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Veröffentlicht: 23.11.2012, 12:51 Uhr

„Black Friday“ Nahkampf im Laden

Für den amerikanischen Einzelhandel markiert der „Black Friday“ traditionell den inoffiziellen Start der Weihnachtssaison. Es ist der Beginn großer Rabattschlachten – die teilweise auch zu uns über den Atlantik überschwappen.

von Christoph A. Scherbaum
© REUTERS Anstehen für die großen Rabatte. Ein ganz normaler Black Friday in San Francisco.

Wer einmal auf der Nordsee-Insel Sylt am Ostersamstag in der Innenstadt von Westerland einkaufen war, der kann sich im Kleinen vage vorstellen, was in Amerika am „Black Friday“ los ist. Der Ostersamstag ist für die Einzelhändler auf Deutschlands bekanntester Ferieninsel der wichtigste Verkaufstag des Jahres. Gefühlt ist ganz Hamburg inklusive Umland auf der Insel und kauft die Läden mit der neuen Sommer-Kollektion leer. In Amerika haben sie dafür den Brückentag zwischen dem Thanksgiving-Fest und dem vierten Wochenende im November auserkoren.

Chaotische Szenen gehören dazu

Nahezu alle Geschäfte locken an diesem Tag mit Niedrigpreisen und längeren Öffnungszeiten. Dieser Tag ist berüchtigt für chaotische Rangeleien mit Verbrauchern, die sich um die besten Angebote reißen. Seitens der Einzelhändler bedeutet der sogenannte „Black Friday“ nicht nur außerordentlichen Stress – er ist für viele der wichtigste Indikator für die kommenden Verkaufswochen vor Weihnachten.

People examine sale items at Target on the Thanksgiving Day holiday in Burbank, California © REUTERS Vergrößern Am „Black Friday“ können sich die Amerikaner über viele Rabatte freuen.

Allein der Name sagt schon alles aus: „Black Friday“, benannt nach der Branchenregel, wonach an diesem Tag Einzelhändler die Gewinnschwelle für das Jahr überschreiten und schwarze Zahlen schreiben – oder auch nicht. Konkurrenz in Zeiten des Internet hat der „Black Friday“ vor Jahren durch den „Cyber Monday“ bekommen – dem Montag nach dem Thanksgiving-Fest. Schließlich ist dem amerikanischen Einzelhandel nicht entgangen, dass das Online-Geschäft in den vergangenen Jahren zunehmend wichtiger wurde.

Cyber Monday

Wer als Verbraucher am besagten Freitag nicht durch volle Shopping-Malls laufen will, der geht am „Cyber Monday“ online einkaufen. So ist dieser Einkaufstag in den vergangenen Jahren in Amerika zu einem der populärsten Tage für den Interneteinkauf geworden – und neben dem „Black Friday“ zum zweitwichtigsten Einzelhändlertag. Amerikanische Konzerne wie Apple, Amazon oder Wal-Mart lassen die Verbraucher nun auch außerhalb der Vereinigten Staaten an diesen „Einkaufstagen“ teilnehmen. Auch bei uns in Deutschland.

Major Retailers Begin Black Friday Sales Thanksgiving Night © AFP Vergrößern Schnell zur Kasse - in vielen Discountern wie hier bei Target in Highland, Indiana bilden sich lange Schlangen.

Der Online-Händler Amazon beispielsweise hat zusammen mit dem „Cyber Monday“ gleich eine ganze Rabatt-Woche ausgerufen, in der im schnellen Wechsel zahlreiche Blitzangebote online gehen. Bis zum 30. November gibt es alle 15 Minuten ein anderes Produkt, das bis zu 50 Prozent günstiger angeboten wird. Selbst der eigentlich sonst mit Rabatten geizende Apple-Konzern macht mit. Obwohl im App Store keine Sonderseite für den „Black Friday“ existiert, sind auch dort für iOS und OS X zahlreiche Sonderangebote zu finden. Neben günstigen Spielen gibt es Rabatt auf verschiedene Anwendungen.

Deutschland mit „Nachholbedarf“

Das ist aber nichts im Vergleich zu Amerika. Dort gibt es speziell für den „Black Friday“ eine gesonderte Internet-Seite, die dem Verbraucher genau sagt, welcher Einzelhändler was, wann und wo billiger verkauft.

156916902 © AFP Vergrößern Kunden in einem Apple Store am Black Friday

Bei uns in Deutschland gehen Einzelhändler das Thema Rabattschlacht ganz anders an. Der Elektrohändler Media-Markt beispielsweise will seine Preisstrategie grundlegend ändern und künftig auf Rabattschlachten verzichten. „Schluss mit den Preisschlachten, mit den Schleuderpreisen, den Geizhalsangeboten. Das wollen die Menschen nicht mehr“, sagte der Chef der Media-Saturn-Holding, Horst Norberg, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ Anfang Oktober. Statt „überzogener Preisaktionen“ solle es nun „dauerhaft Tiefpreise“ geben. Sollten wichtige Wettbewerber Preise senken, werde der Media-Markt entsprechend nachziehen. Eine diesbezügliche Garantie ist allerdings offenbar nicht geplant.

Konsumfreude versus aktuelle Probleme

Man darf letztlich nach diesem amerikanischen Einkaufswahnsinn auf die November-Einzelhandelsumsätze gespannt sein, die Anfang Dezember veröffentlicht werden. Dann wird sich zeigen, in wie fern die amerikanischen Verbraucher ihre Konsumfreude vom weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit hoher Arbeitslosigkeit und vom schwächelnden Häusermarkt hemmen lassen.

People carry shopping bags as they walk through Herald Square in New York © REUTERS Vergrößern Auf dem Herald Square in New York tummeln sich viele Schnäppchenjäger.

Für Aktionäre könnte die Veröffentlichung der Daten zu den Einzelhandelsumsätze ebenfalls interessant sein. Schließlich werden die Bilanzen von Apple & Co durch das wichtige Weihnachtsgeschäft maßgeblich beeinflusst - und damit auch die Aktienkurse.

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Quelle: FAZ.NET

 

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