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Börse erklärt Was ist Hochfrequenzhandel?

 ·  Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Regulierung des Hochfrequenzhandels. Bundesbank und Börse begrüßen dies. FAZ.NET benatwortet die wichtigsten Fragen zum Hochfrequenzhandel.

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© REUTERS Flash-Crash: Am 6. Mai 2010 sank der Dow Jones kurzzeitig um 9 Prozent

Was ist Hochfrequenzhandel?

Eine allgemeingültige Definition gibt es nicht. Börsenhandel ist häufig schnell, ab wann er aber hochfrequent ist, ist nicht definiert. Hochfrequenzhändler werden daher an typischen Verhaltensweisen identifiziert. Für sie ist Geschwindigkeit ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Sie handeln meist nur innerhalb eines Tages und halten am Ende eines Handelstages keine Positionen mehr. Ihr Handeln basiert auf Computeralgorithmen, und sie handeln meist kleinere Positionen, die sie nur wenige Sekunden oder Minuten halten.

Welche Bedeutung hat der Hochfrequenzhandel?

In Deutschland werden 40 Prozent der Handelsaktivitäten nach diesem Muster getätigt, in Amerika mehr als 60 Prozent.

Wer betreibt Hochfrequenzhandel?

Jede größere Bank und einige auf Hochfrequenzhandel spezialisierte Anbieter.

Sind die Hochfrequenzhändler den anderen Marktteilnehmern wegen ihrer Schnelligkeit immer einen Schritt voraus und machen deshalb hohe Gewinne?

Es gibt im Markt eine Daumenregel, die besagt, dass ein erfolgreicher Hochfrequenzhändler in 60 Prozent seiner Geschäfte richtig liegt. Es ist also bei weitem nicht so, dass die Hochfrequenzhändler nur Gewinne machen. Wenn allerdings bekannt ist, dass zum Beispiel um 16 Uhr Konjunkturdaten vorgelegt werden, gehören die Hochfrequenzhändler zu den Ersten, die unmittelbar nach 16 Uhr auf die Nachricht reagieren.

Wie schaffen sie das?

Die Algorithmen sind so programmiert, dass sie auf bestimmte Schlüsselbegriffe und Zahlen aus Pressemitteilungen sofort reagieren. Außerdem haben in Frankfurt alle Hochfrequenzhändler ihre Rechner möglichst nah am Großrechner der Börse stehen. Jeder Meter Kabel kostet womöglich entscheidende Millisekunden.

Wem nutzt der Hochfrequenzhandel?

Zunächst einmal versuchen die Hochfrequenzhändler wie alle anderen Handelsteilnehmer Geld zu verdienen. Die Hochfrequenzhändler nützen aber auch den anderen Marktteilnehmern, weil sie durch ihr aktives Handeln viel Liquidität in die Märkte bringen. So entstehen bessere Preise. Auf einem Markt, auf dem ein Käufer nur auf einen Verkäufer trifft, ist der Preis sehr viel zufälliger, als wenn 100 Käufer und Verkäufer aktiv sind.

Sind die Hochfrequenzhändler aber nicht den Privatanlegern weit überlegen und der Privatanleger hat deshalb immer das Nachsehen?

Zwar versuchen Hochfrequenzhändler mittels etlicher mathematischer Modelle Marktentwicklungen zu antizipieren. Wo ein Aktienkurs aber am nächsten Tag oder in einer Woche steht, weiß der Hochfrequenzhändler genausowenig wie der Privatanleger. Das der Geldanlage in Aktien innewohnende Risiko ist für alle gleich.

Ziehen sich die Hochfrequenzhändler nicht aber ausgerechnet in kritischen Marktphasen mit ihrer Liquidität zurück?

Dieser Vorwurf ist nicht belegt. Die Deutsche Börse kann dies in ihren Handelsbüchern nicht erkennen, ebenso wenig, dass die Algorithmen in Abwärtsphasen trendverstärkend wirken.

Sind die in Millisekunden handelnden Algorithmen überhaupt zu kontrollieren?

Schon aus Eigeninteresse haben die Hochfrequenzhändler etliche Sicherungsmechanismen in ihren Systemen eingebaut. Darüber hinaus haben viele Börsen Vorkehrungen getroffen, die „normale“ Handelsteilnehmer vor außer Kontrolle geratenen Algorithmen schützen sollen.

Warum plant die Bundesregierung dann ]ein Gesetz zum Hochfrequenzhandel?

Seit dem „Flash-Crash“ an der Wall Street im Mai 2010 gab es in Amerika immer wieder Handelsprobleme, die mit dem Hochfrequenzhandel in Verbindung gebracht werden. Das hat auch hierzulande das Vertrauen in den Börsenhandel erschüttert.

Was sieht das Gesetz vor?

Hochfrequenzhändler sollen ein spezielles Zulassungsverfahren durchlaufen. Sie müssen mehr Dokumentationspflichten erfüllen, werden strenger von der Bafin kontrolliert und müssen Gebühren entrichten, wenn sie zu viele Aufträge in den Handel geben, ohne diese auszuführen, und so die Systeme verstopfen.

Wird der Handel so sicherer?

Die meisten Marktteilnehmer begrüßen das Gesetz im Grundsatz, obwohl es zwei bis drei Jahre vor einer europäischen Regelung in Kraft treten dürfte. Es wird vieles in Gesetzestext gegossen, was in Deutschland schon gängige Praxis ist.

Sollte es keine Verpflichtung geben, Wertpapieraufträge wenigstens für eine halbe Sekunde im System stehen zu lassen?

Eine solche Mindesthaltefrist steht nicht im Gesetz. Ein Vorwurf gegenüber dem Hochfrequenzhandel ist, dass die Händler in kritischen Marktphasen ihre Liquidität zurückziehen. Die Börse konnte dies mit Zahlen widerlegen. Es wäre ein Experiment, gewesen, dass es so noch nirgends gab.

Neue Pannen an der Wall Street

Amerikanische Börsen, die von einem millisekundenschnellen elektronischen Handel dominiert werden, machen wegen Computerfehlern weiter negative Schlagzeilen. Der Börsenbetreiber Bats, die Nummer drei der Branche, hat in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass in den vergangenen vier Jahren rund 430.000 Transaktionen zu falschen Kursen ausgeführt wurden. Die Programmierfehler kosteten Händler insgesamt etwa 420.000 Dollar. Zwar ist der finanzielle Schaden überschaubar. Der Schaden für den Ruf der Börse ist dennoch groß, da Kunden den besten an den amerikanischen Aktienmärkten verfügbaren Preis erhalten müssen. Nun ermittelt die Börsenaufsicht SEC. Bats hatte erst im vergangenen März den eigenen Börsengang nach technischen Schwierigkeiten mit einer neuen Software abgesagt. Bats ist nicht die einzige der 13 amerikanischen Börsen, die ihre Computer nicht komplett im Griff hat. In der vergangenen Woche funktionierte die Handelssoftware der kleineren National Stock Exchange fast eine Stunde lang nicht richtig. Der Branchenprimus, die New York Stock Exchange, hatte seit Weihnachten zweimal mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die allerdings schneller behoben wurden. An der Nasdaq, der zweitgrößten Aktienbörse, fiel Anfang Januar das Berichtssystem für Aktien eine Viertelstunde lang aus. Nach der Einschätzung von Fachleuten sind die diversen Fehltritte eine Folge des scharfen technologischen Wettbewerbs unter den Börsen, die für die Hochfrequenzhändler attraktiv bleiben müssen. „Das Tempo des Wandels ist so schnell geworden, dass der Prozess der Qualitätssicherung nicht so robust ist, wie er sein sollte“, sagt George Simon, ein erfahrener Wertpapierrechtler bei der Anwaltskanzlei Foley & Lardner. Die strukturellen Schwierigkeiten der Börsen gelten als einer der Gründe für die Zurückhaltung von Privatanlegern am Aktienmarkt.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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