ließen sich von dem Stichwort „Wachstumsmarkt China“ beeindrucken. Mittlerweile ist den meisten Anlegern jedoch klargeworden, dass zwar eine Volkswirtschaft stark wachsen kann, deshalb aber nicht die Umsätze und Gewinne aller Unternehmen auch steigen müssen. Überdies wird das Frankfurter Parkett nur von Unternehmen aus der dritten oder vierten Reihe aufgesucht. Die einigermaßen bedeutsamen chinesischen Unternehmen fanden bislang noch nie den Weg an die Deutsche Börse.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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