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Blick auf die Börsen Ist die „Ramschaktien-Rally“ nachhaltig?

13.11.2009 ·  Konservative Anleger gerieten in den vergangenen drei Monaten ins Hintertreffen, als die Aktien risikoreicher und finanziell angeschlagener Unternehmen den Rest des Marktes in den Schatten stellten. Nun scheint sich das zu ändern.

Von Ben Steverman
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Die Aktienstrategen scheinen heutzutage vom Qualitätsgedanken besessen zu sein.

Wie ich bereits im Juni schrieb (siehe:„Ramschaktien“ führen die Rally an), waren in hohem Maße Schrottpapiere der treibende Faktor hinter der Marktrally, die vom März bis in den Oktober reichte. Allen voran tanzten kleinere Unternehmen mit höheren Schulden, weniger Liquidität, schwachen Kursen und sinkendem Absatz. Diese Aktien erholten sich von den Tiefschlägen des Jahres 2008. In ihrem Aufstieg spiegelte sich die Erleichterung der Anleger wider, dass die Katastrophenszenarien nicht eingetreten waren.

Jetzt aber schauen die Marktprognostiker sehr genau, ob die Hausse der qualitativ minderwertigeren Titel nicht vielleicht vorüber ist. Oder zumindest abklingt.

Sehen wir uns drei unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema an:

1. Es sei gut möglich, dass der Rally die Puste noch nicht völlig ausgegangen ist, stellte Stratege William Delwiche von Robert W. Baird am 5. November fest. Jedoch, schränkt er ein, gingen die Trends etwas zurück, und nicht alle Aktien würden daran teilnehmen. Zu den jüngsten Marktgeschehnissen schreibt er:

Die Aktien kleinerer Unternehmen hinken jetzt den Papieren der großen Kapitalgesellschaften hinterher; sie erreichen bei Kurserholungen nicht mehr die gleichen Zuwächse und fallen bei Wertverlusten stärker ab.
Finanzaktien sieht Delwiche schwächeln, während Energie, Basiskonsumgüter und Versorgungsdienste die Muskeln spielen lassen.

2. Kommentatoren der Bank of America Merrill Lynch, angeführt vom Leitenden Amerika-Aktien-Strategen David Bianco, konzentrierten sich in einer Nachricht vom 9. November auf das Beta-Konzept, ein Maß der Volatilität:

Für den Fall, dass es eine fortgesetzte positive Marktentwicklung geben wird, gehen wir generell davon aus, dass Aktien mit höherem Beta-Faktor Aktien mit niedrigerem Beta-Faktor hinter sich lassen werden. Wir erwarten, dass höherwertige Titel besser abschneiden werden als geringerwertige von vergleichbarem Beta-Faktor.

Doch Beta-Faktor und Qualität sind nicht das gleiche, und das eine vom anderen zu unterscheiden, könne - so warnen sie - problematisch sein.

3. Wer meint, dass der Marktrally die Luft ausgegangen ist, sollte vielleicht auf sogenannte risikoarme Aktien umsteigen: Unternehmen, die ihren Wert auch dann behalten, wenn der Markt talwärts oder seitwärts geht.

Portfolio-Stratege Barry Knapp von Barclays Capital hält drastische Kurswechsel in der Anlagestrategie für verfrüht. Doch, so schrieb er am 6. November, „wir haben bei sämtlichen Anlageformen einen Wendepunkt in der mit Fed-Liquidität befeuerten, signifikant korrelierten Rally erreicht.“ Und fügt hinzu:

Es mag im aktuellen Zyklus noch zu früh sein, auf defensiv zu schalten. Doch die vorhandenen Bewertungsmöglichkeiten zwingen uns, einen kleinen Schritt in diese Richtung zu gehen.

Er empfiehlt den Kauf defensiverer Aktien; insgesamt jedoch solle man weiterhin in erster Linie auf konjunkturabhängigere Papiere setzen. Zum Beispiel glaube er, dass Technologie-, Industrie- und Energiewerte „auch in Zukunft die absoluten Kursgewinner sein dürften.“

Wohin die Reise auch geht: Viele Qualitätswerte scheinen zu Kursen zu notieren, die für Langzeitanleger attraktiv sein könnten.

Dabei wird viel von den Unternehmensgewinnen in den letzten drei Monaten des Jahres 2009 abhängen. Nach langer Rezession und Finanzkrise sind zwei der schwächsten Sektoren die Luxuskonsumgüter und die Finanzwirtschaft. Von beiden erwarten Prognostiker Anfang nächsten Jahres Ertragsexplosionen.

Falls das eintrifft - das heißt, wenn der Einzelhandel eine die Erwartungen übertreffende Feiertagssaison erlebt und es den Banken gelingt, ihre angeschlagenen Bilanzen zu reparieren -, so könnte sich die Hausse der minderwertigen Aktien durchaus fortsetzen.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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