03.09.2010 · Das hohe Volumen aufgegebener und postwendend stornierter Aktienaufträge im Umfeld des „Blitz-Crashs“ vom Mai hat die amerikanische Börsenpolizisten aufhorchen lassen. Untersuchungen laufen.
Von Norbert Kuls, New YorkDie amerikanische Börsenaufsicht SEC prüft ungewöhnliche Praktiken im schnellen Computerhandel, die möglicherweise zum kurzzeitigen Absturz der Aktienkurse Anfang Mai beigetragen haben. Es geht um eine große Zahl von Aktienaufträgen, die innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder storniert wurden.
Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ prüft die SEC jetzt, ob damit die Aktienkurse möglicherweise verzerrt und Investoren benachteiligt wurden. Händler berichten, dass das Phänomen der stornierten Aufträge mit dem Wachstum computergestützten Handels zugenommen hat.
Missbrauch oder Fehler im System?
Am 6. Mai war der Dow-Jones-Index binnen weniger Minuten um fast 1000 Punkte gefallen, bevor sich die Kurse wieder etwas erholten. Für dieses an der Wall Street als „Blitzcrash“ bezeichnete Ereignis haben die Aufsichtsbehörden noch keine abschließende Erklärung gefunden. Die SEC und die Terminbörsenaufsicht CFTC wollen aber in den kommenden Wochen einen Prüfungsbericht vorlegen.
Einige Marktteilnehmer argumentieren, dass eine größere Zahl stornierter Aufträge die natürliche Konsequenz schneller Märkte sei, in denen Computerprogramme permanent nach den besten Preisen an verschiedenen Börsenplätzen suchen. Kritiker befürchten jedoch, dass mit der zunehmenden Geschwindigkeit des Handels auch missbräuchliche Taktiken aufgekommen sein könnten, die von Aufsichtsbehörden nur schwer nachzuvollziehen sind.
Krieg der Computerhändler?
Die Frage nach den stornierten Aufträgen und ihren Auswirkungen wird an der Wall Street lauter gestellt, seit der Informationsdienst Nanex jüngst entsprechende Daten über den Blitzcrash und andere Börsensitzungen veröffentlicht hatte. „Es gibt jeden Tag Dutzende und manchmal Hunderte davon“, sagt Eric Hunsader, einer der Gründer von Nanex. Er glaubt, dass Verzerrungen durch die hohe Zahl umgehend stornierter Aufträge zu einer Destabilisierung des Marktes am 6. Mai beigetragen haben. Die Daten suggerierten, dass computergestützte Aufträge die Börsen überlastet haben.
Hunsader spekuliert zudem darüber, ob es sich nicht sogar um eine Art Krieg der Computerhändler im Cyberspace gehandelt haben könnte. Er vermutet, dass eine kleine Gruppe von Händlern bewusst versucht haben könnte, mit einem hohen Auftragsvolumen für Verzögerungen an den Börsen zu sorgen. Diese Händler, die von kleinsten Preisunterschieden an verschiedenen Märkten profitieren, hatten in diesem Fall möglicherweise Vorteile. „Wenn jemand Aufträge in sehr hoher Frequenz ohne guten wirtschaftlichen Grund abfeuert, ist der Vorwurf glaubwürdig, dass es sich um ernsthaft missbräuchliche Praktiken handelt“, sagt James Angel, Finanzprofessor an der Universität Georgetown in Washington.
Koordinierte Sicherungsmechanismen
Um einen Blitzcrash künftig zu vermeiden, hatte die SEC vor kurzem neue Regeln für die kurzfristige Handelsunterbrechung von Aktien nach starken Kursausschlägen verabschiedet. Damit soll Händlern Zeit gegeben werden, angesichts des extrem schnellen Handels die Umstände für Kursschwankungen vernünftig zu bewerten. „Diese neuen Regeln werden sicherstellen, dass alle Märkte gleichzeitig pausieren und Käufer und Verkäufer zu rationalen Preisen handeln“, sagte die SEC-Vorsitzende Mary Schapiro bei der Vorstellung der neuen Regeln.
Ermittler der Börsenaufsicht gehen davon aus, dass die Marktstörung von verschiedenen Handelsrichtlinien und Grundsätzen der Börsen verschärft worden war. Am 6. Mai war an der New Yorker Börse Nyse der elektronische Handel bei Hunderten von Aktien ausgesetzt worden, weil ihre Kurse zu stark gefallen waren. An konkurrierenden elektronischen Börsen gab es bisher keine derartigen Sicherheitsschalter für Einzelaktien. Nach der Handelsunterbrechung an der Nyse waren die Aufträge an elektronische Börsen weitergeleitet worden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3283 | +0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 118,75 $ | +0,76% |
| Gold | 1.746,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |