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Börse erklärt : Was ist Hochfrequenzhandel?

Flash-Crash: Am 6. Mai 2010 sank der Dow Jones kurzzeitig um 9 Prozent Bild: REUTERS

Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Regulierung des Hochfrequenzhandels. Bundesbank und Börse begrüßen dies. FAZ.NET benatwortet die wichtigsten Fragen zum Hochfrequenzhandel.

          Was ist Hochfrequenzhandel?

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine allgemeingültige Definition gibt es nicht. Börsenhandel ist häufig schnell, ab wann er aber hochfrequent ist, ist nicht definiert. Hochfrequenzhändler werden daher an typischen Verhaltensweisen identifiziert. Für sie ist Geschwindigkeit ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Sie handeln meist nur innerhalb eines Tages und halten am Ende eines Handelstages keine Positionen mehr. Ihr Handeln basiert auf Computeralgorithmen, und sie handeln meist kleinere Positionen, die sie nur wenige Sekunden oder Minuten halten.

          Welche Bedeutung hat der Hochfrequenzhandel?

          In Deutschland werden 40 Prozent der Handelsaktivitäten nach diesem Muster getätigt, in Amerika mehr als 60 Prozent.

          Wer betreibt Hochfrequenzhandel?

          Jede größere Bank und einige auf Hochfrequenzhandel spezialisierte Anbieter.

          Sind die Hochfrequenzhändler den anderen Marktteilnehmern wegen ihrer Schnelligkeit immer einen Schritt voraus und machen deshalb hohe Gewinne?

          Es gibt im Markt eine Daumenregel, die besagt, dass ein erfolgreicher Hochfrequenzhändler in 60 Prozent seiner Geschäfte richtig liegt. Es ist also bei weitem nicht so, dass die Hochfrequenzhändler nur Gewinne machen. Wenn allerdings bekannt ist, dass zum Beispiel um 16 Uhr Konjunkturdaten vorgelegt werden, gehören die Hochfrequenzhändler zu den Ersten, die unmittelbar nach 16 Uhr auf die Nachricht reagieren.

          Wie schaffen sie das?

          Die Algorithmen sind so programmiert, dass sie auf bestimmte Schlüsselbegriffe und Zahlen aus Pressemitteilungen sofort reagieren. Außerdem haben in Frankfurt alle Hochfrequenzhändler ihre Rechner möglichst nah am Großrechner der Börse stehen. Jeder Meter Kabel kostet womöglich entscheidende Millisekunden.

          Wem nutzt der Hochfrequenzhandel?

          Zunächst einmal versuchen die Hochfrequenzhändler wie alle anderen Handelsteilnehmer Geld zu verdienen. Die Hochfrequenzhändler nützen aber auch den anderen Marktteilnehmern, weil sie durch ihr aktives Handeln viel Liquidität in die Märkte bringen. So entstehen bessere Preise. Auf einem Markt, auf dem ein Käufer nur auf einen Verkäufer trifft, ist der Preis sehr viel zufälliger, als wenn 100 Käufer und Verkäufer aktiv sind.

          Sind die Hochfrequenzhändler aber nicht den Privatanlegern weit überlegen und der Privatanleger hat deshalb immer das Nachsehen?

          Zwar versuchen Hochfrequenzhändler mittels etlicher mathematischer Modelle Marktentwicklungen zu antizipieren. Wo ein Aktienkurs aber am nächsten Tag oder in einer Woche steht, weiß der Hochfrequenzhändler genausowenig wie der Privatanleger. Das der Geldanlage in Aktien innewohnende Risiko ist für alle gleich.

          Ziehen sich die Hochfrequenzhändler nicht aber ausgerechnet in kritischen Marktphasen mit ihrer Liquidität zurück?

          Dieser Vorwurf ist nicht belegt. Die Deutsche Börse kann dies in ihren Handelsbüchern nicht erkennen, ebenso wenig, dass die Algorithmen in Abwärtsphasen trendverstärkend wirken.

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