06.11.2009 · Wer geglaubt hat, der deutsche Aktienmarkt könnte sich gegenüber der Wall Street emanzipieren, der sieht sich getäuscht. Zumindest in den vergangenen beiden Jahren hat der Dax meistens nur die Vorgaben des S&P 500 Index nachvollzogen.
Arbeitstag für Arbeitstag zerbrechen sich viele Börsianer den Kopf darüber, wie es wohl mit dem Dax weiter gehen wird. Und wegen der vielen Einflussfaktoren, die man bei den Überlegungen denkt, berücksichtigen zu müssen, erscheint die Aufgabe schwierig und komplex.
In der Tat ist das Erarbeiten von Kursprognosen keine einfache Geschichte. Trotzdem könnten es sich zumindest jene Analysten leichter machen, die sich mit Kursvorhersagen zum Dax beschäftigen. Denn letztlich müssten sie sich eher der Aufgabe widmen, wie die Kursaussichten für die Wall Street aussehen.
Synchronisierter Geld- und Wirtschafts-Zyklus führt zu hoher Korrelation
Denn der Gleichlauf, den der deutsche mit dem amerikanischen Aktienmarkt aufweist, ist spätestens seit Mitte 2007 wieder frappierend. Wie der Chart zeigt, läuft der Dax mehr oder weniger identisch mit dem S&P 500 Index. Die in den Jahren zuvor zu beobachtende Emanzipation, hat sich somit mittlerweile wieder in Luft aufgelöst. Wer den Kurstakt vorgibt, zeigte sich auch an diesem Freitagnachmittag wieder einmal eindrucksvoll.
Denn da wartete der Dax zunächst eindrucksvoll auf dem Niveau des Vortages, was die Arbeitsmarktzahlen aus Amerika ausfallen, um dann nach deren Vorlage im Gleichschritt mit der Wall Street einen relativ volatilen Ritt nach unten und nach oben zu vollführen.
Angesprochen auf die Kurs-Synchronität von Dax und S&P 500 Index versucht Analyst Heino Ruland von Ruland Research das Phänomen wie folgt zu erklären: ´“Die Korrelation ist schon frappierend. Ich nehme an, dass der synchronisierte Geld- und Wirtschafts-Zyklus der beiden Wirtschaftsräume, die Ursache der starken Korrelation ist.“
Auch die Globalisierung verstärkt den Gleichlauf
Mit Wieland Staud von Staud Research interpretiert die Zusammenhänge auch ein Charttechniker ähnlich. „Ich würde das als Rückkehr zur Normalität klassifizieren“, erklärt er. Und weiter: „Gemessen an der unterschiedlichen Marktkapitalisierung von Dax und S&P 500 wird der Dax nur das tun können, was der S&P 500 vorgibt. Und in Zeiten der Globalisierung ist ein Gleichlauf vieler Indices wahrscheinlich auch normal. Die Unterschiede verschwinden eben.“
Etwas putzig muten unter diesen Umständen auch die um die diesjährige Bundestagswahl herum angestellten Überlegungen an, inwieweit der Sieg einer bestimmten Partei nachhaltig Einfluss auf die Kursentwicklung am deutschen Aktienmarkt nehmen wird. Denn wie der Chart eindrucksvoll zeigt, ist zwar kurzzeitig ein Effekt aus solchen Dingen möglich, langfristig orientiert sich der deutsche Aktienmarkt derzeit aber letztlich daran, was an der Wall Street passiert.
Und ein Ende des Daseins als Wurmfortsatz der Wall Street ist für den deutschen Aktienmarkt trotz des Geredes um eine Ablösung Amerikas als dominierende Wirtschaftsmacht noch nicht in Sicht. Zumindest vermittelt dieser Eindruck die fast deckungsgleiche Entwicklung von Dax und S&P 500 Index.
hinkender Vergleich
leo weiss (leo_weiss)
- 06.11.2009, 20:38 Uhr
@Leo W.
Janis Bauer (StudentT)
- 06.11.2009, 22:35 Uhr
Währung berücksichtigen
Eberhard J. Zimmer (chaosXebi)
- 07.11.2009, 09:24 Uhr
Kein Wunder
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 07.11.2009, 20:14 Uhr
Stimmt nur hinsichtlich der Richtung
Alex Merck (AlexM3)
- 08.11.2009, 01:34 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |